Die Reformationsgeschichte zum Anfassen…

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Die Reformationsgeschichte zum Anfassen…

Ausstellung des Oppershofener Kultur- und Geschichtsvereins punktet bei Groß und Klein – auch noch nächstes Wochenende

ROCKENBERG (ff). Am Samstag wurde die Ausstellung des Kultur- und Geschichtsvereins Oppershofen in der Rockenberger Burg feierlich eröffnet. Seit dem jüngsten Wochenende können Besucher zudem am kommenden Samstag und Sonntag Wissenswertes über den Reichsherold Casper Sturm und Martin Luther von 14.30 bis 18.00 Uhr beziehungsweise von 14.00 bis 18.00 Uhr erfahren. Darüber hinaus widmet sich ein Abschnitt auch der Bibel sowie der mittelalterlichen Buchmalerei. Der Eintritt ist frei.

Zwar ist im Lutherjahr der Name des Reformators in aller Munde, doch stimmt zuweilen nicht immer alles, was gesagt wird. Die Ausstellung räumt mit manchen Mythen auf, unter anderem dass Luther seine Thesen an die Kirchentür geschlagen habe. Nachweislich waren die Thesen in Latein verfasst und zum anderen hatte damals das Verb „anschlagen“ eine andere Bedeutung als heute; nämlich „verbreiten“. Nach Ausstellungsleiter Manfred Breitmoser ist es wahrscheinlicher, dass Luther die Thesen einer ausgewählten Leserschaft zugesandt habe, wie zum Beispiel dem Papst oder seinem Bischoff (vgl. auch unseren Vorbericht vom Mittwoch).

Die Ausstellung widmet sich Luther in dreifacher Weise: Zum einen beleuchtet sie Luther als Ablassgegner. Für den Reformator war der Ablasshandel der Kirche einer der ausschlaggebenden Punkte, weshalb er  eine Reformation anstrebte. Dann erfahren die Besucher Details über den Wormser Reichstag und letztlich über die Familie Luther. Besonders auf seine Ehefrau Katharina von Bora fokussiert der Geschichtsverein. Als „Managerin“ war sie für die Verwaltung des Vermögens der Familie zuständig. Wie Breitmoser im BZ-Gespräch verrät, sehr erfolgreich.

Weniger bekannt als Luther, dafür historisch mindestens genauso wichtig, ist der Reichsherold Casper Sturm. Ihm sind zwei große Bildleinwände gewidmet und der „rote Faden“ des neu erschienenen Buches. So verwundert es auch kaum, dass der Reichsherold, dessen Heroldskleidung von Barbara Heinstadt genäht und von Breitmoser bemalt wurde, die Besucher gleich am Eingang begrüßt. Sturm begleitete den Reformator 1521 zum Reichstag nach Worms. Mit der Vorladung zu besagtem Reichstag musste für Luther das freie Geleit sichergestellt werden. Anders als heute, war damals eine solche Reise mit großen Risiken für Luther verbunden. (Casper Sturm, in seiner Funktion als Reichsherold, war entsprechend für das freie kaiserliche Geleit von Wittenberg nach Worms und wieder zurück verantwortlich.) Wie Ausstellungsleiter Manfred Breitmoser in seiner Ansprache erläuterte, ging mit Tragen der Heroldsuniform auch Polizeigewalt an Sturm über, was ihn zu einer wichtigen und mächtigen Persönlichkeit seiner Zeit machte.

Weil Casper Sturm viel zu oft in historischen Abhandlungen zu Luther und der Reformation untergehe, sei es für den Geschichtsverein an der Zeit gewesen, die beschwerliche Reise Luthers nicht aus Sicht des Reformators, sondern aus der Perspektive des Reichsherolds zu erzählen. Hier steigt vor allem das am Samstag vorgestellte Buch „Der Reichsherold Casper Sturm und Martin Luther. Der Begleiter des Reformators zum Wormser Reichstag 1521“ ein. Besonderer Fokus der Ausstellung, aber auch des Buches, liegt auf der Heimreise. Belegt sind regionale Halte in Friedberg, Lich und Grünberg.

Während der Ansprache dankte Ausstellungsleiter und Buchautor Manfred Breitmoser vor allem Alexander Fiolka für seine Unterstützung und Mithilfe beim Buch, Birgit Landvogt für ihre Lektorenarbeit sowie Martin Groß für das Layout und die Bildbearbeitung. Weiterer Dank ging an die vielen Leihgeber der unterschiedlichen Bibelausgaben. Denn der dritte Teil der Ausstellung widmet sich der Bibel. Unter anderem befindet sich auch ein Ausschnitt aus der Wulfila-Bibel aus dem 6. Jahrhundert unter den Exponaten.

Zusätzlich punktet die Ausstellung mit einem Einblick in die mittelalterliche Buchmalerei. Neben Erläuterungen über Materialien zur Buchherstellung und Vergoldung, werden als besondere Highlights zwei prunkvolle Bucheinbände gezeigt. Darunter das Prunkevangeliar der Pfarrgemeinde Oppershofen mit den Bildnissen der Heiligen Laurentius und Bardo. Vor allem an hohen Feiertagen kommt dieses in der Oppershofener Kirche zum Einsatz.

Ein besonders großes Plus der Ausstellung ist ihre Erfahrbarkeit. Anders als in Museen üblich können viele Ausstellungsstücke angefasst und näher betrachtet werden. Vor allem den jüngeren Besuchern kam das am Samstag sehr entgegen.

Das 103-seitige Buch von Manfred Breitmoser kann zum Preis von 8 Euro entweder noch während der Ausstellung im Sitzungssaal der Rockenberger Burg oder bei den offiziellen Verkaufsstellen Marien Apotheke (Rockenberg) und Bäckerei Kraus gekauft werden.

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