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BUTZBACH. Zu einem Ortstermin mit einem Vertreter der Bahn trafen sich gestern Landwirte, Stadtverwaltung und Bürgermeister Michael Merle an der laut einem Gutachten beschädigten Brücke in Griedel. Text + Foto: thg

GUTACHTEN – Begrenzte Belastbarkeit der Bahn-Brücke in Griedel schneidet Bauernhöfe vom Verkehr ab

BUTZBACH (thg). „Es sind Existenzen bedroht“, sagte Bürgermeister Michael Merle gestern Mittag in einem Ortstermin an der Eisenbahnbrücke nahe des Griedeler Waldes, die nach einem Gutachten der Bahn nur noch von Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht bis zu 2,8 Tonnen befahren werden darf. Mit dabei war ein Vertreter der Bahn, der nur vertretungsweise anwesend war und ansonsten für Brücken in Südhessen und Bayern zuständig ist. Erst in letzter Minute hatte er Gelegenheit, das Gutachten einzusehen. Allerdings sei noch eine zweite Untersuchung abzuwarten, nach der über die Maßnahme an der Brücke entschieden werde. 

Betroffene Landwirte, Florian Dangel vom Kreisbauernverband, Vertreter von Stadtverwaltung und Magistrat waren ebenfalls anwesend. Die Landwirte machten deutlich, dass sie wirtschaftliche Einbußen erleiden würden, sollte die Brücke auf das 2,8-Tonnen-Maß begrenzt werden. Zwei Höfe würden damit vom direkten Weg in Richtung Griedel abgeschnitten. Umwege von fünf bis sieben Kilometer sowie Zeitverluste müssten in Kauf genommen werden, etwa um die 50 Tiere zu versorgen, die jenseits der Bahnlinie in Richtung Griedel weiden – und das zweimal am Tag. Hinzu kommen Landwirte, die Flächen in dem dann abgetrennten Bereich bewirtschaften und keine Möglichkeit mehr hätten, von Griedel aus bergauf in Richtung Wald zu fahren. Auch Holzlaster, die aus dem Markwald Stämme abholen, müssten andere Wege nehmen. Für die Landwirte stellt sich zudem das Problem, dass etwa mit Mähdreschern auch mögliche Umfahrungen Gefahren bergen. 

Merle plädierte dafür, angesichts der Haltung der Bahn die Planung für einen eventuellen Ausbau von Umleitungswegen aufzustellen. Stadt und Betroffene sollten zusammen darüber beraten, die Tiefbauabteilung hat bereits das Wegenetz daraufhin angesehen. Kommende Woche soll ein gemeinsamer Termin stattfinden. 

Bauernverbands-Vertreter Dangel sieht aus juristischer Sicht die Bahn in jedem Fall in der Pflicht, die Verbindung wiederherzustellen. Alle Verluste der Landwirte und auch die Kosten, die der Stadt aus der Sperrung entstehen, sind nach seiner Auffassung von der Bahn zu tragen. 

Der Bahn-Vertreter – eine Namensnennung soll nach Unternehmensvorschriften untersagt sein – berichtete, es handelt sich laut Gutachter um Schäden an den Widerlagern und im Spannbeton. Ein zweites Gutachten sei „angedacht“. Damit soll geklärt werden, ob im Anfang der 60er Jahre gebauten Viadukt ein Stahl verbaut wurde, der Korrosionen aufweisen könnte, weil dies an anderem Bauwerken der Fall sei. Solange dies nicht geklärt ist, sei die Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht „alternativlos“. Auch wenn die – von der Stadt bestellten – Schilder noch nicht aufgestellt seien, gelte die Reduzierung der Last ab sofort. Eine Verengung der Fahrbahn könnte – falls notwendig – folgen. „Es könnten Stücke von der Brücke abplatzen, darunter fahren Züge mit 140 Stundenkilometer“, machte der Bahn-Mitarbeiter die Gefahr deutlich. Gerd Oehlenschläger von der Stadtverwaltung fügte an, dass die Untersuchung die Empfehlung enthalte, einen Ersatzneubau zu errichten. Aus früheren Arbeiten an der Bahn sei mit drei bis zu fünf Jahren Vorlauf zu rechnen.

Bürgermeister Merle ärgerte sich darüber, dass in einem Termin mit Bahn-Vertretern zu einer maroden Überführung in Kirch-Göns kein Wort über die Griedeler Brücke verloren worden sei, obwohl das Gutachten schon vorgelegen haben dürfte. Zusammen betrachtet mit der bereits sanierten Stautzert-Brücke wundere ihn die „merkwürdige Zusammenballung“ schadhafter Brücken in Butzbach. Die Stadt wolle nicht weiter Bahn-Brücken übernehmen. Er forderte von der Bahn die Herausgabe früherer turnusgemäßer Überprüfungen der Brücke, um festzustellen, ob so massive Schäden nicht schon früher hätten bekannt sein können. Als weitere Schwierigkeit nannte Merle, dass auch Feuerwehr oder Rettungswagen bei der Einschränkung nicht mehr auf direktem Weg die beiden betroffenen Höfe erreichten. 

Um die Sache zu beschleunigen, will die Stadt selbst noch einmal mit anderen Bahn-Stellen das Gespräch suchen. Für eine schnellere Lösung der Brücken-Problematik brachte Stadtrat Dieter Söhngen Dr.-Ing. Franz-Michael Jenisch ins Spiel, der auch zuletzt die Brücke über die Kleeberger Straße unter die Lupe genommen hatte. Eine Behelfsbrücke über das Bauwerk zu legen, dürfte nur schwer möglich sein. Merle erklärte, dass für den Wegeausbau dann auch finanzielle Mittel im Haushalt bereitgestellt werden müssten, der am 29. April verabschiedet werden soll. 

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