„Damit es morgen nicht anders wird“

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„Damit es morgen nicht anders wird“

Feier Zehn Jahre Bündnis für Demokratie und Toleranz / „Entscheidende Säule in Flüchtlingsarbeit“

BUTZBACH (dt). Solidarität mit dem Anderssein, heute etwas tun, damit es morgen nicht anders wird, das Umfeld menschlich gestalten und jeden Menschen so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte! Dies war zusammengefasst das Statement, das der Sprecherrat des Bündnisses für Demokratie und Toleranz mit Otto Seesemann, William Thum, Hildegard Hewel und Milena Fritz am Ende der dreistündigen Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen am Montagabend auf der Bühne der Alten Turnhalle als sein Credo verkündete. „Wir sind unsagbar dankbar für dieses Engagement, wir brauchen weitere zehn Jahre“, hatte Bürgermeister Michael Merle zuvor in seinem Grußwort formuliert. Das Highlight des Abends war die sympathisch-beeindruckende Lesung der bekannten TV-Moderatorin Mo Asumang (vgl. weiteren Bericht).

Im vollbesetzten Saal begrüßte Moderator Martin Guth das Publikum, unter dem sich auch viel kommunalpolitische Prominenz befand. Guth entschuldigte den krankheitshalber nicht erschienen Fair-Play-Botschafter Armin Kraaz und das Echzeller Bündnis „Grätsche gegen Rechtsaußen.“

Flott, temporeich und mitreißend begann der Abend danach mit tänzerischen Darbietungen der Kinder-Hip-Hop-Gruppe „Little Swaggers“ vom Tanzstudio Kaiser, ehe Seesemann die zehnjährige Arbeit des Bündnisses in einem Rückblick Revue passieren ließ.

Am 3. Mai 2005 habe die „Hessenschau“ über eine neue WG der „Freien Nationalisten Rhein/Main“ – mit dem Ziel der Gründung eines Schulungszentrums – in der Langgasse in Hoch-Weisel berichtet. Kopf der Gruppe sei Marcel Wöll gewesen, der bei der Kommunalwahl 2006 einen Sitz im Butzbacher Stadtparlament und im Wetterauer Kreistag erobern konnte.

Die Atmosphäre im Dorf Hoch- Weisel – so Seesemann – habe sich verändert. Ein Teil der Bürgerschaft habe gleichgültig reagiert, ein Teil ängstlich und ein anderer habe im Juli 2005 den „Arbeitskreis demokratisches Hoch-Weisel“ gegründet, wobei federführend das Hoch-Weiseler Pfarrerehepaar Haas initiativ geworden sei. Nach einigen Aktionen der „Freien Kameradschaft“ habe es am 10. Februar 2007 dann eine öffentliche Neonazi-Kundgebung auf dem Butzbacher Marktplatz gegeben, worauf am 26. April des gleichen Jahres mit 200 Personen das „Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz“ gegründet worden sei. Dieses habe mit der Hessischen Sportjugend gemeinsame Aktionen durchgeführt und mit der „Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau“ und seinem Vorsitzenden Andreas Balser zusammengearbeitet.

 Im August 2008 sei dann die WG in Hoch-Weisel aufgelöst worden. Wöll sei als hessischer NPD-Vorsitzender – nach dem Misserfolg bei der Landtagswahl – zurückgetreten und kurz darauf wegen Körperverletzung, Leugnung des Holocaust und Volksverhetzung gerichtlich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Aktuell setze das Butzbacher Bündnis Schwerpunkte beispielsweise mit eigenen Demonstrationen gegen öffentliche Kundgebungen und Aktionen der AfD und NPD und in der Arbeit mit den Flüchtlingen.

 Nach einem musikalischen Intermezzo der Butzbacher Band „Five Miles per hour“ gab es Grußworte von Bürgermeister Merle, der Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch und von Behad Borhani, der dem Vorstand der Hessischen Sportjugend als Referent für internationale Jugendarbeit angehört. Merle skizzierte aus Sicht der Stadt die Pro-bleme mit der Hoch-Weiseler Gruppe im Zeitraum unmittelbar vor dem Hessentag 2007. Im Auftrag des Magistrats sagte er Dank für die Arbeit des Bündnisses, das bereits ab 2012 auch „eine entscheidende Säule“ im ehrenamtlichen Einsatz bei der Betreuung der zugewiesenen Flüchtlinge sei.

Becker-Bösch erinnerte daran, dass „unsere Großeltern und Eltern die Demokratie in diesem Land aufgebaut“ hätten und die heutige Generation dazu aufgerufen sei, die Grundwerte, das Grundgesetz und die demokratische Ordnung zu verteidigen – gerade dann, wenn es erschreckende Wahlergebnisse wie die vor wenigen Tagen gebe. Mitmenschlichkeit und Toleranz müssten „wir an unsere Kinder weitergeben“. Borhani, der später ein Kontingent Freikarten für den Besuch des Stückes „Willkommen“ am Gießener Stadttheater an das Publikum verteilen ließ, gab ein sehr persönliches Statement ab und unterstrich im Gespräch mit Moderator Guth, dass gerade der Sport die Demokratie gegen ihre Feinde stärken wolle und könne.

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