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Ein Viertel der Unfälle auf Fernstraßen wegen zu hoher Geschwindigkeit

BUTZBACH. Das Foto zeigt Polizeipräsident Bernd Paul während der Pressekonferenz zur mittelhessischen Verkehrsunfallstatistik. Foto: ots

Polizeipräsident Bernd Paul legt Jahresstatistik 2021 vor / Butzbacher Autobahnpolizei registriert mehr Fälle

BUTZBACH (thg). Eine leichte Zunahme der Zahl der Verkehrsunfälle ist in Mittelhessen zu verzeichnen. Der Großteil der tödlichen Unfälle passierte außerhalb von Ortschaften. 44 Prozent aller Unfallfluchten wurden aufgeklärt. Deutlich mehr folgenlose Fahrten unter Drogen stellten die Beamten bei Kontrollen fest. Diese Punkte hebt das Polizeipräsidium Mittelhessen hinsichtlich der Verkehrsunfallstatistik für das vergangenen Jahr hervor. Polizeipräsident Bernd Paul stellt die Daten in Gießen vor. 

„Die Gesamtunfallzahlen im Landkreis Wetterau liegen in 2021 trotz leichten Anstiegs weiterhin unter der Grenze von 5000. Gegenüber 2020 stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle um 281 auf 4757 an. Tragisch ist, dass auch die Anzahl tödlich verletzter Personen um drei angestiegen ist“, sagte die Leiterin der Polizeidirektion Wetterau, Kriminaldirektorin Antje van der Heide. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden lag dabei um neun höher als 2020.

Trotz zuletzt wieder gestiegener Unfallzahlen blieb die Anzahl der leicht- oder schwerverletzten Verkehrsteilnehmer im Vergleich zum Vorjahr auf annähernd gleichem Niveau. Eine ähnliche Entwicklung stellen die Beamten bei geschwindigkeitsbedingten Verkehrsunfällen sowie Unfällen aufgrund zu geringen Abstands oder unter dem Einfluss von Alkohol oder anderer berauschender Mittel fest. In 148 Fällen wurden im Zusammenhang mit dem Unfall Alkohol- oder Drogenkonsum bei Fahrzeugführern festgestellt. Aus diesem Grund seien verstärkte Kontrollen geplant.  

Erfreulich sei, dass es im Wetteraukreis zu deutlich weniger Unfällen kam, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt waren. Die sogenannten Schulwegunfälle reduzierten sich um mehr als die Hälfte. Indes wurden Anstiege der Zahlen mit Beteiligung von Fahranfängern sowie Senioren feststellen. 

Mithilfe der Unfallanalyse und Unfallauswertung will die Polizei erkannte Gefahrenstellen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Straßenverkehrsbehörden und Baulastträgern soweit möglich minimieren oder vollständig beseitigen (lassen). Das berichtete Jürgen Sill, kommissarischer Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Wetterau.

Die Entwicklung der Gesamtunfallzahlen im Wetteraukreis macht deutlich, dass trotz weiterhin erfreulicher Gesamtbilanz das Verkehrsgeschehen einer kontinuierlichen Betrachtung und Begleitung bedarf. Vor allem die Bereitschaft zur Einhaltung von Verkehrsregeln und die erforderliche Rücksichtnahme auf schwächere Verkehrsteilnehmer müssen im Gesamtinteresse aller verbessert werden, so van der Heide. Dabei kommt neben der klassischen polizeilichen Kontrolle vor allem der verkehrspräventiven Arbeit ein hoher Stellenwert zu. Der Fokus richtet sich auch auf neuere Phänomene wie die mangelnde Aufmerksamkeit wegen Nutzung von Handys oder das Phänomen „Raser, Poser, Tuner“.

Auf den mittelhessischen Autobahnen, die nicht bei den Landkreisen berücksichtigt wurden, kam es im zurückliegenden Jahr zu einer leichten Zunahme der aufgenommenen Verkehrsunfälle. Das berichtete Thorsten Haas, Leiter der Autobahnpolizei in Butzbach. Es seien 2145 Verkehrsunfälle registriert worden, 189 mehr als im Vorjahr. 

Ein Grund dafür dürfte der Wiederanstieg des Verkehrsaufkommens aufgrund der gelockerten Corona-Einschränkungen gegenüber 2020 sein. „Betrachtet man jedoch die Entwicklung der Unfallzahlen im Langzeitvergleich der letzten fünf Jahre, kann konstatiert werden, dass das aktuelle Unfallaufkommen mit 2145 deutlich unter dem Mittelwert von 2577 liegt (-432 Verkehrsunfälle).“ Das entspreche einem Rückgang von 16,8 Prozent.

Bei 24,1 Prozent der Verkehrsunfälle und somit bei annähernd jedem vierten Verkehrsunfall auf Autobahnen, sei nach wie vor „Geschwindigkeit“ eine der Hauptunfallursachen. Die Überwachung der „Verkehrsregeltreue“ der Autobahnnutzer werd daher fortgesetzt mit verstärkten Geschwindigkeitsmessungen, insbesondere an Gefahrenstellen unter anderem in Baustellenbereichen.

Der Schwerverkehr ist laut Haas mit rund zehn Prozent am Gesamtverkehrs-aufkommen insbesondere auf den Autobahnen und Schnellstraßen überproportional am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt. Die fortwährende Unfallanalyse belegt, dass bei einer Unfallbeteiligung des Schwerverkehrs oftmals die Unfallursache vom Fahrer ausgeht. „Diese Zahl hat sich in den Vorjahren kontinuierlich und deutlich nach oben entwickelt.“ Daher wurden 2021 rund 1700 Fahrzeuge – Lastwagen und Busse – von der Autobahnpolizei kontrolliert. Zehn Prozent davon durften wegen technischer Mängel oder Verstößen gegen die Sozialvorschriften nicht weiterfahren. In Erinnerung bleibe auch der schwere Unfall, der sich im September 2021 auf der A 5 bei Friedberg ereignete. Vier Menschen kamen ums Leben, als offenbar ein als Geisterfahrer unterwegs war.

In Bezug auf alle aufgenommenen Verkehrsunfälle im Bereich Mittelhessens abseits der Autobahnen macht die Unfallflucht fast ein Viertel (24,8 Prozent) aus. Die Aufklärungsquote wurde von 43 auf 44 Prozent gesteigert. 2020 wurden 5288 Unfälle registriert, fast so viele wie im Vorjahr.

Etwa 13 Prozent mehr Wildunfälle ereigneten sich. 5884 solcher Unfälle, die fast 28 Prozent aller in Mittelhessen aufgenommenen Unfälle ausmachen, wurden registriert. Dabei kam ein Mensch ums Leben, sieben wurden schwer und 41 leicht verletzt.

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