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Karl-Heinz Hofmann ist am Freitag gestorben. Das Foto entstand im letzten halben Jahr seiner 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Butzbach im Jahr 1991. Foto: BZ

Nachruf Butzbacher Ehrenbürgermeister Karl-Heinz Hofmann im Alter von 92 Jahren gestorben

BUTZBACH (thg/dt). Im Alter von 92 Jahren ist der Butzbacher Ehrenbürgermeister Karl-Heinz Hofmann am Freitag gestorben. 24 Jahre lang, vom 5. Juli 1967 bis zum 4. Juli 1991 lenkte er als Rathauschef die Geschicke der Stadt Butzbach. Die Trauerfeier findet am Montag, 30. Januar, um 14.00 Uhr in der evangelischen Markuskirche Butzbach statt.
Hofmann wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 1924 als Sohn des Schreinermeisters August Hofmann und dessen Ehefrau Margarete in Butzbach geboren. Einem Besuch des damals schulgeldpflichtigen Gymnasiums standen finanzielle Gründe entgegen, sodass der junge Karl-Heinz nach seinem Hauptschulabschluss eine Ausbildung bei der Reichspost als Postjungbote begann. Im Oktober 1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Von Juli bis Dezember 1945 arbeitete Hofmann als Küchenhelfer bei den Amerikanern, ehe er im Dezember 1945 eine Stelle in der Butzbacher Stadtverwaltung antrat.
Zunächst oblag Hofmann die Leitung des Ernährungs-, dann die des Sozialamtes. 1949 legte er die erste Verwaltungsprüfung und 1952 die Inspektorenprüfung ab. Bürgermeister Dr. Heinz Scheller übertrug ihm den Neuaufbau der Steuer- und Finanzverwaltung und wurde zu einer Art Ziehvater für Hofmann im Rathaus. Nachdem Scheller 1961 sein Amt abgab, einigten sich die Fraktionen der SPD und des BHE im Parlament darauf, Hofmann zum neuen Bürgermeister zu wählen. Bedingt durch zwei Abweichler wurde jedoch Heinz Gogalla (FDP) zum Bürgermeister gewählt, dessen Fähigkeiten jedoch den Ansprüchen der Funktionsträger bald nicht genügte. So stellte man ihm Hofmann ab 19. März 1962 als hauptamtlichen Ersten Stadtrat zur Seite.
1967 wurde Hofmann dann erstmals zum Bürgermeister der Stadt Butzbach gewählt. Bereits 1955 hatte Hofmann die Butzbacher Wohnungsgesellschaft mitbegründet und wurde deren Geschäftsführer. Es wurden 840 Sozialwohnungen – vorwiegend im Degerfeld – gebaut. Zugleich wurde das Rathaus am Marktplatz erweitert, um eine angemessene Unterbringung der Verwaltung zu ermöglichen. Gebaut wurden weiterhin Bürger- und Gemeindehäuser, die Schrenzerschule, das neue Weidig-Gymnasium und die Degerfeldschule; erweitert wurde die Stadtschule. Entscheidend für die überdurchschnittliche Investitionskraft der Stadt Butzbach waren ständige persönliche Konsultationen von Hofmann in den Wiesbadener Ministerien. Eine weitere Quelle war der kommunale Finanzausgleich. Auch kulturelle und sportliche Einrichtungen (unter anderem Bau des Museums, Erstellung von vier Sport-/Turnhallen) wurden verstärkt gefördert. Es entstand während Hofmanns Amtszeit eine attraktive Infrastruktur in der Stadt. Viel Diplomatie des Bürgermeisters war notwendig bei der Gebietsreform, in deren Rahmen die heutige Stadt mit 13 Ortsteilen entstand.
Es war stets ein Riesenpensum, das Karl-Heinz Hofmann wöchentlich leistete. 80 bis 90 Arbeitsstunden pro Woche fielen da schon einmal an. Unter anderem gehörte Hofmann auch Gremien der Sparkasse an.
Als Hofmann 1991 aus dem Amt des Bürgermeisters schied, wurde ihm der Titel „Ehrenbürgermeister“ verliehen. Als weitere Auszeichnungen erhielt Hofmann 1983 das Bundesverdienstkreuz am Bande und im März 1991 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Anlässlich des 90. Geburtstages Hofmanns hatte Ende 2014 Landtagspräsident Norbert Kartmann den ehemaligen Bürgermeister als „Denkmal“ bezeichnet. In einer Zeit des Aufbaus habe Karl-Heinz Hofmann für die Stadt Butzbach eine große Leistung vollbracht. Landrat Joachim Arnold hatte gesagt, Hofmann habe stets die Menschen wirklich verstanden, habe erkannt, welche Voraussetzungen notwendig geschaffen werden müssen, um menschliches Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Auch in der Kreispolitik habe Hofmann eine wichtige Rolle in Kreisausschuss und Kreistag gespielt, hatte der frühere Landrat Rolf Gnadl unterstrichen. In „Konsequenz, Stringenz, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit“ sei Hofmann ein Vorbild gewesen. „Die Summe deiner Lebensleistung ist unwiederholbar.“
Im Jahr 1991 stellte der damalige Stadtverordnetenvorsteher Hans Kost in seiner Abschiedsrede für den scheidenden Bürgermeister unter dem Beifall der Stadtverordneten fest: „Karl-Heinz Hofmann war ein Glücksfall für die Stadt Butzbach!“

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