„Demokratischer Streit immer mit dem Ziel, das Turnen voranzubringen“

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„Demokratischer Streit immer mit dem Ziel, das Turnen voranzubringen“

BUTZBACH. In der Alten Turnhalle in Butzbach feierte am vergangenen Freitagabend der Hessische Turnverband sein 75-jähriges Bestehen. Die Bilderreihe oben zeigt links Prof. Dr. Ronald Wadsack von der Ostfalie Hochschule Salzgitter, der den Festvortrag hielt. Rechts der HTV-Vizepräsident Ulrich Müller. Mit Poetry-Slam-Einlagen unterhielt das Helden-Theater (Mitte). Die Bilderreihe unten zeigt einige der Gäste; unter ihnen war auch die Ehrenvorsitzende und ehemalige Präsidentin des HTV, Rosel Schleicher (rechts). Links neben ihr der Vorsitzende des Turngaus Wetterau/Vogelsberg, Ulrich Riemer. Rechts die historische Fahne des Hessischen Turnverbandes.

Hessischer Turnverband feiert 75-jähriges Bestehen in der Alten Turnhalle Butzbach mit Poetry Slam

BUTZBACH (pm). In einer festlichen und dennoch familiären Atmosphäre feierte der Hessische Turnverband (HTV) am Freitag sein 75-jähriges Bestehen (die BZ berichtete in ihrer Ausgabe vom 1. November). Den passenden Rahmen dafür bot die Alte Turnhalle in Butzbach, in der die etwa 50 geladenen Gäste empfangen wurden. 

BUTZBACH. Das Foto zeigt den hessischen Innenminister Peter Beuth, der in Butzbach dem HessischenT urnverband zum 75-jährigen Bestehen gratulierte.Foto: Martin Kraft   creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

HTV-Vizepräsident Ulrich Müller eröffnete den Abend und begrüßte die Gäste, darunter Sportminister Peter Beuth. Nach einem Rückblick darauf, wie der HTV die Entwicklung vom Kleinen zum Großen schaffte, aber auch die letzten zwei Jahre, in denen Corona die Kleinen und die Großen, die Jungen und die Alten ausgebremst hat, stellte Müller fest, dass es der HTV trotzdem geschafft habe, die Grundlagen für eine Zukunftsorientierung zu legen. Das sei nicht immer einfach, aber wie Müller betonte: „Der Spruch ,Turner auf zum Streite‘ wird beim HTV gerade im demokratischen Sinne gepflegt. Immer mit dem Ziel, das Turnen voranzubringen.“ 

Wie wichtig die Unterstützung von und der Raum für Kinder ist, thematisierte nach Minister Beuth Poetry Slamerin Kaddy Kupfer in ihrem Text zum Kinderturnen. Gemeinsam mit den Poetry Slamern Andreas Arnold und Torsten Zeller sorgte sie mit ihren Texten für nachdenkliche und lachende Gesichter, in allen Fällen aber für großen Applaus. „Wir alle sind im Herzen Kinder und turnen uns die Welt viel bunter und schöner, jedem wie es gefällt“, eröffnete sie ihren Vortrag. 

Arnold erklärte in seinem Text „Brot und Spiele“, dass er vor allem zwei Beobachtungen gemacht habe: Auf der einen Seite gebe es „so viele Unterhaltungsmöglichkeiten wie nie zuvor“, auf der anderen Seite stehe „so wenig Unterhaltung miteinander wie noch nie“. Denn „Schweigen ist keine gemeinsame Tätigkeit“. 

Poetry Slamer Torsten Zeller erklärte: „ Das Schöne am Poetry Slam ist: Zeitlimit fünf bis sieben Minuten, ist also auch schnell vorbei, wenn‘s nicht so gut ist.“ Darüber brauchte er sich aber bei seinem Text „Verbände können Leben retten“ keine Sorgen machen. Auf humorvolle Art trug Zeller vor, was er „mit dem Turnverband verband“, zum Beispiel der eher unangenehme Gedanke an das Turnen in der Schule oder „die Erinnerung liegt in der Luft an Umkleidekabinenduft“ aber auch die „Trainerin im Ehrenamt, die Turnen auch mit Spaß verband“.

Grüße und Glückwünsche vom Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Alfons Hölzl, überbrachte DTB-Geschäftsführerin Michaela Röhrbein. Sie betrachtete den historischen engen Bezug des DTB zum Turnen in Hessen und erinnerte daran, dass insbesondere hessische Persönlichkeiten wie Walter Kolb eine große Rolle bei der Gründung, dem Neuaufbau und der Entwicklung des DTB spielten. Dies sei auch heute noch so. Daher resümierte Röhrbein: „Im DTB bringt sich der HTV grundsätzlich sehr kritisch ein, aber auch sehr konstruktiv“, womit sie die eingangs von Ulrich Müller vorgetragene hessische Interpretation des Turnspruchs „Turner auf zum Streite“ im Sinne einer demokratischen Streitkultur bestätigte. Insbesondere mit der Entwicklung der Winterakademie habe der HTV auch in Zeiten der Corona-Pandemie unterstrichen, wie wichtig die Aus- und Fortbildung von Übungsleitern und Trainern sei. 

Diesen Worten schloss sich auch Professor Heinz Zielinski, Vizepräsident des Landessportbund Hessen (LsbH), an und gratulierte „dem HTV als größten und wichtigsten Verband in Hessen“. Als größte Herausforderung in den nächsten Jahren sehe er die Gewinnung von ausreichend Übungsleitern. 

Professor Ronald Wadsack von der Ostfalia Hochschule machte in seinem Festvortrag deutlich, dass nach „Hinfallen“ vor allem „Aufstehen, Krone richten, weiter geht’s“ wichtig ist. Mit dem Zitat von Joseph Beuys „Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden“ ging er auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Sportverbände ein, darunter die Digitalisierung, wobei das „was wir im Bereich Digitalisierung. „Der Sportverein ist schon lange nicht mehr die Nummer eins, der selbstorganisierte Sport steigt stetig.“ Als wichtige Aufgabe identifizierte Wadsack auch, herauszustellen, was die Angebote eines Sportvereins – über das reine Sportangebot hinaus – sind, zum Beispiel Geselligkeit und Ehrenamt. Entscheidend sei, ein Gespür dafür zu bekommen, was die wichtigen Entwicklungen für die Zukunft sind. Dafür dürfe man auch mal die Vereinsvertreter fragen.

Nach diesem etwas ernsteren Beitrag lockerte das „Heldentheater“ um Kaddy Kupfer, Torsten Zeller und Andreas Arnold die Stimmung mit einer improvisierten „Ein-Wort-Geschichte“ auf, für die die Gäste die Rahmenbedingungen festlegen durften. Gesucht wurden ein Ort (Hasenheide), ein Genre (Krimi) und ein Protagonist (Turnvater Jahn), um die herum live eine improvisierte kurze Geschichte entstand.

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