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Die Zeit des Hasses ist vorbei

Viel Authentizität bei der Ausstellungseröffnung über Tepl im Museum

Butzbach (dt). Einen sehr persönlichen, authentisch geprägten Abend erlebten die Besucher am Freitagabend im Museum. Anlässlich der Vernissage zur Ausstellung „Geschichte des Tepler Landes in Fotos und Dokumenten 1860 – 1960“ war es quasi ein „Tepl-Live“ – das im Mittelpunkt der Veranstaltung stehende Referat des in Tepl geborenen Mainzer Universitätsprofessors Dr. Herwig Stopfkuchen. Butzbachs Bürgermeister Michael Merle brachte es nach dem Vortrag in seinen Dankesworten auf den Punkt: „Das war heute hier eine autobiografische Reise nach Tepl“. Auch die Delegation aus Teplá mit Bürgermeister Karel Hermann an der Spitze war beeindruckt von dem Vortrag des Mainzer Medizinprofessors.

In seiner Begrüßung dankte Merle ganz besonders Ludvík Polácek, dem aktiven Initiator der nun bis Ende November im Butzbacher Museum zu sehenden Ausstellung, der diese zusammengestellt hatte. Merle wies darauf hin, dass man auch mit einer Beflaggung des Rathauses das besondere Ereignis würdige. Im Anschluss wurden gegenseitige Gastgeber- und Gastgeschenke ausgetauscht. Dabei hob Merle besonders die ehrenamtlichen Verdienste von Horst Mauder hervor, der sich in den 21 Jahren als Ortvorsteher in Wiesental intensiv um die Pflege der partnerschaft- und freundschaftlichen Verbindung zu Teplá bemüht hatte. Vor zehn Jahren hatte Merle dem heutigen Ehrenortsvorsteher den Landesehrenbrief überreicht und nun gab es ein Geschenk zum 80. Geburtstag für Horst Mauder, dessen Gattin in Tepl geboren ist.

„Zwischen Butzbach und Teplá gibt es heute feste Bande“, betonte Teplás Bürgermeister Karel Hermann in seiner Ansprache, die simultan für die Zuhörer übersetzt wurde. Er betonte, dass er großmütter- und großväterlicherseits deutsch-tschechischer Herkunft sei und gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, dass die Vergangenheit als „eine Zeit des Hasses“ endgültig vorbei und nun eine Zeit der „gegenseitigen Versöhnung und Vergebung“ angebrochen sei. Es gehe nun darum, die „gemeinsame Gegenwart aktiv zu gestalten.“ Dazu sei diese Ausstellung ein ganz wichtiger Schritt.

Im Anschluss skizzierte Ausstellungsinitiator Ludvík Polácek den Weg zur und die Ziele der historischen Ausstellung, die den hundertjährigen geschichtlichen Weg Teplás in teilweise seltenen historischen Bildern aufzeige: „Wir wollen gemeinsam Zukunft in Europa gestalten. In Butzbach fühlen wir uns heute bei Freunden!“ Merle dankte Polácek und hob hervor: „Über ein Stück gemeinsame Geschichte sind wir miteinander verbunden.“

In seinem Vortrag, der den Zuhörern sehr persönliche – und darum stark authentische – Eindrücke vermittelte, verband Professor Dr. Stopfkuchen erste Eindrücke aus dem eigenen frühesten Kindesalter in Tepl mit hautnahen Erlebnissen 1992 und um 2000 bei seiner Rückkehr in das heutige Teplá. Auf der Anfahrt von Marienbad durch das Tepler Hochland in seine Geburtsstadt, zum Kloster und während seines Ganges durch Straßen und über Plätze, sei in ihm „etwas Emotionales freigelegt“ worden: „Es war in mir durchaus ein Gefühl des Ankommens…Landschaft, Ort, Gebäude waren mir erstaunlicherweise selbst nach 40 Jahren plötzlich gar nicht so fremd.“ Er habe versucht, diesen Gefühlen in sich nachzuspüren und sie zu ergründen. Er sei zu der Erkenntnis gelangt, dass „visuelle Eindrücke aus frühester Kindheit, Bilder, die mich über Jahrzehnte begleitet haben, den größten Anteil daran hatten, dass das gegenwärtig Gesehene nicht als etwas Neues sondern als etwas Vertrautes erschien“.

Mit Fotos – auch gegenübergestellt von damals und heute – illustrierte Professor Stopfkuchen seine individuelle Sicht auf die Historie Teplás über die letzten Jahrzehnte. Neben den Fotos hätten später gemalte Bilder, insbesondere solche mit Kirchtürmen, im Elternhaus die frühkindlichen Erinnerungen – „zumindest ein schemenhaftes Bild“ davon – lebendig erhalten. Er stelle sich, gemeinsam mit dem Mainzer Stadtschreiber von 2008, Michael Kleeberg, die Frage: „Woher kommt bei einem Menschen wie mir, der keine Gelegenheit hatte, irgendwo Wurzeln zu schlagen, und dessen Eltern und auch schon Großeltern ihre eigenen Wurzeln ausrissen, dieses Gefühl von Aufgehobensein in dem Landstrich, wo die frühesten Erinnerungen angesiedelt sind oder in Gegenden, die ihm gleichen?“

Seine gefundene Antwort: „Es kommt in beiden Fällen aus der Ahnung von Teilhabe, die das kulturelle Gedächtnis mittels der Symbole Kirche und Landschaft in mir hervorruft.“ Das Hervorheben der Bedeutung von Bildern verdeutliche, dass Abbildungen von Gebäuden, Straßen, Plätzen und Landschaften „direkte soziale Bezüge und damit die Wahrnehmung der Menschen, die zu den Gebäuden und Landschaften auf den Bildern gehörten…ersetzen mussten und weitgehend ersetzen.“ Professor Stopfkuchen schloss seine Darlegungen mit der Forderung nach einem weiterhin „guten Willen, der dazu gehört“, damit diese Ausstellung auch „für jüngere, nicht unmittelbar schicksalhaft betroffene Menschen ein Lehrstück“ werde und sei.

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