Eberstädter Blasorchester feiert vom 19. bis 21. August 100. Geburtstag

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Eberstädter Blasorchester feiert vom 19. bis 21. August 100. Geburtstag

EBERSTADT. Eines der schönsten Vereinsfotos des Eberstädter Blasorchesters der im August 2022 sein 100-jähriges Bestehen feiert, entstand vor 26 Jahren im Kurpark Bad Salzhausen aus Anlass des 75-jährigen Bestehens. Foto: schneider

EBERSTADT (sch). Als 1922 in Eberstadt mit dem Turnverein auch ein Spielmannszug gegründet wurde, konnte niemand wissen, was einmal daraus werden würde.  Heute, nach 100 Jahren, kann der Verein auf eine wechselvolle und bewegte Geschichte zurückblicken. Aus dem kleinen Spielmannszug ist ein attraktives Blasorchester mit rund 50 Musikanten geworden, das weit über Eberstadt hinaus bekannt ist. Das gemeinsame 100-jährige Vereinsjubiläum mit dem Turn- und Sportverein soll mit den Eberstädtern und auswärtigen Gästen gefeiert werden. Höhepunkt soll eine Zeltkirmes vom 19. bis 21. August 2022 werden. Weitere Veranstaltungen sind geplant und Informationen gibt es auf der Homepage BLO-Eberstadt.de.          

Schwieriger Start     

Aller Anfang ist schwer, so auch beim einstigen Spielmannszug. Überliefert ist, dass das Spiel von der Dorfbevölkerung zunächst als „Krach“ empfunden wurde. Die Übungen mussten deshalb außerhalb des Dorfes im Feld stattfinden. Schnell jedoch etablierte sich der Spielmannszug und begleitete die Turner bei Wettkämpfen und Festen. Der Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg war nicht leicht, denn das Marschieren war vielen noch in schlechter Erinnerung. Sechs junge Männer fanden sich zusammen und machten das Musizieren in Eberstadt wieder populär. Anfang der 1950er Jahre wurden die ersten Feste wieder besucht.     

Die Zeit der großen Erfolge     

Eine Besonderheit in Eberstadt ist, dass das Blasorchester eine Abteilung des Turn- und Sportvereins, aber auch der Freiwilligen Feuerwehr ist. Darauf hatten sich 1952 die Vorstände beider Vereine verständigt. Die Entwicklung zum Spielmanns- und Fanfarenzug konnte damit finanziell ermöglicht werden. Ab 1958 nahm man an unzähligen Musikwettstreiten in ganz Hessen und dem angrenzenden Rheinland-Pfalz teil und erzielte beachtliche Erfolge, wie 1966 den „Großen Preis der Bundesrepublik Deutschland“. Die Spielstärke war auf über 50 Mann angewachsen. Zusätzlich war Mitte der 1960er Jahre ein Schülerspielmannszug  entstanden, in dem erstmals auch Mädchen dabei waren.

Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1924 – eine bescheidene Truppe von Idealisten. Repros: scheider

Die Zeichen der Zeit erkannt     

60 Jahre ist es nun her, als Eberstädter Spielleute erstmals Landeslehrgänge der Hessischen Turnermusik besuchten. Hier hörten sie, wie sich andere Vereine auf „Harmoniebesetzung“ ausrichteten. Sie erkannten die Zeichen der Zeit und so wurde auch in Eberstadt mit der Umstellung begonnen. Notenkenntnisse mussten vermittelt werden und neue Instrumente wie Trompete, Horn, Posaune, Tuba, Klarinette und Saxofon mussten angeschafft und erlernt werden. Das alles dauerte fast ein Jahrzehnt. Zum 50-jährigen Bestehen 1972 trat dann der „Musikzug Eberstadt“ erstmals in voller Harmoniebesetzung auf. In den Folgejahren wurde das Repertoire erweitert und der Klangkörper ausgebaut. Viele Kinder und Jugendliche fanden den Weg zum Musikzug, der Anfang der 1980er Jahre eine Stärke von rund 60 Musikerinnen und Musikern erreichte. Der Musikzug wurde in „Blasorchester Eberstadt“ umbenannt.     

Das Blasorchester heute     

Besuchte man in den 1960er Jahren Musikwettstreite und Wertungsspiele, so gingen diese Aktivitäten in den 1970er Jahren stark zurück. Der Verein konzentrierte sich zunehmend auf Konzerte und Unterhaltungsmusik. Hierzu wurde der Klangkörper stetig erweitert und Neues ausprobiert. 1994 kam erstmals Gesang zur volkstümlichen Blasmusik dazu, später auch zu anderen Musikrichtungen. Heute sind die Musikanten an ihren Instrumenten gut ausgebildet. Lehrgänge der Musikverbände werden wahrgenommen und neben ehrenamtlichen Ausbildern sind Profi-Musiker im Einsatz. Die beharrliche Jugendarbeit vieler Jahre zahlt sich heute aus, denn das Blasorchester hat erfreulich viele junge Aktive. Musik ist ein Hobby für jedes Alter – im Blasorchester von 12 bis 70 Jahren. Die Eberstädter stehen für ein vielseitiges und ansprechendes Repertoire von „dicke-Backe“ über festliche und konzertante Werke, Schlager, Evergreens, Bigband-Sound und Filmmusik bis zu Titeln aus der Pop-Musik.     

Die Zeiten haben sich geändert     

Musste man vor 100 Jahren zum Üben ins Feld, so freuen sich die Dorfbewohner heutzutage, wenn freitagabends – wie im vergangenen Jahr wegen Corona – auf dem Hof vor der Mehrzweckhalle geprobt wird und zugehört werden kann. 

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