Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte

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Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte

WANDERAUSSTLLUNG – Schau des Anne-Frank-Zentrums im Museum der Stadt Butzbach / Eröffnung am heutigen Dienstag, 8. Mai / Vielfältiges Rahmenprogramm

Ausstellungseröffnung

Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte

Heute, 8. Mai, 18.00 Uhr im Butzbacher Museum

„Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ heißt die Wanderausstellung, die am heutigen Dienstag, 8. Mai, um 18.00 Uhr im Museum der Stadt Butzbach eröffnet wird. Sie wurde vom Anne-Frank-Zentrum Berlin zusammengestellt in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Haus. 

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank (1929-1945) ist Symbol für den Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten und intimes Dokument der Lebens- und Gedankenwelt einer jungen Schriftstellerin. In der Ausstellung erzählen große Bildwände von ihrem Leben und ihrer Zeit: von den ersten Jahren in Frankfurt und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über die Zeit in Amsterdam – glückliche Kindheit und schwere Zeit im Versteck – bis zu den letzten schrecklichen sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Viele private Fotos erlauben einen ganz intimen Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Freunde. Die persönliche Geschichte Anne Franks wird verbunden mit der Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung, des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs. Neben der Perspektive der Verfolgten und ihrer Helfer wird die Perspektive von Mitläufern und Tätern dargestellt.

In einem großen aktuellen Teil wendet sich die neue Anne Frank-Ausstellung direkt an Jugendliche heute mit Fragen zu Identität, Gruppenzugehörigkeit und Diskriminierung: Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließe ich aus? … Kurze Filme mit Jugendlichen regen zur Diskussion über diese Themen an. Ausgehend von der Frage „Was kann ich bewirken?“ ermutigt die Ausstellung zu eigenem Engagement.

Der Förderkreis des Museums Butzbach beantragte finanzielle Mittel im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“. Sie wurden sowohl für die Aufstellung der Wanderausstellung als auch für das Begleitprogramm bewilligt. Für diese Projekt engagierten sich Aaron Löwenbein und der Schirmherr der Ausstellung, Landtagspräsident Norbert Kartmann. Das Programm hat das städtische Kulturamt auf Basis einer Ideensammlung im Projekt „Demokratie leben“ organisiert. 

Mitwirkende Einrichtungen sind neben dem Anne-Frank-Zentrum Berlin, die Jüdische Gemeinde Wetterau in Bad Nauheim, die Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer, das Fritz-Bauer-Institut Frankfurt, das Jüdische Museum Frankfurt, die Bildungsstätte Anne Frank Frankfurt, der Freundes- und Förderkreis Museum Butzbach, Butzbacher Schulen und Lehrer und vor allem Schüler, die sich zu „Peer Guides“ ausbilden lassen, um andere Schüler und Jugendliche während der Ausstellungsdauer kompetent zu führen. 

„Die Geschichte der Anne Frank verbindet hautnah erlebte Geschichte und allgemeiner einen traurigen historischen Abschnitt der und Einschnitt in die Moderne. An Annes Beispiel und Schicksal lässt sich sehr viel aus dem Gestern nachvollziehen, was uns für Heute und Morgen wachsam werden hilft. Ausgrenzung und Verfolgung gehen weiter, und wir müssen vor solchen Tendenzen auf der Hut sein! Schicksale können als Mahnmale dienen! Die Verfolgungseinzelheiten und der Holocaust in den Tagen unserer Großeltern dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, erklärt Museumsleiter Dr. Dieter Wolf.  

Filmvorstellung

Das Tagebuch der Anne Frank

Mittwoch, 9. Mai, 19.30 Uhr im Capitol Filmtheater
128 Min., ab 12 Jahren freigegeben

Die filmische Umsetzung der Geschichte der 13-jährigen Anne Frank basiert auf der erweiterten Ausgabe der Tagebücher. Viele Passagen, die Otto Frank ursprünglich aus der heute weltberühmten Erstauflage gestrichen hatte, wurden wieder aufgenommen. Dadurch gelingt es dem Film, ein reales Bild der Teenagerin Anne zu zeichnen, die auf der Schwelle des Erwachsenwerdens eingesperrt ist mit ihren Ängsten, Wünschen und ihrer großen Hoffnung nach Freiheit. Der Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist großartig darin, die wohl ergreifendste Zeugin nationalsozialistischer Judenverfolgung den Gleichaltrigen der Gegenwart nahezubringen. Der Weg sollte vom Geschichtsunterricht gleich ins Kino führen, um festzustellen: „Das könnte ich sein.“ Schulvorstellungen sind nach vorheriger Anmeldung vom 9. Mai bis 6. Juni an jedem Werktag möglich. Filmbeginn um 9.00 Uhr und 11.00 Uhr. Eine Vorführung findet ab 30 Teilnehmer statt, ein Zusammenschluss verschiedener Klassen ist möglich. Nach Absprache können der Besuch der Ausstellung und Filmvorstellung verbunden werden.

Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit Gottfried Kößler, er ist stellvertretender Direktor des Pädagogischen Zentrums des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums in Frankfurt und war lange Jahre auch für die Bildungsstätte Anne Frank tätig. 

Pädagogisches Begleitmaterial unter www.kino-butzbach.de.

Vortrag von Annika Dix

Theresienstadt – didaktische Zugänge

Samstag, 12. Mai, 16.00 Uhr im Butzbacher Museum

Erfahrungen aus einem Freiwilligenjahr in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Theresienstadt berichtet Annika Dix am Samstag, 12. Mai.  Eine beliebte Frage ist: „Was ist in der Gedenkstätte nicht dargestellt bzw. darstellbar?“ Die Antwort lautet: „Die vielen Menschen, die stickige Luft, die starken Temperaturschwankungen, das Ungeziefer, der Gestank, die Lautstärke etc.“ 

Vortrag von Markus Roth

Friedrich Kellner und sein Tagebuch

Mittwoch, 16. Mai, 19.00 Uhr im Butzbacher Museum

Der Laubacher Justizinspektor Friedrich Kellner (1885-1970) schrieb von 1939 bis 1945 ein Tagebuch, in dem er die Entwicklung von Politik und Propaganda der nationalsozialistischen Diktatur dokumentierte und diese kritisch kommentierte (zwei Einträge stammen aus dem Jahr 1938). 

Der Sozialdemokrat Friedrich Kellner begegnete dem NS-Regime von Anfang an mit Ablehnung und Abscheu. Seit 1933 war er Justizinspektor im oberhessischen Laubach und verfolgte die Politik der neuen Machthaber intensiv und mit großem Misstrauen. Seit Kriegsbeginn führte er regelmäßig Tagebuch und hielt zunächst vor allem die Haltung und Reaktionen seiner Mitbürger fest. Mehr und mehr konzentrierte er sich darauf, die Propaganda zu dokumentieren und kritisch zu hinterfragen. 

Kellner zeigt in seinen Tagebüchern, wie Zeitgenossen allein durch eine wachsame Lektüre der offiziellen Propaganda und eine kritische Sichtung der offiziellen Rhetorik den wahren Charakter der Diktatur erkennen konnten. Er las aufmerksam die Presse, klebte zahlreiche Zeitungsausschnitte in sein Tagebuch und kommentierte sie dort in einer einfachen und direkten Sprache. Die Dokumentation der Wirkung der doch meist leicht durchschaubaren Propaganda auf seine Mitbürger war Kellner ein besonderes Anliegen. Überdies zeigen auch Kellners Tagebücher, wie viel man bereits damals von den zentralen Massenverbrechen des Regimes wissen konnte. Kellner verstand die versteckten Andeutungen in der Presse, setzte sie in Verbindung zu anderen Informationen und den lokalen Ereignissen und kam so zu weitreichenden Erkenntnissen.

Stadtführung mit Günter Bidmon

Jüdisches Leben in Butzbach

Donnerstag, 17. Mai, 18.00 Uhr, Treffpunkt am Marktbrunnen auf dem Marktplatz

Eine thematische Stadtführung des Kulturamtes Butzbach findet im Rahmen der Anne-Frank-Ausstellung am Donnerstag, 17. Mai, statt. Stadtführer Günter Bidmon wird an „Spuren jüdischen Lebens in der Butzbacher Altstadt“ erinnern: die „Judengasse“ mit Judenschule, den Betsaal im Alten Rathaus, die jüdischen Geschäfte am Marktplatz und in der Wetzlarer Straße, die neue Synagoge von 1926 am heutigen Hallenbad und die jüdischen Friedhöfe vor der alten Stadtmauer sollen besucht und erklärt werden. Am Haus „Brytt“ in der Wetzlarer Straße soll exemplarisch an die Pogromnacht von 1938 und das Schicksal jüdischer Mitbürger in Butzbach erinnert werden.

Vortrag von Manfred de Vries

Spektrum der jüdischen Gemeinden in Deutschland

Mittwoch, 23. Mai, 18.00 Uhr im Butzbacher Museum

Manfred de Vries, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, 

spricht am Mittwoch, 23. Mai, im Museum. Er war nicht gleich Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, deren Einzugsgebiet Wetterau und Usinger Land sind und deren neuer Vorsitzender er seit Mai ist. Da der studierte Betriebswirt früher in Frankfurt arbeitete, unter anderem für American Express, hatte er sich zunächst der amerikanischen Jüdischen Gemeinde in der Mainmetropole angeschlossen. Kontakt zu Bad Nauheim bekam er erst später. Seit 1982 wohnt er in Neu-Anspach. Acht Jahre darauf hatte Usingen die ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt eingeladen, und der Bürgermeister fragte de Vries, ob er helfen wolle. „Ich sagte ja. Am Schabbes sollte ich die acht Menschen zur Synagoge begleiten. Da dachte ich an Frankfurt, aber es hieß ,Nein, nach Bad Nauheim‘ “. Seitdem ist er in Bad Nauheim in der Jüdischen Gemeinde tätig, mittlerweile als Vorsitzender.

