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Ehrenplatz für Friedrich Ludwig Weidig

BUTZBACH. Dr. Dieter Wolf mit einer Ausgabe der Didaskalia „Blätter für Geist, Gemüth und Publizität“, der Wochenendbeilage des Frankfurter Journals aus dem Jahr 1830. Foto: BZ

GESCHICHTE — Wetteraukreis lädt ein zum Besuch im Museum der Stadt Butzbach am Sonntag, 8. Dezember

BUTZBACH (pdw). Das Museum Butzbach ist das älteste Museum in der Wetterau. Es wurde im Jahr 1893 gegründet, um die Fundstücke der systematischen Limesuntersuchung zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Ein weiteres Ansinnen“, erklärt Museumsleiter Dr. Dieter Wolf, „war der rapide Rückgang des Tragens von Trachten hier in Oberhessen. Im Museum sollten diese Trachten auf Dauer bewahrt werden.“

Diese bewahrende Aufgabe hat das 1994 in neue moderne Räume umgezogene Museum Butzbach heute noch. In der Volkskundlichen Abteilung geben die ausgestellten Trachten einen kleinen Einblick in die Lebenswirklichkeit unserer Großeltern und der Generationen davor. Eine Hochzeitsgesellschaft ist dort zu sehen, bei der die Frau zum letzten Mal die Farbe Rot (die Farbe der Unverheirateten) zur Tracht trägt. Danach war die vorherrschende Farbe Blau. Später, etwa im Alter von 30 Jahren, trugen die Frauen Grün. Beim Tod von Verwandten musste man ein Jahr lang in Schwarz gehen. Waren es nahe Angehörige, betrug die Trauerzeit gar zehn Jahre. So kam es, dass die Frauen ab 35 Jahren kaum mehr aus der Farbe Schwarz herauskamen.

Kulturgeschichte des Schuhs

600 Quadratmeter Fläche umfassen die Ausstellungen in dem modernen Museum. Zu sehen sind Exponate aus ganz unterschiedlichen Epochen und Lebensbereichen. So etwa die Sammlung von mehr als 200 Miniaturschuhen, die als kleine Kulturgeschichte des europäischen Schuhs gelten kann und an die einst in Butzbach blühende Schuhindustrie erinnert.

Das Museum Butzbach ist ein wichtiger Lernort, wenn es um Strukturwandel geht. „Immer wieder mussten sich die Butzbacher neu orientieren“, berichtet Wolf, etwa nach dem Niedergang der einst blühenden Tuchkultur, die Butzbacher Kaufleuten zu Reichtum und Einfluss verhalf. Auch die heute noch in Bauwerken sichtbare stolze Industriekultur der Stadt Butzbach, in der landwirtschaftliche Maschinen und schwere Baumaschinen gefertigt wurden, ist verblasst.

Im Keller des Museums trifft man auf die Welt der Römer. Besonders eindrucksvoll ist die Nachbildung des römischen Kastells Hunneburg.

Pädagoge und Demokrat

Butzbach ist Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt. Seit 2011 trägt sie den Namen ihres größten Sohnes. Auch wenn Weidig nicht in Butzbach geboren wurde, den größten Teil seines kurzen Lebens hat er in Butzbach verbracht. Weidig, 1791 geboren, kam nach seinem Theologiestudium im Jahre 1811 nach Butzbach, wo er bis zum Jahre 1834 als Lehrer wirkte. Inspiriert von Friedrich Ludwig Jahn (Turnvater Jahn) führte Weidig, nach der Völkerschlacht von Leipzig und dem Aufbegehren gegen die Napoleonische Zwangsherrschaft, das Turnen und das Schülerexerzieren ein. Dafür wählte er den Turnplatz auf dem Schrenzer bei Butzbach.

In einer Sonderausstellung präsentiert das Museum Butzbach die Lebensstationen Weidigs. „Ein Mensch, der mehrere Sprachen sprach, als Pädagoge beliebt war und als einer der ersten deutschen Demokraten gilt“, wie Museumsleiter Wolf, einer der besten Kenner der historischen Figur Weidig, nicht ohne Stolz sagt.

Weidig war Mitbegründer und Schriftführer der „Teutschen Gesellschaft“, einer kritischen Lesegesellschaft, und er war durch den engen Kontakt mit anderen frühen Demokraten Mitvorbereiter und Mitorganisator des Hambacher Festes, das als Höhepunkt der bürgerlichen Opposition in der Zeit der Restauration gilt. „Weidig ist zweifelsohne einer der geistigen Väter dieser bedeutenden politischen Versammlung. Hier wurde ein liberales einiges Deutschland gefordert. Das Hambacher Fest zählt zu den frühesten geistigen Identifikationspunkten der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Wolf.

Weidig, der zusammen mit Georg Büchner am Hessischen Landboten, jener revolutionären Zeitschrift arbeitete, wurde 1835 in Haft genommen und wegen seines Einsatzes für Demokratie und Pressefreiheit fast zwei Jahre unter schlimmsten menschenverachtenden Bedingungen in Untersuchungshaft gehalten. Im Februar 1837 setzte Weidig seinem Leben selbst ein Ende. Im Museum ist neben der Sonderausstellung eine große Sammlung mit Archivalien zu Weidig vorhanden.

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