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Eine Geste der Freundschaft

WIESENTAL. Das Foto zeigt Bürgermeister Michael Merle und Víta Červenka bei der Übergabe des Gastgeschenks. Text + Fotos: win

AUSSTELLUNG – „Das Tepler Land im Spiegel der Zeit“ am Wochenende im Gemeinschaftshaus Wiesental

WIESENTAL (win). Die Zeit zwischen 1930 und 1950 war nicht leicht, weder für die Deutschen noch für die Tschechen. Daran erinnert die Ausstellung „Das Tepler Land im Spiegel der Zeit – 1930 bis 1950“, für die der Tepler Historiker Ludvik Poláˇcek historische Dokumente und Fotos zusammengetragen hat. 

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 25. Oktober im Dorfgemeinschaftshaus von Wiesental war eine kleine Delegation aus Tepl angereist, die von Wiesentals Ortsvorsteherin Sabine Rotermund herzlich begrüßt wurde. Leider fehlte der erkrankte Bürgermeister Karel Hermann, dessen Grußworte Víta Červenka stellvertretend überbrachte. Für die deutsch-tschechische Verständigung sorgte in bewährter Weise die Dolmetscherin Vera Míková. 

WIESENTAL. Feierlich wurde die Ausstellung im Dorfgemeinschaftshaus Wiesental gemeinsam mit den Gästen aus Teplá eröffnet. Foto: win

Die Ausstellung sei eine Geste der Freundschaft betonte der Butzbacher Bürgermeister Michael Merle und ließ in seiner Ansprache die deutsch-tschechische Freundschaft noch einmal Revue passieren, die vor 65 Jahren mit der Übernahme einer Patenschaft ihren Anfang nahm. Poláˇcek begann seine Rede zunächst auf Deutsch, bevor Dolmetscherin Míková weiter übersetzte. Poláˇceks Motivation für ein solches Zeitzeugnis ist es, die Menschen an seinen sorgsam zusammengetragenen Bildern und Dokumenten teilhaben zu lassen; auch diejenigen, die zu dieser Zeit noch nicht geboren waren. Die Geschichte solle nicht in Vergessenheit geraten und durch die Erinnerung an sie dazu beitragen, aus ihr zu lernen. „Das Schicksal um die gemeinsame Heimat verbindet Tschechen und Deutsche. An der Geschichte können wir nichts ändern, aber wir können aus ihr lernen und dazu beitragen, dass sie nicht in gerät und sich nicht wiederholt.“

Teplá wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1918 Teil der Tschechoslowakei, dann 1938 durch das Münchner Abkommen ins Deutsche Reich eingegliedert und Sitz des deutschen Landkreises Tepl, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Im Mai 1945 besetzten amerikanische Truppen für kurze Zeit die Stadt, die wieder Teil der Tschechoslowakei wurde. Die amerikanische Militärregierung übergab Teplá dann an vorrückende sowjetische Besatzungstruppen. 

Zwischen März und September 1946 erfolgte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Tepl. Viele Vertriebene kamen nach dem Verlust ihres gesamten Hab und Gutes mit dem Zug nach Butzbach und Umgebung und blieben hier in der Wetterau. Auch in Wiesental gibt es heute noch einige wenige Tepler Nachfahren. 

Die Bilder wirkten auch ohne viel Text, seien sachlich und wertfrei in ihrer Darstellung, schildert Christine Borchers-Fanslau, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, ihre persönlichen Eindrücke. Das historische Material ermögliche, sich mit der bewegenden Geschichte auseinanderzusetzen. Die Ausstellung kann noch am kommenden Wochenende von 10.00 bis 17.00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Wiesental, Josef-Singer-Weg 2, besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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