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2. November 2018
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2. November 2018

Ein Wittenberger im Himmel

Foto: dreut

REFORMATIONSTAG – Ein polternder Martin Luther in Fauerbacher Kirche in Szene gesetzt

FAUERBACH v.d.H. (dt). Den legendären „Münchner im Himmel“ des bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma – Autor auch der „Lausbubengeschichten“ – kennt man, den aus dem Himmel herab polternden „Wittenberger“ Martin Luther konnte man am Mittwochabend, am Reformationstag, in der Fauerbacher Kirche kennen lernen; und die war wieder vollbesetzt, wie es nun schon seit einigen Jahren stets an dem Abend der Fall ist, an dem Vorsitzender Klaus Werner und der Kirchenvorstand neu konzipierte Spielszenen zur Erinnerung an den Dr. Martinus Luther präsentieren. Das geschieht – zur Freude der Kirchenbesucher – meist mit einem Augenzwinkern und ist alljährlich ein großer Spaß, hinter dem allerdings auch mancher kritische Blick auf die eigene Kirche sichtbar werden kann und soll. 

Luther (Klaus Werner) und Ehefrau Katharina (Karin Dilges) sind nach 500 Jahren und dem letztjährigen strapaziösen Reformationsjubiläum nun endlich  im Himmel angekommen. Dort gibt Luther auch weiterhin keine Ruhe. Er schaut mit Empörung auf die Welt zu seinen Füßen, wie sie sich ihm in vier exemplarischen Spielszenen offenbart. Das kann Luther alles nicht gefallen, der mit seiner „Lutherin“ nach jeder Szene auf der Erde neue Meinungsverschiedenheiten hat und ihre zaghaften emanzipatorischen Vorstöße barsch abschmettert. Ehefrau Katharina nach jedem Disput: „Ein Glück, dass uns hier oben im Himmel niemand hören kann.“  

In der erste Szene auf der Erde blickt das Ehepaar Luther – als Engel mit Flügeln ausgestattet – von oben und das Publikum auf den Kirchenbänken unten auf einen „ökumenischen Dialog“ zwischen Eheleuten (Cornelia und Hans-Martin Bachus) – sie evangelisch, er katholisch. Ihr Fazit, die Katholiken und die Protestanten sollten doch wieder zusammenfinden. Vorschläge dazu: Man könne „doch ein paar Heilige von euch übernehmen“, auch gegen die größere Zahl der katholische Feiertage hätte man auf evangelischer Seite kaum Einwendungen, aber den Zölibat werde man keinesfalls übernehmen. Ein weiterer versöhnender Vorschlag: Der Papst könnte zunächst wechselweise von den Protestanten und den Katholiken gestellt werden, ehe man dann einen ökumenischen „christlichen Papst“ wählen könne. Das alles stößt nach der Szene beim polternden Luther im Himmel auf vollständige Ablehnung. Um jetzt das zu tun, hätte er sich doch auf Erden seinerzeit nicht so abrackern müssen.    

In der zweiten Szene (Beate Kalwin, Petra Möhler, Christian Bergner) stellt ein Reporter der örtlichen Zeitung die Frage nach der Nachhaltigkeit des vergangenen Lutherjubiläums. Ein tolles Geschäft habe sie gemacht mit „Lutherbrötchen“ oder „Luthertorte“ berichtet eine Bäckerin, und eine Leserin auf einer Parkbank verweist auf die zahlreichen Buchveröffentlichungen wie „Luther und die Brieftauben“ oder „Luther und die FKK-Kultur“. Luther im Himmel ist danach zutiefst empört und weist alle begütigenden Einwände seiner Katharina brüsk zurück, dem Volk, dem er „aufs Maul geschaut“ habe, fehle es weiterhin „an Wissen und Verstand.“ 

In der dritten Szene geht es um eine Hausfrau (Annemarie Seiler), die für den gesamten Fauerbacher Kirchenvorstand „Luther“-Socken stricken will. Dabei macht sie ihrem Ehemann (Eberhard Seiler) mit Vorschlägen zu den Motiven auf den Socken das Leben schwer. Letzter Vorschlag: Der rechte Socken soll die Aufschrift tragen: „Hier stehe ich“ und der linke „Ich kann nicht anders“. Das Publikum hat in solchen Momenten seinen Spaß. Der Kommentar Luthers von oben: Man treibe „Schindluder“ mit seinen Worten: „Die Welt ist wie ein betrunkener Bauer: Hebt man ihn auf einer Seite in den Sattel, so fällt er auf der anderen wieder herab.“  

Die vierte Szene gestaltete Pfarrer Udo Neuse mit einer Solodarbietung in der Rolle als kommerzieller Werbefachmann für „Luther-Souvenirs“, wie sie im Vorjahr bis zum Rande der Geschmacklosigkeit kreiert worden waren. Neuse bezeichnet seine Lutherartikel als „wunderbare Wegbegleiter“: Luther als Schlüsselanhänger („Auf Luther hoffen, macht jede Türe offen“), Luther-Basecap, Luther-T-Shirt und Luther-Flip-Flops („Luther zum Gruß, von Kopf bis zum Fuß“) oder Lutherkekse, Lutherbrot, Lutherschokolade, Lutherhonig, Luthersenf. Dann erinnerte Neuse an das kommende Weihnachtsfest: „Auch beim Verschenken an Martin Luther denken.“ Als Highlight preist er schließlich Luther-Räuchermännchen und Luther-Quietschenten für die Badewanne an. Luthers himmlischer Kommentar, ehe er auf die Erde zurückkehrt, dazu: „Gute Nacht, liebes Deutschland.“  

Zum Abschluss erhielten alle Mitwirkenden aus den Händen von „Luther“ Klaus Werner, der auch alle Texte verfasst hatte, unter langanhaltendem Applaus der Kirchenbesucher eine Flasche „Lutherwein“. Der Abend fand seinen Abschluss mit einem Suppen-Buffet für alle Kirchenbesucher.   

      

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