Rundgang mit Dr. Dieter Wolf

Rundgang zu den Stolpersteinen

Montag, 28. Mai, 16.00 Uhr, Treffpunkt am Marktbrunnen auf dem Marktplatz

Seit 2009 werden in Butzbach und seinen Stadtteilen (bisher auch in Ebersgöns, Fauerbach, Nieder-Weisel, Ostheim, Pohl-Göns und Kirch-Göns), aufgrund eines Grundsatzbeschlusses der Stadtverordnetenversammlung „Stolpersteine gegen das Vergessen“, einem Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, verlegt. Der Rundgang mit Museumsleiter Dr. Dieter Wolf, beginnend am Marktplatz, wo allgemeinere Ausführungen zur Jüdischen Gemeinde und ihren Mitgliedern in Butzbach zu erwarten sind, führt am Montag, 28. Mai, durch die verschiedenen Gassen der Butzbacher Altstadt, bis zum Standort der 1938 schändlich zerstörten Synagoge. An zahlreichen Stellen sind bereits die „Stolpersteine“ verlegt, und hinter jedem Stein verbirgt sich eine Lebensgeschichte, die leider im Holocaust jäh zu Ende ging. Die Begleiter werden viel über die Butzbacher NS-Opfer hören und (anhand mitgebrachter Bilddokumente) sehen.

Multimediale Lesung

Stefan Kuntz:

Tanzen bis die Funken stieben

Dienstag, 29. Mai, 20.00 Uhr, im Butzbacher Museum

Eine multimediale Lesung einer Geschichte von und mit Stefan Kuntz mit dem Titel „Tanzen, bis die Funken stieben“, findet am Dienstag, 29. Mai, statt. Sie erzählt über den Weg zweier Schwestern in den „Bund Deutscher Mädel“, auf dem sie unter anderem Zeugen werden der Deportation von Juden in das Ghetto Lodz, einer Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager Chełmno, Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor, und den ersten Liquidierungen psychisch Kranker in dem psychiatrischen Krankenhaus Kuchanowka in der Nähe von Lodz.

Theaterstück

Das Überleben – oder meine Geburtstage mit dem Führer

Montag, 4. Juni, 18.30 Uhr, Alte Turnhalle, August-Storch-Str.

Eine Theaterproduktion „Das Überleben oder meine Geburtstage mit dem Führer“ zum Thema Jugendwiderstand in der NS-Zeit, ist am Montag, 4. Juni, zu sehen. Das Theaterstück ist für Menschen ab elf Jahren, die siebte bis zehnte Klasse geeignet. Zum Inhalt: Zu Hitlers Machtübernahme 1933 ist Anni neun Jahre alt. Sie, ihre Freunde und ihre Eltern geraten mehr und mehr in den Strudel der historischen Ereignisse. Einige von ihnen werden Anhänger der NS-Diktatur und marschieren mit, andere versuchen sich der alles beherrschenden Ideologie zu verweigern oder dem Terror zu entfliehen. Anni schließt sich einer Gruppe von Jugendlichen an, die auf den Drill der Hitlerjugend keine Lust hat. Anfangs noch in Auflehnung gegen die Gleichmacherei, tritt die Gruppe mehr und mehr in den aktiven Widerstand. Als Anni jedoch gefangen genommen wird, entwickelt sich ihr Kampf um ein gerechtes Leben zu einem Kampf ums Überleben. Auf Grundlage von Zeitzeugenberichten erzählt das Stück vom Unrechtssystem des NS-Staates. Gegen Gleichschaltung, Unfreiheit und Ungerechtigkeit gab es Widerstand in unterschiedlichsten Formen. Mit Live-Musik, Schauspiel und Tanz taucht das Stück ein in diese bewegende Zeit, erzählt von Schicksalen, Freundschaft und Feindschaft und verdeutlicht, dass es nötig ist, jeden Tag für Demokratie und Menschlichkeit einzutreten – auch heute noch.

Lesung von Peter Graf und Thomas Sarbacher

„Der Reisende“ von Ulrich A. Boschwitz

Dienstag, 5. Juni, 19.30 Uhr, im Butzbacher Museum

Peter Graf und Thomas Sarbacher sind am Dienstag, 5. Juni, im Butzbacher Museum zu Gast. Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst.

Zur Ausstellung ist ein Veranstaltungsflyer erschienen, der alle Programmpunkte enthält. Zu allen Terminen ist der Eintritt frei. 

Öffnungszeiten der Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Butzbacher Museums:
montags bis freitags 14.00–17.00 Uhr
Sam-, Sonn- und Feiertage 10.00–12.00 Uhr und 14.00–17.00 Uhr 

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