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Ebersgöns ist nun keine Insel mehr

Gestern Mittag nahm die Energie und Versorgung Butzbach (EVB) die neue Wasserversorgung von Ebersgöns in Betrieb. Auch die Bevölkerung war dazu eingeladen. Fotos: thg

WASSERVERSORGUNG – Anschluss an die Ovag-Fernleitung / Härtegrad deutlich geringer als vorher

BUTZBACH (thg). Die Kapazität wird erhöht, und das Wasser wird weicher. Seit gestern hat Ebersgöns offiziell eine neue Wasserversorgung. Die Leitungen werden nun noch mehrfach gespült, etwas Luft sei noch darin, und die alte Verbindung wird abgesperrt, sagte der Geschäftsführer der Energie und Versorgung Butzbach, Michael Weiß, gestern Mittag auf der Eröffnungsfeier in der Straße Zum Weißen Stein in Ebersgöns. Ortsvorsteher Andreas Wilhelm hatte seinen Carport für die offizielle Öffnung des Schiebers, der von dort aus wenige Meter Richtung Ortsausgang liegt, zur Verfügung gestellt. 

Die letzte „Insellösung“ der Wasserversorgung im Stadtgebiet von Butzbach, der Eigenversorgung des Stadtteils Ebersgöns ist mit der Anbindung und der Inbetriebnahme an das Fernleitungsverbundnetz der Kooperationspartner Ovag beendet, sagte Weiß. Damit werde eine zukunftsfähige Lösung für den Stadtteil geschaffen, die auch den Anforderungen an eine gesicherte Versorgung mit Trinkwasser und den lokalen Löschwasserbedarf der Stadt Butzbach abdeckt, gewährleistet.

Die früher selbständige Gemeinde Ebersgöns hatte bereits ab 1905 mit einer Quellfassung und einem Hochbehälter ihre eigene Wasserversorgung aufgebaut, erinnerte Weiß. Im Jahr 1954 und 1955 wurden eine Brunnenanlage und ein neuer Wasserhochbehälter mit einem Volumen von 250 Kubikmeter erstellt. Auf dieser Grundlage erfolgte bis dato die eigene Wasserversorgung für Ebersgöns. Im Rahmen der Gebietsreform wurde Ebersgöns im Jahr 1986 in die Stadt Butzbach eingebunden und ab diesem Zeitpunkt waren zunächst die Stadtwerke Butzbach und ab 1994 die EVB als Rechtsnachfolgerin für die örtliche Wasserversorgung zuständig.

Seit dieser Zeit hätten sich die Anforderungen an eine qualifizierte Trinkwasserversorgung und zur erforderlichen Löschwasservorhaltung gravierend verändert. Insbesondere die Änderungen der Trinkwasser- und der Wasserschutzgebietsverordnungen hätten in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von über 200 000 Euro zur Sicherstellung der Wasserversorgung erfordert. Mit dem Gesundheitsamt, den Wasser- und Naturschutzbehörden seien Untersuchungen für eine zielorientierte und zukunftsfähige Wasserversorgung angestellt worden.

Nach den Vorgaben der Aufsichtsbehörden hätte die Brunnenanlage und auch der Wasserhochbehälter kurzfristig saniert werden müssen, was geschätzt 700 000 Euro gekostet hätte. Auch nach einer Sanierung hätten jedoch Risiken der „Insellösung“ fortbestanden. Für die Brunnenanlage in Ebersgöns habe das Regierungspräsidium Darmstadt nur noch eine künftige Fördermenge von 28 000 Kubikmeter im Jahr genehmigt. Vorher seien es 45 000 gewesen, der Bedarf lag voriges Jahr bei 31 000. Sowohl die Trink- als auch die Löschwasservorhaltung hätten nicht mehr ausgereicht. Es wären weitere Investitionen, etwa eine Anbindung an das Leitungsnetz der Gewinnungsanlage „Jungwald“ in Höhe von mindestens 410 000 Euro erforderlich geworden. 

Die Umstellung wurde in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Ovag geplant, auch im Hinblick auf das entstehende Neubaugebiet in Ebersgöns. Auch Alternativen seien geprüft worden, diese wären allerdings mit über einer Million Euro deutlich teurer geworden. Für die Anbindung an das Fernleitungsverbundsystem seien bisher rund 615 000 Euro Kosten entstanden. Einsparungen seien unter anderem erzielt worden, weil sich die EVB im vorigen Jahr beim Breitbandausbau „drangehängt“ habe. Auch die Stadt habe somit Geld gespart, denn sie müsse sich wegen des Themas Löschwasser am Projekt finanziell beteiligen. 

Ovag-Vorstand Rainer Schwarz erinnerte daran, dass die Gespräche im Jahr 2009 begonnen hätten. Er lobte das gute Miteinander. Logisch wäre ein Anschluss an die Wasserversorgung im Kleebachtal gewesen, aber die Gebietsreform habe dies nicht zugelassen. 

Bürgermeister Michael Merle nannte den Anschluss des Stadtteils ans Radwegenetz, die Breitband- und nun die Wasserversorgung eine „in Summe positive Entwicklung“ für Ebersgöns. Erster Stadtrat und Vorsitzender des EVB-Aufsichtsrats Manfred Schütz wies darauf hin, dass der alte Hochbehälter weiter als Wasserversorgungsstelle etwa für Kleingärtner und Landwirte in Betrieb bleibt. Wegen des nunmehr weicheren Wassers – der Härtegrad sinkt von rund 16 auf 5,6 – solle die Einstellung unter anderem der Geschirrspülmaschinen überprüft werden. 

Nach dem Öffnen der Leitung nahmen Weiß, Schwarz, Merle, Schütz und von der Ovag Franz Poltrum und Peter Hans Hög an Ort und Stelle eine Kostprobe. 

Bürgermeister Michael Merle (v.r.), EVB-Geschäftsführer Michael Weiß, Ovag-Netz-Geschäftsführer Peter Hans Hög, Erster Stadtrat Manfred Schütz, der Leiter der Ovag-Abteilung Wasser, Franz Poltrum, und Ovag-Vorstand Rainer Schwarz nahmen eine Kostprobe, nachdem sie den Schieber in der Straße Zum Weißen Stein geöffnet hatten.

Kurz vor dem großen Moment: Die Beteiligten von EVB, Stadt und Ovag öffnen den Schieber für den neuen Wasseranschluss des Butzbacher Stadtteils Ebersgöns.

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