Darsteller überzeugen im Heidenpeter

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Darsteller überzeugen im Heidenpeter

GAMBACH. Das Foto zeigt die Mitwirkenden des historischen Stücks „Heidenpeter“ über das Leben eines Wetterauer Räubers.

Aufführung Stück von Johannes Schütz über Wetterauer Räuber feiert in Gambach Premiere

GAMBACH (pe). „Heidenpeter“ ein Stück von Johannes Schütz, kam am Freitag in Gambach zur Uraufführung. Premierenabend, ein Blick auf beide Seiten des Vorhangs. Auf der einen Seite: 19.00 Uhr, der Saal füllt sich sich langsam mit dem Publikum. Plätze werden ausgesucht, Bekannte begrüßt. Einige werfen einen Blick in das Programmheft, nehmen sich Zeit, auch die längeren Texte zu lesen, andere blättern gleich weiter zu den Darstellern. 

Auf der anderen Seite: 19.00 Uhr. Die Darsteller im kleinen Saal tragen bereits ihre Kostüme, der eine oder andere muss noch in die Maske. Die Stimmung wechselt zwischen Anspannung, Lampenfieber und Vorfreude und jeder geht damit anders um. Ein Räuber reißt Witze, der jüngste Darsteller schlittert auf Socken quer durch den Raum, ein Mann mit Zylinder geht in sich gekehrt auf und ab. Die Anspannung ist greifbar.

Um 19.30 Uhr geht das Licht im großen Saal aus, die Bühne wird beleuchtet und gibt den Blick durch die transparenten Vorhänge auf angedeutete Zellen frei. Ein schmächtiger Räuber wird von zwei Wachen auf die Bühne geführt. Von der anderen Seite betritt der Amtsgerichtsrat die Bühne und mit dem ersten Blick, den die beiden wechseln, beginnt die Geschichte, die den Zuschauer die nächsten anderthalb Stunden begleiten wird.

Sie beginnt  im Jahr 1811, als sich die Zeit der Räuberbanden in der Wetterau dem Ende zuneigt. Peter Görzel, genannt Heidenpeter, verlor in früher Kindheit seine Mutter, seinen Vater kannte er nicht. Völlig auf sich allein gestellt, wurde er von „Zigeunern“ aufgenommen, doch auch seine Ziehmutter starb. Heidenpeter, ein eigentlich sensibler und zugewandter Charakter, schloss sich den Kochemer Leuten an, Räubern, die in der Wetterau ihr Unwesen trieben, und beging mit ihnen Überfälle und Raubzüge, die teilweise grausam und brutal waren. 

Tobias Vogel, Darsteller des Heidenpeters, gelingt es überzeugend, den Charakter des Räubers in allen Facetten wiederzugeben: Seine Intelligenz, Verletzlichkeit und vor allem die große Nähe zu seiner Familie werden von Vogel sehr einfühlsam dargestellt.  

Nach seiner Verhaftung ist es gerade die große Liebe zu seiner Familie, die  Hofgerichtsrat Grolman, sein Gegenspieler, benutzt, um Heidenpeter zu einem Geständnis zu bringen. Grolman wird dargestellt von Michael Färber. Er gibt dem Zuschauer einen Einblick in das Wesen des Hofgerichtsrates, der ein Mensch mit großer Empathie ist, diese aber auch  einsetzt, um zu seinem Ziel zu kommen. Auf der einen Seite ein nachdenklicher Mensch, der vom Schicksal Peter Görzels berührt wird, knüpft Grolman andererseits doch kaltherzig die Schlinge, die sich um Heidenpeters Hals legt. 

Nur einem Räuber, dem Schodenheinrich, gelingt es, seinen Kopf aus dieser Schlinge zu ziehen. Klaus Winkelmann begeistert in dieser Rolle, sowohl in den lauten, als auch in den leisen Passagen. 

Sehr berührend ist das Spiel von Andres Klein und Julia Färber, den jüngsten Mitgliedern der Schauspieltruppe. Andres spielt den Sohn Heidenpeters, der mit seiner unbekümmerten Art das Herz des Hofgerichtsrates berührt und sein Handeln beeinflusst. Julia verkörpert überzeugend die Seelennot eines jungen Mädchens, das von seiner Umwelt wegen den Taten seines Vaters ausgegrenzt wird. 

Das Stück aus der Feder von Johannes Schütz ist keine leichte Kost, es ist eine Geschichte von Armut und Mut, von Hoffnung und Zwiespalt. Sie wird mit viel Wärme und Engagement von den Darstellern umgesetzt, die mit ihrer Leistung wirklich überzeugen und den Zuschauer manches Mal vergessen lassen, dass es sich um eine Inszenierung eines Laientheaters handelt. 

Die Familie: Daniela White (Heiden Cathrinchen), Julia Färber (Margarethe), Andres Klein (Heinrich) Die Räuber: Ben Krappatsch (Schwarzer Jung), Uwe Schmittberger (Jakob Vielmetter), Martin Eismann (Conrad Anschuh), Sebastian Weil (Heinrich Dietz), Angehörige der Räuber: Anne Klein (Anna Maria Glüber), Katrin Grieb (Barbara Sippel), Claudia Hillebrand (Anna Christina Weber), Sabine Vetter (in mehreren Rollen), Kristin Grieb (Sofie), Wärter: Michael Hantschel, Jirko Ziegenbalg, Reiner Grieb, Manfred Rotter Richter:  Thomas Hillebrand (in mehreren Rollen), Carsten Sange (in mehreren Rollen).

Die Premiere war nach dem Stück „die Ratzkatrein“ 2018 ein weiterer Erfolg für die Kleine Bühne Gambach, den das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und standing ovations honorierte. 

Weitere Aufführungen finden am 1. und 2. November, jeweils um 19.30 im Bürgerhaus Gambach statt. Einige wenige Karten sind noch für den 1. November verfügbar. Weitere Informationen und Aufnahmen von den Proben und Aufführungen findet man unter www.kleine-buehne-gambach.de.

GAMBACH. Im Bürgerhaus Gambach feierte das Stück „Heidenpeter“ am Samstag Premiere. 

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