Im Bereich der früheren Färberei…
20. Oktober 2017
Gefängnispfarrer predigt in der Markuskirche
20. Oktober 2017

Die Utopie Gießener Auswanderer

Die Zeitgenossen von Georg Büchner und Friedrich Ludwig Weidig waren gegen Gewalt

LINDEN (ga). „Die Gießener Auswanderungsgesellschaft von 1834 – eine Utopie der Büchnerzeit“. Mit diesem Thema befasst sich der Leiter des Stadtarchivs der Universitätsstadt Gießen, Dr. Ludwig Brake, während einer Vortragsveranstaltung am Donnerstag, 26. Oktober, um 19 Uhr in den Lindener Ratsstuben. Gemeinsam laden der Ortsverein Leihgestern, die Heimatvereinigung Schiffenberg und‘ der Heimatkundliche Arbeitskreis Linden zu diesem Vortragsabend ein.

„Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt.“ Zu diesem Ergebnis kam Georg Büchner, der sich zusammen mit Friedrich Ludwig Weidig für den revolutionären Weg entschieden hatte, um die politischen Verhältnisse in Hessen-Darmstadt zu ändern. Sie riefen zum Krieg gegen die Paläste auf.

August Folien, Gießener Anwalt, und Friedrich Münch, Pfarrer aus Niedergemünden, gingen einen anderen Weg. Mit einer realistischeren Einschätzung der politischen Kräfteverhältnisse wandten sie sich gegen Gewalt, weil sie eine Veränderung für unmöglich hielten. Da sie ihre Utopie aber dennoch realisieren wollten, entschlossen sie sich zur Auswanderung.

In den nordamerikanischen Freistaaten wollten sie eine deutsche Musterrepublik errichten. Deren Vorbildcharakter sollte dann zurückwirken auf Deutschland und hier gesellschaftliche und politische Veränderungen bewirken. Beide Utopien sind gescheitert: Weidig kam im Gefängnis um, Büchner starb im Exil. Auch die Utopie der Gießener Auswanderer ist als Projekt gescheitert und doch konnten wesentliche Bestandteile ihrer Ideale im praktischen Alltagsleben in den Vereinigten Staaten realisiert und tradiert werden.

Während Büchner und Weidig in der deutschen Literatur weithin bekannt und untersucht sind, ist die Gießener Auswanderungsgesellschaft mittlerweile fast in Vergessenheit geraten.

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