„Pusteblume“ wieder Kindergarten
13. Juni 2019
„Lebensretter sind dringend gesucht“
14. Juni 2019

„Dirtbiker“ suchen Grundstück

LANGENHAIN-ZIEGENBERG. Die „Dirtbiker“ müssen ihren Parcours aufgeben. Die Bauaufsicht hat diese Art der Nutzung untersagt, nachdem eine Beschwerde beim Wetteraukreis eingegangen war. Foto: dom

PARCOURS – Wetterauer Bauaufsicht verfügt Beseitigung der Fahrradstrecke in Langenhain-Ziegenberg

LANGENHAIN-ZIEGENBERG (nns). Binnen drei Monaten sollen die Dirtbiker ihren Fahrrad-Hindernisparcours entfernen. Eine Verwaltungsgebühr von 200 Euro ist sofort fällig, außerdem 1000 Euro Zwangsgeld, wenn die Sache nicht fristgerecht erledigt ist. So will es eine schriftliche Verfügung vom Wetteraukreis. Ein Anwohner hatte sich bei der Kreisbauaufsicht beschwert. 

„Viele Nachbarn sind gekommen, um uns zu sagen, wie toll sie unser Engagement finden“, berichtet Friedger Schönberger, Sprecher der sechs- bis 22-jährigen Radakrobaten. Etliche Eltern haben sich heute den rund 15 Kindern und Jugendlichen hinzugesellt, die regelmäßig auf ihrem eigenhändig angelegten Parcours ihre Runden drehen. Sie habe ihre Kinder immer mit einem guten Gefühl auf dem Parcours gewusst, erzählt eine Mutter, wie sich die Älteren stets auch um die Jüngeren kümmerten. Dieses soziale Gefüge sei selten, pflichtet ein Vater bei und bedauert, dass dies durch Einzelne zerstört zu werden drohe. Im Dorf gebe es nicht viele Orte für Jugendliche, gibt eine Mutter zu bedenken. Der Bolzplatz sei in einem sehr schlechten Zustand. 

Ihr privat gepachtetes Grundstück sei ein Platz, um Zeit mit Freunden zu verbringen und zu trainieren, bestätigt Friedger, der inzwischen an internationalen Dirtbike-Wettkämpfen teilnimmt. Auch beim Varieté in der Schule waren die Dirtjumper die Attraktion. Seit sie über den Jugendpfleger vor einem halben Jahr von einer Beschwerde erfuhren, hätten sie sich intensiv bemüht, dass es leiser ist auf dem Platz. „Wir haben uns das hier aufgebaut, ich finde es blöd, dass das jetzt zerstört wird“, ist ein Knirps traurig. „Das ist unser zweites Zuhause“, sagt einer der Dirtbiker – „und elternfreie Zone“, grinst ein Kumpel. „Denen wird es immer schlecht, wenn sie uns bei unseren Sprüngen zuschauen.“ 

Den Kopf in den Sand stecken will keiner. Stattdessen suchen die jungen Leute nach Lösungen. „Vielleicht gibt es jemanden, der uns ein anderes Privatgrundstück zur Verfügung stellen möchte“, hoffen sie – und dass ihnen dort nicht das gleiche Schicksal blüht wie hier nach fünf Jahren. In Frage käme ein Areal von rund 1500 Quadratmetern, am liebsten leicht abschüssig für die „Dirtline“, wie die Anreihung von Hindernissen (Erdhügel und bewegliche Rampen) im Fachjargon heißt. Schön wäre eine Verlängerung der Frist, um ein geeignetes Grundstück auftun zu können, findet ein Vater und schlägt eine Art „Schlichtung“ vor, womöglich mit Hilfe der Gemeinde. 

Das Thema werde in der Fraktion besprochen, versprach Marco Roth, FWG-Abgeordneter im Gemeindeparlament und stellvertretender Ortsvorsteher von Langen- hain-Ziegenberg. Wie Bürgermeisterin Kristina Paulenz auf Anfrage erklärte, befasse sich der Gemeindevorstand mit dem Thema. Sie sei höchst verwundert über die Beschwerde. Sie begrüße, dass sich Jugendliche in der frischen Luft bewegten. Eine derart kinderfeindliche Entscheidung könne sie nicht gutheißen. Sie habe den Betroffenen empfohlen, Widerspruch einzulegen. Leider verfüge die Gemeinde über kein Grundstück, das sie zur Verfügung stellen könne. Sie hätten schon kein Gelände anbieten können, als die Jugendlichen vor sechs Jahren bei der Kommune angefragt und dann erst das private Pachtland aufgetan hatten.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.