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Ein Tag auf Burg Münzenberg 1218

MÜNZENBERG. Einen Tag auf Burg Münzenberg vor 800 Jahren  erlebten am Samstagabend die Fernsehzuschauer im deutsch-französischen Kultursender Arte.

Mit dem TV-Sender Arte auf Zeitreise in das alltägliche Leben auf der mittelalterlichen Burg

Münzenberg (dt). Der deutsch-französische Kultursender Arte nahm die TV-Zuschauer am Samstagabend zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr mit ins Jahr 1218 (die BZ berichtete vorab). Im Mittelpunkt stand ein Tag in der heimischen Burg Münzenberg vor über 800 Jahren. Auch Butzbachs ehemaliger, langjähriger Museumsleiter Dr. Dieter Wolf hatte an dem Film mitgearbeitet und trat in einigen Szenen als Kommentator auf. Er hatte als Historiker den nicht mehr vorhandenen ursprünglichen Grundriss der Burg Münzenberg rekonstruiert. In einem historischen Dokudrama – initiiert und gedreht vom ZDF – waren die Zuschauer Begleiter des fiktiven Kastellans Eberhard von Münzenberg bei seinen alltäglichen Arbeitsabläufen auf der Burg.       

Der 21-jährige Eberhard fungiert zugleich als erfolgreicher Manager, Aufsichtsbeamter, Steuereintreiber, Zeremonienmeister und Befehlshaber der Burgwache, die aus 200 Mann besteht, und ist damit auch für den Schutz der Bauern in den umliegenden Wetterauer Dörfern verantwortlich. Nur geschützte Bauern sind bereit und willig, ihre Steuern – registriert auf einem Kerbholz – ordnungsgemäß zu entrichten. Ein Drittel müssen die Bauern an die Burg abgeben, ein Drittel verwenden sie für die Aussaat und ein Drittel dürfen sie für sich und ihre Familien behalten. 

Es ist am Beginn des 13. Jahrhunderts eine Zeit voller Gewalt und Konflikte ohne einheitliche Reichsgesetze. Das Heilige Römische Reich erstreckt sich in jener Epoche von der Nordseeküste bis nach Italien und wird regiert vom Stauferkönig Friedrich II. Dieser lässt zur Festigung seiner Macht zahlreiche Burgen, die Herrschaftszentren und Gerichtsstandorte zugleich sind, im Lande errichten.

Die Burg Münzenberg ist ein Bollwerk gegen alle Feinde, soll zusätzlich zum westlichen Bergfried nun einen zweiten Wehrturm erhalten, weil der Schutz der Wetterau, eine der größten Kornkammern des Reiches, höchste Priorität hat. Der TV-Film zeigte die mittelalterliche, gefahrvolle Bautätigkeit für den zweiten Turm. Auf Kastellan Eberhard, der eine vollständige Ausbildung zum Ritter erhalten hat und als Kastellan Anspruch auf einen Dienstsitz in der Vorburg hat, ruht vielfältige Verantwortung. Sein Arbeitstag beginnt mit Sonnenaufgang und endet meist erst nach zwölf Stunden. Eberhard ist – als unehelicher Sohn seines Vaters Kuno I. aus dessen Beziehung mit einer niedrigen Adligen – Bediensteter des jetzigen Burgherrn, seines Halbbruders Ulrich I.. Ulrich reist jedoch als Reichskämmerer zumeist im Gefolge des Kaisers mit und ist selten in der Burg anwesend ist.       

Herzstück der Burg ist der sogenannte Palas, das Hauptgebäude mit Wohn- und Festsaal, wo der Burgherr lebt und seine Gäste empfängt. In einem Spaziergang mit Dr. Wolf wandelt der TV-Zuschauer durch die heutige Ruine der Burg Münzenberg mit den aktuell noch erkennbaren Resten der früheren Nutzung. In einem Kriegsfalle konnte sich die Burg mit ihren Wirtschaftsgebäuden mit ihren Bewohnern für zwei bis drei Monate selbst versorgen. Eine Vorburg mit der Wohnung des Kastellans Eberhard lag außerhalb der eigentlichen Burgmauern am Fuß des Burgbergs. Gezeigt wird im Film die Not der Bauern, die ihre Abgaben nicht wie gewohnt leisten können, weil sie unterwegs von den Bewaffneten der Herren von Grüningen überfallen werden, die mit den Münzenbergern unbedingt eine Fehde austragen wollen.      

In dem Streit geht es um die Mühle in Ruppertsburg, die die Grüninger gern hätten. Eberhard muss fürchten, dass sich die Bauern „vom Acker“ machen, ihre Scholle verlassen und – nach der Devise „Stadtluft macht frei“ – etwa nach Frankfurt und Gießen gehen. Darum erlässt er ihnen einen Teil der Abgaben. Eine bewaffnete Auseinandersetzung mit den Grüningern scheint unausweichlich. Am Abend soll in der Burg ein festliches Bankett stattfinden, die Gäste und die Bauern in den Dörfern müssen gleichzeitig geschützt werden, wozu Eberhard 500 Bewaffnete zur Verfügung stehen.

Zum Bankett am Abend geladen sind die Leute der Burgmannenfamilie derer von Bellersheim, deren drittgeborene Tochter Mechthild die Ehefrau des „Bastards“ Eberhard werden soll, der sich damit endlich glücklich verheiraten darf. Die Allianz beider Burgfamilien wird durch die vereinbarte Heirat geschmiedet und die Grüninger, die fordernd und kampfbereit vor der Stadt Münzenberg stehen, müssen – dank Eberhards Verhandlungsgeschick – unverrichteter Dinge wieder abziehen. In der Wetterau kehrt danach wieder Ruhe ein. Mit dem Mainzer Landfrieden von 1235 wird die Fehde außer Kraft gesetzt und durch eine ordentliche Gerichtsbarkeit ersetzt.

Der Film schließt: „Die Geschichte des Eberhard von Münzenberg ist erfunden, aber wahr. Sie erzählt von einem jungen Adligen, der unehelich geboren wird, die Schranken seiner Herkunft überwindet, für Recht und Gerechtigkeit einsteht und sein persönliches Glück findet.“ Interessierte BZ-Leser, die den Film verpasst haben,  können ihn sich in der Arte-Mediathek ansehen, wo er noch bis einschließlich 9. Januar abrufbar ist.  

An der  Zeitreise in das Hochmittelalter war auch der Historiker und frühere Butzbacher Museumsleiter Dr. Dieter Wolf beteiligt

Ein Streit um die Mühle in Ruppertsburg  hätte beinahe zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den Grüningern geführt.

Die Allianz der Burgfamilien  von Münzenberg und Bellersheim wird durch die Heirat  von Eberhard und Mechthild geschmiedet und mit einem Bankett gefeiert.

             

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