Energiesparen bei sich selbst beginnen

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Energiesparen bei sich selbst beginnen

BUTZBACH. Überaus großen Zuspruch fand der Vortrag von Professor Dr. Dr. Joachim Treusch im Bund für Volksbildung zur Thematik „Klima – Versuch einer redlichen Bilanz“. – Faktenreich, engagiert und detailliert legte Professor Dr. Dr. Treusch (r.) seinen „Versuch einer redlichen Bilanz“ in der Klimaproblematik dar. Text + Foto: dt

Professor Dr. Dr. Joachim Treusch fordert im Bund für Volksbildung, Klimarettung optimistisch anzugehen

BUTZBACH (dt). Im Rahmen der Vortragsreihe des Bundes für Volksbildung war am Mittwoch – wie alljährlich – wieder Professor Dr. Dr. hc. mult. Joachim Treusch in seine einstige Heimatstadt Butzbach gekommen. Der in der Vergangenheit mit zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen für sein wissenschaftliches Wirken bedachte 79-jährige Physiker und Wissenschaftsmanager, der 1997 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhalten hatte, informierte in seinem Vortrag im katholischen Gemeindehaus umfassend und fundiert zur Thematik „Klima – Versuch einer redlichen Bilanz“.  

Dass es auch diesmal wieder ein „Highlight“ werden würde, kündigte BfV-Vorsitzende Claudia Rancke bei ihren einführenden Worten an, mit denen sie Treusch dem vollbesetzten Plenum vorstellte. Treusch startete seinen Bild-Vortrag mit den Fotos von drei namhaften Protagonisten. Zu einem Foto von Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte er, dass die Politik sich in der Klimaproblematik „beunruhigend gelassen“ zeige, zum Foto von US-Präsident Donald Trump falle ernsthaften Klimaforschern nicht mehr als Kopfschütteln ein, während das dritte Foto – das von Greta Thunberg – „betroffen macht über die Unerschrockenheit“ dieses Mädchens, das die Welt aufgerüttelt habe. Treusch ging von einem Artikel aus, den er an diesem Morgen in der aktuellen BZ gelesen hatte. Dort wurde gemeldet, dass im Jahre 2019 „nur“ 33 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus Energienutzung weltweit in die Luft geblasen worden seien und somit habe sich der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht.  

„Wovon lebt der Mensch?“, fragte der Referent. Aus individueller Sicht benötige jeder existierende Mensch für sich täglich 100 Watt – 20 Prozent davon für sein Gehirn und 80 Prozent für seinen Körper. Dieser Energieverbrauch werde jedoch erheblich gesteigert, weil wir „gut leben“ wollten. Und hier ergebe sich zwangsläufig ein Einsparpotential. Später in der Fragerunde sah Treusch da einen wichtigen Ansatz, weil jeder einzelne bei sich mit dem Einsparen von Energie beginnen könne. 

Von den acht Planeten in unserem Sonnensystem sei Leben – aufgrund der vorherrschenden Bedingungen – nur auf der Erde möglich. Der Gehalt von Kohlendioxid in der Atmosphäre habe zunächst natürliche Ursachen, dazu addiere sich dann das vom Menschen verursachte CO2. So entsteht der oft zitierte „Treibhaus-Effekt“, wobei – schematisch erklärt – die Erdoberfläche von der kurzwelligen Sonneneinstrahlung erwärmt wird. Die Fläche reflektiert die einfallende Strahlung anschließend als langwellige Wärmeausstrahlung. Das natürliche Gleichgewicht zwischen Ein- und Abstrahlung wird von dene von einer wachsenden Weltbevölkerung verursachten Treibhausgasen – wie CO2 – jedoch massiv gestört. Dies führt zu einer ansteigenden Erwärmung der Erdoberfläche mit massiven Folgen für den Menschen in den Bereichen Energie, Verkehr, Gesundheit und Ernährung und sei damit ein wichtiges Thema für die Weltpolitik und letzten Endes den Frieden in der Welt. Im Jahr 2050 sei von 9,5 Milliarden Menschen auf der Erde auszugehen, wovon zwei Drittel in Städten leben würden. Dies sei ein weiterer Faktor für eine Steigerung des Energieverbrauchs mit entsprechenden Emissionen. Weltweit erfolge pro Jahr ein Anstieg der Emissionen um zwei Prozent. An der Spitze lägen China, USA, Indien, Afrika und die EU auf Platz fünf.  

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft habe in einer Studie 1985/86 vor einer steigenden CO2-Freisetzung gewarnt, die das Magazin „Der Spiegel“ zu einer Titelgeschichte verwendet habe. Der Energieverbrauch in Deutschland speise sich aktuell zu unter zehn Prozent aus erneuerbaren Energien. Die Angabe von Werten über 30 Prozent beruhe lediglich auf dem Anteil an der Stromerzeugung, betonte Treusch. Unstrittig sei, dass in der Praxis zwei Systeme zur Stromerzeugung notwendig seien. 

Im letzten Teil seines Vortrags stellte Treusch die Frage: „Was können wir, was kann die Politik tun?“ Beispielsweise müssten alle umweltschädlichen Subventionen auf den Prüfstand wie der Flugverkehr, das Dieselprivileg, die Entfernungspauschale, die Dienstwagen-Begünstigung, die Land- und Forstwirtschaft und das Bau- und Wohnungswesen. Ein wichtiger Faktor sei der Weg in die Schulen, wo von jungen Menschen Nachhaltigkeit erlernt werden müsse. „Wir müssen die Klimaproblematik der Unlösbarkeit entkleiden,“ forderte Treusch, sie sei ein „unglaublich politisch wichtiges Problem“. Er sei „trotzdem optimistisch“.     

In der Fragerunde wurde die Problematik der Kernenergie angesprochen, die in den Nachbarländern – wie beispielsweise in Frankreich – weiter intensiv verfolgt werde. Generell müsse unser Wirtschaftssystem auf den Prüfstand. Als „extrem verdienstvoll“ bezeichnete Treusch das Klimaprogramm der Stadt Butzbach, wobei die Bevölkerung mitmachen müsse. „Wir müssen lokal anfangen und dürfen nicht auf die große Politik warten“, unterstrich Treusch.  

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