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Der Ruf nach lückenloser Aufklärung

 Politik stellt Frage der Verantwortung bei Sparkasse / Spamer: Aufsichtsrat sollte zurücktreten

WETTERAUKREIS (jwn). Die Reaktion der Sparkasse Oberhessen auf den kapitalen Veruntreuungsfall im eigenen Hause, bei dem ein leitender Angestellte in zehn Jahren 8,9 Millionen Euro beiseitegeschoben hatte, war kurz: Es wurden keine Kunden geschädigt, die Sparkasse Oberhessen werde alles in ihren Kräften Stehende veranlassen, um die verschwundenen Millionen wieder zurückzubekommen.

Im Laufe des Gerichtsverfahrens gegen den Fachbereichsleiter aus Limeshain, immerhin ein leitender Angestellter der Sparkasse Oberhessen in der dritten Führungsebene, war bekannt geworden, dass dessen Vorgesetzter wegen des Vorfalls zum Ende des Jahres seinen Hut nehmen muss. Eine der Mitarbeiterinnen des Angeklagten musste nach einem Arbeitsgerichtsprozess wieder eingestellt werden, da das Gericht kein Mitverschulden der Angestellten an dem Betrugsfall feststellen konnte. Ihre Fortbildung in Sachen Buchführung sei der Sparkasse lediglich zwei Tage Wert gewesen.

„Die Kontrollen waren da und das System an sich wasserfest. Der Mann war halt ein Genie und hat die schmale Lücke erkannt und rechtswidrig ausgenutzt“, hatte der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak vor dem Haupt- und Finanzausschuss des Vogelsbergkreises gesagt. Und: Die Abteilung Rechnungswesen wird aufgeteilt und ein Teil, nämlich die Kontrolle, einem anderen Vorstandsmitglied unterstellt. „Ich glaube, wir haben daraus gelernt“, erklärte Sedlak vor dem Ausschuss. Gegen kriminelle Energie sei halt niemand gefeit.

Das jedoch sehen nicht alle so. Beispielsweise der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Wetterauer Kreistag, Erich Spamer: „Meines Erachtens sollte der gesamte Aufsichtsrat zurücktreten, um damit eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge durch einen neuen Aufsichtsrat sicherzustellen, insbesondere wer in der Vergangenheit welchen Anteil durch welches Tun oder Unterlassen am Desaster der Sparkasse Oberhessen trägt.“ Das Problem sei, so Grünen-Fraktionschef Michael Rückl, dass diverse interne Prüfungen das Leck in der Vergangenheit nicht festgestellt haben. „Es wird deshalb zu fragen sein, warum das so war“, meint der Grüne. Auch er will, wie auch die übrigen Politiker, den Vorstandsvorsitzenden Sedlak sehr genau in einer demnächst stattfindenden Sitzung des Wetterauer Haupt- und Finanzausschusses, die allerdings nicht öffentlich sein wird, nach dessen eigener Verantwortung fragen. Je nach Umfang des Fehlverhaltens von verantwortlichen Vorgesetzten dürfe dann auch eine Entlassung kein Tabuthema mehr sein, das gelte für alle Beteiligten, meint der AfD-Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. Die FDP hingegen möchte nach Worten ihres Sprechers Peter Heidt dem Sparkassenchef die Chance geben, die Dinge in eigener Verantwortung wieder aufzuarbeiten. Politiker der beiden großen Parteien CDU und SPD wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern, das solle sparkassenintern aufgearbeitet werden.

Alle Parteien sind sich einig, dass sie weiterhin im Aufsichtsgremium der Sparkasse vertreten sein sollten, da die Sparkasse nun einmal eine öffentlich-rechtliche Einrichtung sei und den Landkreisen unterstehe. „Allerdings sollten die Parteien den Verwaltungsrat nicht als Versorgungsposten für altgediente Politiker ansehen, sondern künftig nur noch ausgewiesene Fachleute in das Gremium entsenden“, meint dazu Hessens Ex-Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP).

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Ein 44-jähriger Fachbereichsleiter der Sparkasse Oberhessen wurde vor wenigen Tagen wegen  gewerbsmäßiger Untreue in 34 Fällen schuldig gesprochen. Während der vergangenen zehn Jahre hat er Gelder der Sparkasse in Höhe von fast neun Millionen Euro auf seine eigenen Konten umgeleitet. Damit soll er Wertpapiere sowie Grundstücke gekauft und viel Geld in „sexuelle Dienstleistungen“ gesteckt haben.  Weil mehrere Fälle verjährt sind, ging es vor Gericht nur noch um etwa 4,3 Millionen Euro, die bei ihm inzwischen auch sichergestellt werden konnten. Die restlichen 4,4 Millionen Euro sind hingegen verloren.

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