Die „August-Storch-Gedächtnishütte“ sollte eigentlich „Weidig-Tempel“ werden   

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Die „August-Storch-Gedächtnishütte“ sollte eigentlich „Weidig-Tempel“ werden   

BUTZBACH. Eigentlich sollte die „August-Storch-Gedächtnishütte“ ein Ehrentempel für Weidig werden.

BUTZBACH (pm). Als der 1887 als Aussichtspunkt und Rastplatz errichtete „Schrenzer-Tempel“ 1912 deutlich in die Jahre gekommen war, „hatte zunächst der Butzbacher Wander- und Verkehrsverein anlässlich des 75. Todestages Weidigs den wüsten Quarzit-Steinbruch unterhalb des jetzigen August-Storch-Tempels eingeebnet und mit vier Reihen Linden bepflanzt. An der jetzigen Stelle des August- Storch-Tempels sollte ein Weidig-Tempel mit Reliefbild Weidigs entstehen“, so Bodo Heil  in den ‚Butzbacher Geschichtsblätter‘ Nr. 25 vom 11.2.1986. 

Ein Jahr später schrieb August Storch anlässlich des hundertsten Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig in seinem  Buch über Weidig: „Am 18. Oktober 1913 pflanzte die Butzbacher Jugend unter weihevoller Feier die Gedächtniseiche droben auf dem Schrenzer … Der Fichtenhain aber, der sich im Hintergrund erhebt, ist in den Namenszügen des Mannes gepflanzt, zu dessen ehrendem Andenken man hier auf prächtiger Höhe einen Tempel errichten will, des Friedrich Ludwig Weidig.“ (ebda., S.105). 

Da dies anlässlich der immer noch feudalistisch prägenden Strukturen im Großherzogtum und im Kaiserreich schwierig war, musste man zu einer List greifen: So sollte der Tempel nicht für den Revolutionär und Demokraten  Friedrich Ludwig Weidig, sondern für seinen Vater, den Oberförster Ludwig Christian Weidig, errichtet werden. 

Dass es dazu nicht mehr gekommen ist, lag an dem Beginn des Ersten Weltkriegs  1914. Erst lange danach, im Jahre 1925, wurde der alte Aussichtstempel mit Hilfe des Taunusklubs und  der Stadt Butzbach  erneuert und nicht mehr, wie es sich August Storch noch 1913 vorstellte, zum „ehrenden Andenken“ nach Friedrich Ludwig Weidig benannt. Er ging im Zuge einer wieder erstarkenden völkisch-nationalen Stimmung, die mit der Niederlage 1918 und den Auswirkungen des Versailler Vertrages sicherlich haderte und auch keine emotionale Bindung zu den Farben „Schwarz-Rot-Gold“ der Republik fand, als „August-Storch-Tempel“  in die Erinnerung der Butzbacher ein. 

BUTZBACH. Dieser Entwurf für den „Weidig-Tempel“ von Jacob Lippert stammt aus dem Jahr 1914.

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