Der Butzbacher Wald wird wenig pfleglich von Forstbetrieben behandelt

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Der Butzbacher Wald wird wenig pfleglich von Forstbetrieben behandelt

BUTZBACH. Auf einer Strecke von ca. 400m wurden am südöstlichen Fuß des Hausbergs in Butzbach der erst vor ca. 10 Jahren unter fachkundiger Anleitung von Diplom-Geologe Matthias Gall angepflanzte Wacholder durch die Forst-Erntemaschinen zerstört. Die Bürgerinitiative „Unser Wald“ fordert Aufklärung. Foto: BI „Unser Wald“

Bürgerinitiative – „Unser Wald“ kritisiert Erntemaßnahmen und verlangt mehr Umsicht

BUTZBACH (pe). In einer Pressemitteilung kritisiert die Bürgerinitiative „Unser Wald“ den wenig pfleglichen Umgang der Forstbetriebe mit dem Butzbacher Wald. Die durch den Borkenkäferbefall notwendigen Rodungsmaßnahmen müssten, so die Überzeugung der Bürgerinitiative, im Einklang mit geltendem Recht erfolgen. Immer öfter erhielten die Vertreter der Initiative Anrufe besorgter Bürger, die unter Nennung der Standorte Verstöße oder auch Zerstörungen meldeten. 

Erst jüngst habe sich ein besorgter Waldgänger aus dem Butzbacher Stadtteil Hoch-Weisel gemeldet und  sich verwundert über die Rodungsmaßnahmen am südöstlichen Fuß des Hausbergs geäußert: Dort waren vor Jahren unter Mithilfe des Diplom-Geologen Matthias Gall Wacholdersträucher angepflanzt worden, die nun auf einer Strecke von bis zu 400m durch die eingesetzten Harvester zerstört worden. Ferner seien am Hausberg auch die Keltenringe, ein bekanntes Bodendenkmal, einfach überfahren worden. Auf der Oes, so Dr. Stefani Klos von der BI, seien selbst gesunde Bäume und vor allem Laubbäume gefällt worden. Dies sei, so die BI, ein klarer Verstoß gegen das Nachhaltigkeitsgebot, denn es sei für jeden sichtbar, dass derzeit mehr als das Dreifache von dem gefällt würde, was jährlich nachwachse.

Es bestehe kein Zweifel darüber, dass die durch Trockenheit, aber auch durch Monokulturanpflanzung entstandenen Borkenkäferschäden aufgearbeitet werden müssten. Das müsse aber, so der Sprecher der BI Markus Ruppel, im Einklang mit dem Forstrecht geschehen. Es sei Aufgabe des Dienstleisters Hessen-Forst, der die Erntemaßnahmen teilweise nicht selbst durchführe, sondern diese fremd vergebe, die Arbeiten der Subunternehmer ständig und nachhaltig zu kontrollieren. 

Michael Erbe von der BI erklärt hierzu, dass ein Mindestmaß an Rücksicht zu üben sei und Kollateralschäden zu vermeiden seien. Erbe, der jüngst in der Waldakademie von Förster Peter Wohlleben ein Seminar zu Pilzsammlung und -pflege besucht hatte, berichtet weiter, dass an den Stellen, an denen die Harvester zum Einsatz gekommen seien, auf Jahre hinaus keine Pilze mehr wachsen würden. 

Anne Henn, ebenfalls von der BI, bemängelt, dass die Unternehmer selbst spätabends oder sogar nachts „ernten“ würden und damit die Ruhe der Tierwelt nachhaltig störten. 

Markus Ruppel bringt es auf den Punkt: „Derzeit wird die Borkenkäferkalamität dazu genutzt, alle Prinzipien und Kontrollmechanismen über Bord zu werfen und den ohnehin stark beanspruchten Waldboden noch weiter zu belasten“. Ruppel spielt auf Studien an, in denen aus mikrobiologischen Untersuchungen erwiesen sei, dass die starke Verdichtung der Waldböden durch Harvester und Rückemaschinen zu Bodenstrukturveränderungen im mikrobiologischen Bereich bis hin zum Absterben von ganzen Lebensgemeinschaften geführt hätten. Bekanntermaßen korreliere die Funktion der Bildung von Humus im Wald stark mit der Aktivität der mikrobiellen Lebensgemeinschaften. „Dort wo der Boden so stark verdichtet ist, dass kein Sauerstoff und auch kein Wasser mehr in den Boden eindringen kann, findet auch keine Bildung von Humus mehr statt“. 

Der Wunsch an die Stadtverwaltung und an Hessen-Forst sei, so heißt es abschließend, dass diese ihrer Kontrollfunktion nachkommen und die Subunternehmer zu mehr Umsicht auffordern. „Ansonsten werden wir über uns zur Verfügung stehende Medien jeden einzelnen Verstoß dokumentieren und die Untere Naturschutzbehörde einschalten“, meint Michael Zimmermann von der BI. Waldgänger seien aufgefordert Beobachtungen an die BI zu melden. Im Frühjahr wolle man dann auch eine Müllsammelaktion starten. Diese war im Herbst wegen schlechten Wetters ausgefallen, heißt es abschließend in der Pressemitteilung der Bürgerinitiative.

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