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Entzückt, wenn es deftiger wird

Foto: win

KLEINKUNST – Live in Butzbach / „Maddin“ Schneider beweist im Capitol: Denke macht Koppweh

BUTZBACH (win). Mit der Publikums-Premiere seines neuen Programms „Denke macht Koppweh“ war Comedian Martin „Maddin“ Schneider am Mittwoch im Capitol bei Live in Butzbach zu Gast. Der mittelhessische Komiker gewährte dem Publikum dabei im gut gefüllten Kino einen freien Blick in sein Oberstübchen. 

Nicht zum ersten Mal ist der Meister des ausgehängten Unterkiefers in Butzbach. Denn: „Wer nach Butzbach kommt, hat’s geschafft“, stellte er fest und schäkerte fröhlich mit dem Publikum: „Es sind genau die Leut‘ heut Abend gekomme, die ich sehe wollt.“ 

In Maddins Oberstübchen tummeln sich die aberwitzigsten Gedanken, an denen er die Zuschauer teilhaben lässt. Zum Beispiel am „Ich-hab-ein-an-de-Waffel“- Gedanken, bei dem er sich dauernd fragt, „Hab ich den Herd noch an?“. Dies habe ihn letztlich am Heiraten gehindert, obwohl er gar keinen Herd hat. Oder der „Linke-Fuß-Aufwach“-Gedanke, bei dem sich alles darum dreht, dass der Gelbe Sack raus muss. Schon verrückt, was einem den lieben langen Tag bis in die Nacht hinein so durch den Kop geht. 

Er erinnerte an die Zeit, als es noch Säbelzahntiger rund um Butzbach gab. Da hätten die Männer Mammuts gejagt, die Höhlen waren offen. Und während sie auf der Jagd waren, hätten sie sich die ganze Zeit gefragt, ob der Säbelzahntiger in die Höhle eindringt – und dann war’s das mit der Familie. Der klassische „Haustür-Hau“, den es in moderner Form auch heute noch gibt. 

Was tun, wenn man in „babbische Gedanke“ festklebt? Maddin hat Tipps, wie man zum Beispiel negative Gedanken einfach wegföhnen kann. Oder besser noch: Weglachen. Dennoch machte er sich ernsthafte Gedanken darüber, was sich de Kopp fürn Käs ausdenkt. Mit seinem eigenen Kopf habe er über den „Wörscht Käs“, übrigens ein uraltes Hessisches Wort, nachgedacht: „Warum denken alle immer nur schlecht? Davon bekäme er manchmal Brüllgedanken. Gegen die helfen Gänseblümchenwiesen, weiß er. 

Beim Angriff auf das Zwerchfell des Publikums wurden im Laufe des Abends immer wieder die Gäste in der ersten Reihe miteinbezogen, die sich bereitwillig auf die Späße einließen. „Das wird ein ernster Vortrag heute Abend. Wer lacht, fliegt raus!“, versprach er und erntete dafür schallendes Gelächter. Maddin griff tief in die Klamaukkiste, und die eingefleischten Fans amüsierten sich prächtig. Das Kopfkino ratterte bei seinen phantasievollen Schilderungen um Hefeteig, eingefrorene Mäuse und ebensolche Quetschen. Da herrsche akute Verwechslungsgefahr: „Mäuse aufm Quetschekuche. Mit Streusel geht’s“, heizte er die Stimmung weiter an. 

Sehr plastisch waren seine Schilderungen über in der Nase bohrenden Frauen, die er total erotisch findet. Außer sie schnarchen so abartig wie seine Ex-Freundin, die Jumbo-Pia. 

Was wäre Maddin ohne seine „Omma“. Die backt nicht nur „furztrockene Riwwelkuche“, sondern hat auch jede Menge weiser Sprüche im Repertoire. „Man kann sich drehe so viel man will, man hat de Arsch immer hinne“ – oder „Brennt der Arsch, beruhigt sich der Kopp“ – zwei von vielen Lebensweisheiten der Omma, die Maddin „ohne Ernst“ zum Besten gab. Überhaupt schienen die Zuschauer besonders entzückt, wenn es etwas deftiger wurde, etwa bei der Zugabe, einem blubbernden Besuch in der Sauna nach üppigem Zwiebelkuchen-Genuss, der dann im „Wörl-Puhl“ in einer ausgewachsenen Katastrophe endete. 

Beim anschließenden Treffen mit dem Künstler im Foyer hatten die Zuschauer noch einmal richtig Spaß, bevor sie nach heiteren, unbeschwerten Stunden nach Hause gingen. 

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