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Die ersten 109 Mitarbeiter geimpft

Wetteraukreis. Sarah Wüst, studentische Aushilfe in der Zentralen Notaufnahme des Bürgerhospitals Friedberg, bei der Impfung.

In den GZW-Krankenhäusern startete am Samstag die Corona-Impfaktion

WETTERAUKREIS (HR). Sechs Tage nach dem Corona-Impfstart in Deutschland wurden am Samstag die ersten 109 Mitarbeiter*innen der GZW-Krankenhäuser in Bad Nauheim, Friedberg und Schotten geimpft. Bevorzugt erhielten Ärzt*innen und Pflegekräfte, die in direktem Kontakt zu Covid-19-Patient*innen stehen, das von dem Mainzer Unternehmen BioNTech gemeinsam mit der Pharmafirma Pfizer entwickelte Vakzin. Es soll vor einer Erkrankung an Covid-19 schützen und ist als bislang einziger Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen.

Seit fast einem Jahr ist die Bekämpfung des Coronavirus das beherrschende Thema in Deutschland und der Welt. In der Menschheitsgeschichte ist diese Pandemie nicht das erste Ereignis eines solchen Ausmaßes. Sie trifft allerdings die westlichen und östlichen Industrienationen auf einem zivilisatorischen, ethischen und medizinischen  Entwicklungslevel, der es gebietet, gegen die Erkrankung und den Tod von Menschen mit allen denkbaren Mitteln anzukämpfen. Opferzahlen in zig-Millionenhöhe wie bei der „Spanischen Grippe“, die vor 100 Jahren rund um den Erdball wütete, kann und will heute niemand in Kauf nehmen.

Dennoch wird bei der Bekämpfung des Coronavirus regelmäßig Neuland beschritten. Auch die „größte Impfaktion aller Zeiten“ in Deutschland ist bundesweit nicht ganz ohne Holpern gestartet und nimmt erst langsam Fahrt auf. Wer ein Impfteam bei der Arbeit beobachtet, erahnt aber schnell die dahinterstehende logistische Herausforderung und den ungeheuren Bedarf an unterschiedlichen Materialien, die zur sachgerechten Durchführung der Impfung notwendig sind. Eigens vorbereitete Aufklärungsbögen und Datenschutzerklärungen sind zu unterschreiben, gegebenenfalls im Gespräch zwischen Arzt und Impfling zu erläutern. Mündlich gestellte Fragen betreffen häufig mögliche körperliche Reaktionen auf die Impfung. Auch überprüft der Arzt in einem kurzen Anamnesedialog, der schriftlich festzuhalten ist, den aktuellen Gesundheitszustand des Impflings.

Im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim traf das mobile Impfteam der Johanniter-Unfall-Hilfe Frankfurt am späten Samstagvormittag ein – Stunden früher als erwartet. In einem Seniorenheim in einer anderen Kreisgemeinde waren nicht so viele Impfungen vorzunehmen, wie die Zentrale angenommen hatte, zeitliche Kapazität wurde ebenso frei wie zwei Dutzend der begehrten Impfdosen. Pflegedienstleiter Mark Griffin war bestens vorbereitet und reagierte schnell: 20 Mitarbeiter*innen der Zentralen Notaufnahmen, Intensivstationen und Isolierstationen des Hochwaldkrankenhauses sowie des Bürgerhospitals Friedberg waren seit Donnerstag für den frühen Samstagnachmittag zum Impfen eingeteilt worden. Anhand seiner Liste konnte Griffin nun weitere 25 Mitarbeiter*innen zum Kommen einladen. 

Geimpft wurden sie in Bad Nauheim von Prof. Dr. med. Leo Latasch. Der Mediziner im Ruhestand ist seit sechs Tagen für die JUH mit Impfteams unterwegs und hat dabei auftragsgemäß bereits etliche Anregungen für eine weitere Optimierung der Abläufe gesammelt. Während er mit den einzelnen Impflingen spricht, kümmert sich  JUH-Mitarbeiterin Hannah Behnke am Computer um die Bürokratie einschließlich der unverzichtbaren Listen.

Ihr Kollege Hendrik Höhn ist unterdessen mit der Mischung der Impfdosen beschäftigt. Jeweils fünf Spritzen zieht er vorsichtig und konzentriert nacheinander mit Kochsalzlösung und 20 Prozent des Inhalts einer Impfstoff-Ampulle auf, nachdem er sich unmittelbar zuvor noch sterile Einweghandschuhe über die blauen Standardexemplare gezogen hat. Die fertigen Spritzen sind eine Stunde verwendbar, ein exaktes Timing ist mithin unerlässlich. Nach sechs Stunden sind 45 GZW-Mitarbeiter*innen geimpft.

Im Kreiskrankenhaus Schotten hat der Internist Dr. med. Marc Scharmann die Impfaktion übernommen. Als erster unterzog sich hier der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Prof. Dr. med. Reinhard Voss, der Prozedur. Am Ende des Tages hatten 64 Ärzt*innen und Pflegekräfte des Kreiskrankenhauses das schützende Vakzin erhalten, darunter auch Dr. Scharmann: Er hatte sich die Spritze kurzerhand selbst verabreicht. 

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