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Foto: dreut

LESUNG – Autor Torsten Rohde und Anke Siefken als „Renate Bergmann“ zu Gast bei Bindernagel

Butzbach (dt). Lange hatte sich die Buchhandlung Bindernagel um diesen Lesungstermin bemüht, doch Oma „Renate Bergmann“ war stets ausgebucht. Am Mittwochabend war es nun doch so weit, Autor Torsten Rohde gastierte mit seiner fiktiven Figur, der agilen, umwerfenden Oma vor ausverkauftem Haus in Butzbach bei Bindernagel. 

Vor einem begeisterten Publikum, das aus dem Schmunzeln und Lachen nicht herauskam, agierte Schauspielerin Anke Siefken als Renate Bergmann im „antiken“ Pepitakostüm, das sie schon Jahrzehnte trägt, wie sie wissen lässt. Sie bringt dabei eine Bande von Enkeltrickbetrügern in Berlin zur Strecke, weil sie es – mit ihrem Senioren-„Einsatzkommando“ – besser kann als die Polizei und weil sie im Vorteil ist, denn sie weiß: „Ich habe gar keine Enkel“; so heißt auch das neue Buch von Torsten Rohde, dem Erfinder der Renate Bergmann. 

Der Abend beginnt schon merkwürdig. Bereits vor der Lesung sitzt Renate Bergmann stilecht als Ermittlerin – verborgen hinter Sonnenbrille und einem Exemplar der neuesten Butzbacher Zeitung, in dem am Mittwoch gerade wieder über einen „Enkeltrick“ ausführlich berichtet wurde – auf der Bühne und beäugt das Publikum, wohl auf der Suche nach „Enkeltrickbetrügern“. Dann stellt sie sich vor als die 82-jährige Miss Marple von Spandau – „viermal verheiratet, viermal verwitwet.“ Ihre vier verstorbenen Ehemänner seien auf vier verschiedenen Friedhöfen bestattet, was zeitlich beim Gießen der Blumen auf den Gräbern stets einen ganzen Tag erforderlich mache. 

Daneben hat sie allerdings noch Zeit für kriminalistische Ermittlungen, denn der sogenannte „Enkeltrick“, mit dem ihre Mit-Omas deutschlandweit hereingelegt werden, ist ihr ein Dorn im Auge. Immer auf der Höhe der kriminellen Zeiten hat sie ein „Einsatzkommando“ zusammengestellt, zu dem noch Freundin Gertrud mit „Reizdarm“ und Hund Norbert und der 87-jährige Kurt mit Ehefrau Ilse gehören. 

Nachdem Freundin Lotte Lautenschläger von einem Enkeltrickbetrüger um 9000 Euro erleichtert worden ist, sieht der Plan so aus, dass Renate quasi als Lockvogel für eine agierende Bande in Berlin fungieren will. Das gelingt nach mehreren Anläufen. Renate ist am Telefon und stellt der anrufenden „Enkelin Jennifer“ eine Falle, wobei es angeblich um einen Wohnungskauf geht, für den Oma Renate ihrer „Enkelin“ 15 000 Euro nur für wenige Tage „leihen“ soll. 

Die Zuhörer erleben weit mehr als eine „normale“ Lesung, denn Siefken zeigt sich in den Telefonaten, die das Publikum live miterlebt, als Frau der Tat, lehnt die von Ilse empfohlene „schusssichere Weste“ zum Treffen mit der beauftragten Geldabholerin ab, für die sie einen Umschlag mit Papierschnipseln statt Geld präpariert hat. Das Ganze gelingt, die herbeieilende Polizei verhaftet die Betrüger. 

Zwischendurch gibt Renate Bergmann dem Publikum eine gute Portion allgemeine Lebenserfahrung mit auf den Weg. So berichtet sie von ihrer Tochter. Nicht alles im Leben könne gelingen, da sei etwas schief gelaufen, denn Vegetarierin Kirsten sei von Beruf „Heilpraktikerin für Kleintiere“. Sie fahre einen „wiesengrünen Porsche“ und veranstalte „Aquajogging und Esoterikübungen für Katzen“. Spezielle „Smoothies“ (mit versteckten Fleischzugaben), die Oma Renate der Tochter hin und wieder verabreicht, sollen „das Kind“ gesund erhalten. Zwischendurch stärkt sich Bergmann mit einem  Korn aus dem Flachmann und erfrischt sich und die Zuhörer mit einem wedelnden Tuch und einer großen Flasche 4711-Kölnisch-Wasser. 

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