„Ein wenig wie im Luxusgefängnis“

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„Ein wenig wie im Luxusgefängnis“

Interview mit dem aus Butzbach stammenden Ruderer Marc Weber (Foto), der sich in Japan auf seinen Olympiastart am 23. Juli im deutschen Doppelzweier vorbereitet. Foto: Weber

Marc Weber bereitet sich in Japan auf den Olympiastart am 23. Juli vor

 KINOSAKI(JAPAN)/GIESSEN. Leider sei es bei durchweg mindestens 25 Grad „super verregnet“ zum Ende der Regenzeit, berichtet Marc Weber vom olympischen Vorbereitungslager der deutschen Ruderer in Japan. Und hat noch von weiteren ungewohnten Beeinträchtigungen im Trainingscamp in Kinosaki, zehn Stunden von Tokio entfernt, zu erzählen. Zusammen mit Stefan Krüger von der Frankfurter Germania startet der 23 Jahre alte, aus Butzbach stammende Ruderer der Gießener Hassia bei den Olympischen Spielen im deutschen Doppelzweier. Am 23. Juli, kurz nach der Eröffnungsfeier der Sommerspiele, ist der erste Vorlauf angesetzt.

Im Blick auf den Rest der Vorbereitung und den ersten Wettkampf beantwortete Weber die Fragen unserer Zeitung. 

BZ: Sie sind jetzt mit den deutschen Ruderern im Trainingslager in Japan. Wie ist die Stimmung bei Ihnen und der Mannschaft? Gibt es größere Corona-Beschränkungen?

Weber: Wir sind seit dem 1. Juli in Kinosaki und bereiten uns hier mit einem finalen Feinschliff auf die Spiele vor. Die Einschränkungen sind jedoch riesig, schon bei der Ankunft am Flughafen wurde das klar. Eigene Wege und Stationen für Sportler, insgesamt vor Anreise zwei PCR-Tests und bei Ankunft nochmal zwei, seitdem jeden Tag einen weiteren; und vier Stunden Papierkram am Flughafen, bevor wir zu unserem Bus gebracht wurden. Kinosaki ist zehn Stunden von Tokio entfernt. Zwischenstopps mussten angemeldet werden, damit der Parkplatz gesperrt werden konnte, damit wir bloß in keinen Kontakt mit Japanern kommen. In Kinosaki dürfen wir das Hotel außer zum Rudern nicht verlassen, auch nicht zum Joggen oder Radfahren. Die Stadt anzugucken oder sich einfach mal auf eine Parkbank setzen – unmöglich! Selbst im Hotel ist fast alles für uns gesperrt, Stockwerk 4 und 5 sind für uns freigegeben, die Lobby, der Pool (zum Großteil der Zeit), die Thermalquellen, ja sogar Toiletten außerhalb unseres Stockwerks sind gesperrt. Selbst nach 14 Tagen, nach denen wir für das Virus ja quasi normale Einwohner sind, wird sich an den Regeln nichts ändern. Die Japaner sind wirklich sehr vorsichtig, wir leben hier in unserer Blase, es ist ein wenig wie im Luxusgefängnis. 

BZ: Im Großraum Tokio soll es bei den Wettbewerben der Olympischen Spiele keine Zuschauer geben. Sind die Ruderer auch davon betroffen? Und ist das eine große Beeinträchtigung für Sie?

Weber: Die Ruderstrecke ist in Tokio, damit sind wir auch von der Regelung betroffen und dürfen keine Zuschauer haben. Das ist natürlich unglaublich traurig. Die EM hat mit einer Inzidenz von knapp 300 fast volle Stadien und Tokio liegt bei 30 und verbietet Zuschauer. Dennoch, „safety first“ und die Einstellung finde ich gut. Sportwettkämpfe ja, aber nicht um jeden Preis. Wir müssen uns also an die Vorstellung der leeren Zuschauerränge gewöhnen. Aber neu ist das für uns nicht, die ganze Weltcupsaison waren bei uns keine Zuschauer zugelassen, man wird sich niemals daran gewöhnen, an die Stille auf den letzten Metern. Aber man lernt damit umzugehen und sich trotzdem von seiner eigenen Motivation ins Ziel peitschen zu lassen.

BZ: Wann steht der erste olympische Vorlauf für Sie und den deutschen Doppelzweier auf dem Programm?

Weber: Wir sind direkt nach der Eröffnungsfeier dran. Unser Vorlauf startet am 23. Juli, unser Finale ist am 28. Juli. Am 30. Juli startet dann schon unser Rückflug, da wir 48 Stunden nach dem Finale außer Landes sein müssen. 

BZ: Hat sich etwas am Ziel Final-Teilnahme geändert?

Weber: Nein, unser Ziel sind nach wie vor die Top 6. Das bleibt aber nach wie vor ein ambitioniertes Ziel in diesem engen Feld. Zuletzt war unsere Leistung im Training etwas schwankend, von sehr gut bis eher mittelmäßig war alles dabei. Jetzt heißt es ruhig bleiben und die Stärken wieder mehr in den Fokus zu bringen. Sollten wir das schaffen und uns bei Olympia im sehr guten Bereich bewegen, dann traue ich uns sogar mehr zu, dann ist alles möglich. 

Albert Mehl

 

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