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Ein Filmemacher, der einfach macht

Foto: Schikarski

PORTRÄT – Hartmut Schotte dreht in aller Welt, mag „echte Geschichten“ und hat gerade als Produzent einen Kurzfilmpreis gewonnen

GIESSEN. Wenn sich Erwachsene Gedanken über die Zukunft machen, fällt das Ergebnis oft eher verzagt aus. Klimawandel, Donald Trump und das todsichere Scheitern der Bayern in der Champions League – solche Dinge fallen den meisten dann auf Anhieb ein. Doch viel wichtiger ist die Frage, was Kinder mit der Zukunft verbinden. Denn ihnen gehört sie schließlich. Darüber haben sich die beiden Filmemacher Josephine Ehlert und Hartmut Schotte so ihre Gedanken gemacht – und mit ihrem witzigen, unterhaltsamen und unbedingt sehenswerten Beitrag „Klassenfahrt in die Zukunft“ gerade den deutschlandweit ausgeschriebenen Kurzfilmwettbewerb „Bayern 2030“ gewonnen. Der darin vermittelte Optimismus ist eine Geisteshaltung, die Hartmut Schotte unbedingt teilt – schließlich läuft es für den 35-jährigen Wahl-Gießener derzeit ausgezeichnet. Mit einem vom FilmFernsehenFonds Bayern ausgelobten Filmpreis und dessen Verleihung durch CSU-Ministerin Ilse Aigner hat die Karriere des gebürtigen Butzbachers jedenfalls einen weiteren Schub bekommen. Das Preisgeld von 10 000 Euro soll dem Filmemacherduo nun helfen, weitere Ideen umzusetzen. Denn die liegen schon in der Schublade.

Die Konkurrenz in der Branche ist groß. Deshalb „muss man haltmachen“, sagt Schotte, der auch für den Schnitt des prämierten Kurzfilms verantwortlich ist. Das Werk sei das Beste, was ihm bisher gelungen sei, erzählt er. „Wir haben da ein neues Niveau erreicht.“ Es war ein Dreh mit bekannten Schauspielern wie Tim Bergmann („Der Taunus-Krimi“) und Eli Wasserscheid („Schweinskopf al dente“), die Regisseurin und Drehbuchautorin Ehlert über ihre Kontakte gewinnen konnte. Vier Drehtage standen ihr und ihrem Produzenten zur Verfügung. Eine intensive Zeit, in der es darum geht, plötzlich ein Filmteam „von der Größe eines mittelständischen Unternehmens zu führen“, wie Schotte erläutert. Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem fiktionalen Erzählen mit Schauspielern und dem Drehen von Dokumentarfilmen, wie er sie bereits vielfach in Angriff nahm – etwa in China, Indonesien und den USA. Darüberhinaus sind Werbedrehs für heimische Wirtschaftsunternehmen wie Licher, Ovag und die Sparkasse Oberhessen sein zweites finanzielles Standbein.

Hartmut Schotte hat schon als Jugendlicher seine Leidenschaft für den Film entdeckt, drehte etwa Super8-Streifen mit der Kamera seines Vaters im Familienurlaub. Gleich nach dem Abitur bewarb er sich bei der renommierten Filmhochschule Ludwigsburg, „was mangels Erfahrung aber ein bisschen naiv war“, wie er einräumt. Denn dort gibt es für 30 Plätze bis zu 2000 Bewerber, „von denen nicht wenige bereits Erfahrung als Filmemacher mitbringen“. Also wandte sich der junge Mann zunächst der technischen Komponente des Filmemachens zu und kam durch einen Zufall zu einem Tonstudio im Odenwald, wo er der einzige Mitarbeiter war und gerade deshalb eine profunde Ausbildung erhielt. „Eine glückliche Fügung“, sagt er rückblickend – heute hat das Unternehmen rund 20 Mitarbeiter, „also offenbar nicht so viel falsch gemacht“, lacht Schotte. Er selbst wählte anschließend das Risiko der Selbstständigkeit. In dem zusammen mit einem Schulfreund gegründeten Unternehmen „Firstgrade“ bietet er mittlerweile von der Idee über das Drehbuch bis zur Umsetzung und die gesamte Postproduktion ein komplettes Aufgabenfeld an – mittlerweile von einem Büro in Kleinlinden aus.

Die Werbefilme bringen dem Unternehmen den benötigten Umsatz, die Leidenschaft Schottes gehört aber dem Erzählen – in Spielfilmen wie Dokumentationen. Eine davon, per Crowdfunding finanziert, handelt von Leprakranken in Nepal: „Das sind natürlich Sachen, mit denen man normalerweise nichts zu tun bekommt“, sagt er über die Arbeit, für die er vier Wochen lang in dem Land unterwegs war. Einer der besonderen Reize, die ihm das Filmemachen bietet. Ebenso wie das Erzählen von „echten Geschichten“.

Als Vorbilder nennt er in diesem Zusammenhang etwa die preisgekrönte Dokumentation „More than Honey“, in der sein Kollege Markus Imhoof vom weltweiten Bienensterben erzählt. In einer Szene werden chinesische Arbeiter gezeigt, die in Bäume klettern, um die Apfelblüten zu bestäuben. Eine einzige Szene, die sich dem Zuschauer einbrennt, weil die die ganze Absurdität auf den Punkt bringt. Das ist die hohe Kunst, lobt Schotte, der sich auch für die großen Filme Steven Spielbergs begeistern kann. „Sachen mit Superhelden brauche ich dagegen eher nicht.“

Doch auch in Deutschland könne man gute Filme machen, findet Schotte, der dazu selbst seinen Beitrag leisten will. Wo er sich dabei in fünf Jahren sehe? „Ich fühle mich gerade sehr wohl. Also nicht weit weg von jetzt.“ Das Preisgeld werde er jedenfalls in neue Projekte investieren – und mit dem prämierten Kurzfilm sicher auch noch das ein oder andere Festival besuchen – nachdem das Werk zunächst bis zum Sommer von der Bayerischen Staatsregierung für Kommunikationszwecke genutzt wird.

„Die meisten Erwachsenen glauben, dass die Zukunft viel schlimmer wird als jetzt. Wenn man sich Sorgen macht, kommt man auf komische Gedanken und vergisst, was man sich wirklich wünscht“, sagt die zwölfjährige Hauptdarstellerin Greta im Film. Sätze, die auch als Statement von Hartmut Schotte und seiner Kollegin Josephine Ehlert durchgehen würden.

Foto: Illschner

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