Dokumentarfilmer und „Realist“ Andrej Bockelmann wird 80

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Dokumentarfilmer und „Realist“ Andrej Bockelmann wird 80

BUTZBACH. Andrej Bockelmann feiert heute in Butzbach 80. Geburtstag.

Deutliche Erinnerungen an Ende des Zweiten Weltkriegs in Lüneburg / Cousin von Udo Jürgens

BUTZBACH (pm). Am heutigen Freitag, 30. April, wird der in Butzbach lebende Journalist Andrej Bockelmann 80 Jahre alt. Die Entscheidung, darüber in der BZ zu berichten, hat er sich nicht leicht gemacht.
„Seit Tagen grübele ich darüber nach, ob ich das Angebot der Butzbacher Zeitung, meinen 80. zu melden, annehmen soll, ob das ganz normal ist, oder eitel, oder äußerst sinnvoll, wenn man Journalist ist, immer noch mit der Kamera herumläuft, um dies und das im Internet zu berichten und dann mitunter sogar über das Internet einige DVDs zu verkaufen. Oder ob es nicht total bekloppt ist, der Welt mein hohes Alter mitzuteilen, solange ich meine Arbeit hier und da noch ‚auf dem Markt‘ anbiete“, so der Altersjubi­lar. Tatsächlich freue er sich doch jedes Mal, wenn Nachfragen ergeben, „dass ich auf ‚so um die 70‘ geschätzt werde“. Doch ist er Realist, steht zu seinem wirklichen Alter, genießt dabei, dass er noch arbeiten, wandern, Rad fahren, schwimmen und Tennis spielen kann.
Geboren wurde er am 30. April 1941 in Lüneburg, „auf den Tag genau vier Jahre, bevor Adolf Hitler seinem verbrecherischen Leben – leider viele Jahre zu spät – in Berlin „ein Ende machte. „Ich erlebte als Kind die letzten Kriegsjahre und erinnere mich deutlich an die Freude meiner Eltern, als auf dem Marktplatz von Lüneburg am 4. Mai 1945 britische Militärs vom Balkon des Lüneburger Rathauses das Ende des Zweiten Weltkrieges verkündeten – vier Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Kapitulation in Berlin.“
Die zusammengerückte Großfamilie Bockelmann erlebte das Kriegsende sieben Kilometer von Lüneburg entfernt auf Gut Barendorf. Etwa ein Dutzend Vettern und Cousinen – darunter sein damals elf Jahre alter Cousin Jürgen Udo Bockelmann, später weltbekannt unter dem Namen Udo Jürgens.
„Mein Vater wurde 1946 vom britischen Militär als Oberbürgermeister von Lüneburg eingesetzt. Das war der Beginn seiner kommunalpolitischen Karriere. Höhepunkte waren seine von mir miterlebten Begegnungen 1959 mit Albert Schweitzer und 1963 mit John F. Kennedy in Frankfurt.“
Sein zwei Jahre älterer Bruder Mischa wurde 1946 von einer Flug­abwehrgranate getötet. „Wir hatten sie zum Spielen im Garten ausgebuddelt. Ich wurde lebensgefährlich verletzt. Udo hat die Tragödie ausführlich in seinem Buch ‚Der Mann mit dem Fagott‘ beschrieben.“
Über Beginn und Ende des Zweiten Weltkriegs machte Bockelmann in den 80er Jahren für die ARD einen Film. Er beginnt und endet in Lüneburg, zeigt berührendes und politisch hochinteressantes Material aus Filmarchiven in Deutschland, Polen, Frankreich und England – filmisch verwoben mit Zeitzeugeninterviews in diesen Ländern. Der Film dauert eineinhalb Stunden und ist bei Youtube zu finden unter „Andrej Bockelmann + Die Niederlage“. „Seit ich ihn vor einem Jahr – genau 75 Jahre nach Kriegsende – aktualisiert und ins Internet hochgeladen habe, ist er bereits mehr als 30 000 Mal angeklickt worden.“
Von rund 100 Dokumentarfilmen, die er seit 1970 für die ARD gemacht habe, findet man inzwischen fast die Hälfte bei Youtube, darunter auch den Trailer „Udo ganz nah“. Er weist auf eine neu bearbeitete Dokumentation über Udo Jürgens hin, die er aus zwei Filmen über ihn für die ARD zusammengestellt habe.
Ferner findet man bei Youtube unter seinem Namen auch einige kleinere Filme, die Bockelmann in den letzten Jahren in Butzbach gedreht hat – beispielsweise über Bürgermeister Michael Merle beim Schachspielen im Degerfeld oder „40 Jahre Musikschule Butzbach“.
„Von Lüneburg über Ludwigshafen am Rhein, Frankfurt, Paris, Basel, Hamburg, wieder Frankfurt, Tel Aviv, Bremen, Ehringshausen an der Felda, wieder Frankfurt bin ich 2007 schließlich in Butzbach gelandet, weil ich mich hier in die Cellistin Maike Kunstreich verliebt habe, die mich dann netterweise 2011 im Butzbacher Schloss geheiratet hat, berichtet der nunmehr 80-Jährige. „Aktuell habe ich beschlossen, auf dem Weg zur letzten für mich vorstellbaren Schnapszahl 88 weiter Filme zu machen und möglichst viele meiner alten Filme zu aktualisieren und ins Internet zu stellen.“

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