125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Münzenberg
30. Mai 2018
Musik, Gastronomie, Familientag
30. Mai 2018

Energie für neue Ausdrucksformen

Foto: win

KONZERT – Auftakt zur Reihe Abendmusik in der Komturkirche mit Werken von Reger und Beethoven

NIEDER-WEISEL (win). Die Konzertreihe „Abendmusik in der Komturkirche“, in der exquisite Kammerkonzerte mit außergewöhnlichen Künstlern zu hören sind, startete am Samstag in die sechste Saison. Pfarrer Jörg Fröhlich von der evangelischen Johannitergemeinde begrüßte die zahlreichen Gäste zur 16. Abendmusik, die von der Gruppe „Klarinette und Streicher“ des Hessischen Rundfunks mit musikalischem Leben gefüllt wurde. Akemi Mercer-Niewöhner und Nadine Blumenstein (Violine), Ingrid Albert (Viola) und Maja Schwamm (Violoncello) sowie Ulrich Büsing (Klarinette) interpretierten Werke von Ludwig van Beethoven und Max Reger. 

Ingrid Albert gab zu Beginn der jeweiligen Stücke einen kurzen Einblick in das Leben und Wirken der Komponisten. Sie zitierte aus dem Heiligenstädter Testament, einem Brief Beethovens aus dem Jahr 1802 an seine Brüder Kaspar Karl und Johann, in dem er seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückte. 

Der Entstehungsprozess des Opus 18 wurde eng von Joseph Haydn begleitet, der die Gattung Streichquartett in den Jahrzehnten zuvor überhaupt erst etabliert und perfektioniert hatte. Äußerlich betrachtet folgen Beethovens Quartette zwar dem viersätzigen Formmodell seines Lehrers, doch die stark ausgeprägte Klangsprache lässt bereits erahnen, mit welcher Energie dieser junge Tonsetzer nach neuen Ausdrucksformen suchte. Das letzte Quartett aus dieser Serie in B-Dur, das zwischen April und Sommer des Jahres 1800 entstand, entführte die Zuhörer mit dem Allegro con brio, Adagio, ma non troppo, Scherzo und Allegro La Malinconia Adagio – Allegretto quasi Allegro in die energiereiche Klangwelt. 

Die innovative Musik Max Regers ist keine Alltagskost. Sie ist anspruchsvoll und stellt für Musiker wie Zuhörer eine Herausforderung dar. Das Klarinettenquintett A-Dur, op. 146 (Moderato ed amabile, Vivace – Un poco meno mosso, Largo und Poco allegretto) ist sehr dicht und komplex, mit ständigen harmonischen Veränderungen, schwierig zu spielen und zu hören. Nicht pathetisch und rebellisch, sondern elegisch und abgeklärt wirkt die Tonsprache dieses harmonisch an den Grenzen der Spätromantik wandelnden Kammermusikwerkes. 

Albert zitierte aus einem Eichendorff-Gedicht, das die Stimmung des Komponisten widerspiegelte. Reger habe nie so richtig aus dem Schatten seiner Zeitgenossen heraustreten können, erläuterte sie. Mit seinem im Sommer 1915 begonnenen Klarinettenquintett besann sich Reger auf seine Vorbilder Mozart und Brahms, deren Werke in dieser Gattung er besonders schätzte. Das motivisch dicht gefügte und melancholische Quintett sollte Regers letztes Opus werden. Kurz nachdem er es an seinen Verleger geschickt hatte, erlag er im Mai 1916 einem Herzschlag.

Beeindruckt von der Virtuosität der Musiker belohnte das Publikum die Akteure für den perfekten Vortrag dieser technisch anspruchsvollen Stücke mit viel Applaus und verlangte sogleich nach einer Zugabe. Das Ensemble spielte einen argentinischen Tanz von Alberto Ginastera, der zu den wenigen Komponistenpersönlichkeiten Südamerikas zählt, die auch international großes Ansehen genießen. Traditionell bestand beim anschließenden Umtrunk vor den Toren der Kirche Gelegenheit, das eindrucksvolle Konzert nachwirken zu lassen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Die nächste Abendmusik findet am 30. Juni statt. 

Es können keine Kommentare abgegeben werden.