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„Chillen“ in allen Lebenslagen

Buchpremiere Martin Guth stellt bei Bindernagel neuen Band vor, der erst diese Woche ausgeliefert wird

BUTZBACH (dt). Es war ein launiger, musikalischer, unterhaltsamer Abend, den die 80 Besucher am Freitag in der Buchhandlung Bindernagel erlebten. Wie schon zuvor bei seinen beiden ersten Büchern von Martin Guth „Mann, Papa“ und „Meine Frau, ihr Mann und ich“ fand die Premiere des neuen, dritten Werkes „Chill mal dein Leben, Papa“ erneut als „Heimspiel“ in der Butzbacher Buchhandlung statt. Eine kleine Panne, die Guth gleich für die ersten Gags nutzte, war, dass das Buch noch nicht erschienen ist. Nicht, weil etwa der Autor damit noch nicht fertig geworden sei, sondern weil der Verlag bei der Herstellung irrtümlich einen anderen Romantext mit dem Cover von Guths Buch versehen habe.

Das neue Buch mit 60 Geschichten/Kolumnen werde nun erst Mitte dieser Woche erscheinen. In zeitweise fliegendem Wechsel fand wegen technischer Probleme notgedrungen, aber fröhlich, mehrmals ein Mikrofonaustausch statt zwischen dem vortragenden und plaudernden Martin Guth und seinem musikalischen Partner Max Pfreimer (Gitarre und Gesang), der ebenfalls aus dem „Künstlerdorf Pohl-Göns“ stamme, wie Guth glaubhaft versicherte. 

Das „Chillen“ des Papa, war als Forderung gleich im Eröffnungstext von Bedeutung, weil die mittlerweile 16-jährige Tochter unbedingt gespritzten Apfelwein – und somit Alkohol – probieren will. Der Papa hält davon natürlich gar nichts, aber am Ende, wie meist auch bei vielen anderen Gelegenheiten, muss der Papa wieder einmal kapitulieren. Die Trinkstory setzt sich dann fort mit dem Besuch bei einem Freund, der seine neue, teure Kaffeemaschine mit Kaffeebohnen aus der Toskana füttert und dabei das technische Wunderwerk wie einen Zwölf-Zylinder-Sportwagen präsentiert, das am Ende der Prozedur aber nur lauwarmen Kaffee liefert. 

Im folgenden ersten Song bedauerte Guth das Verschwinden von Wörtern in der deutschen Sprache. „Wo seid ihr hin? Sag, was ist gescheh’n?“ Wo sind sie geblieben, die Wörter wie „kommod“, „blümerant“, „Schlachtenbummler“, „Haftschalen“, der „Ölgötze“, der „Binder“ oder der „Pfennigfuchser“? Alle weg.  

Der zweite Textabschnitt beschäftigte sich dann mit den oftmals selbst errichteten Klippen ratloser Eltern bei der Gestaltung von Kindergeburtstagen. Mit einer großen Schar von Achtjährigen ein Eierlaufen oder Topfschlagen am Hausbergturm oder das politisch korrekte Spiel „Wer hat Angst vorm maximal pigmentierten Mann“ sei bei den Kindern nicht der Brüller gewesen. Im Übrigen – allgemein gesprochen – bestehe Erziehung doch heute zu mindestens 50 Prozent aus gegenseitiger „Erpressung und Bestechung“ der Protagonisten. Im nächsten Song beklagte sich Guth über sein schlechtes Namensgedächtnis, dem er nur mit Eselsbrücken begegnen könne: Karl hat da beispielsweise ein Lager im Feld und Nina kommt aus Hagen. Ein weiteres Thema war im Folgenden der Korfu-Urlaub mit Kindern und zusätzlich den eigenen Eltern und der Schwiegermutter; unvergessliche Momente am Koffer-Laufband im Flughafen.

Mit einem ruhigen, fast träumerischen Solosong leitet Max Pfreimer dann über zur realen Pressemeldung über eine Limburger Veganerin, die mit Erfolg beim Bürgermeister mit Namen Hahn durchsetzte, dass dieser das Glockenspiel am Rathaus – „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ – abschalten ließ. Da überhole die Realität die Satire. Nach Guths Ansicht müssten dann auch Redensarten wie „Klappe zu, Affe tot“, der „Frosch im Hals“ oder der „dicke Fisch an der Angel“ verboten werden, da Veganerinnen damit ja nicht überein kommen könnten. 

Nach dem umwerfenden Song für eine geliebte Bäckereiverkäuferin („Du bis meine Sahneschnitte“) ging es textlich um den Kauf von eigentlich ungeliebten Flip-Flops und Max Pfreimers Solo „Ich glaub an dich“ folgte. Das Publikum spendete kräftig Beifall.

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