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Erfolgsstory einer Weltmacht

BUTZBACH. Äußerst informativ, unterhaltsam und beeindruckend: Professor Dr. Joachim Treusch skizzierte umfassend „China – das Reich der Mitte auf dem Weg zur Weltmacht“ am Mittwochabend im Bund für Volksbildung. Text + Foto: dt

VORTRAG – Professor Dr. Joachim Treusch referiert im Bund für Volksbildung über China 

BUTZBACH (dt). „China – das Reich der Mitte auf dem Weg zur Weltmacht“, der eigentlich irgendwie auch ein „Rückweg“ zu alter ehemaliger historisch-kultureller Größe sei. Das stellte Professor Dr. Joachim Treusch zu Beginn seines Vortrags fest. Der Referent, der familiäre Wurzeln in Butzbach hat, kommt alljährlich aus Bremen zu Vorträgen mit wechselnden Themenstellungen in seine Heimatstadt. 

Am Mittwochabend vermittelte er seinen zahlreich erschienen Zuhörern im katholischen Gemeindehaus ein Bild Chinas – historisch, kulturell, ökonomisch, technologisch und weltpolitisch. Und dies tat er auf äußerst informative, unterhaltsam-beeindruckende Weise mit einem umfassenden Blick auf das Reich der Mitte, beginnend 2200 v. Chr. bis zur Gegenwart, wobei er danach – aus seiner Sicht und Einschätzung – auch seinen Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen in China richtete. Zwischen 1975 und 2013 hatten ihn mehrere Reisen nach China geführt.  

Neunzig Prozent der chinesischen Bevölkerung lebten aktuell in den Millionenstädten in der Ostregion. Im Jahr 2012 habe mit dem studierten Juristen und Historiker Xi Jinping erstmals ein Mann aus der jüngeren Generation den Vorsitz der chinesischen kommunistischen Partei und das Präsidentenamt übernommen. Sein Machtvolumen gründe sich auf drei Faktoren: die Partei, das Militär und den offiziellen Staat. China habe aktuell 1,386 Milliarden Einwohner. Gemeinsam mit den Bürgern in der EU verfügten die Chinesen über die höchste Kaufkraft in der Welt. Im Oktober werde mit dem „Beijing New International Airport“ in der Hauptstadt der größte Flughafen der Welt eröffnet mit einer künftigen jährlichen Kapazität von 100 bis 130 Millionen Passagieren. Im Verkehrswesen sei China im Hinblick auf die Elektromobilität – Busse und Pkw – deutlich weiter entwickelt als andere Länder.  

Treusch gab eine historische Übersicht über Chinas Geschichte. Früh habe es bereits Kalender, die Schrift, Maße, Gewichte, eine Verwaltung mit staatlichen Beamten und das Handwerk gegeben. Geprägt sei das gesamte Leben gewesen durch die Lehren von Laotse (6. Jahrhundert v. Chr.) und Konfuzius (551–479 v. Chr.). Laotse habe im menschlichen Leben philosophisch den Weg über das Ziel gestellt, und Konfuzius habe erkannt und festgestellt: „Um zur Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.“ Im Verlauf der Han-Dynastie (um Christi Geburt) sei der Konfuzianismus in China offiziell zur Staatsreligion proklamiert worden.

Treusch stellte fest, dass China in westlichen Augen stets als eine friedliche Nation gegolten habe, da es nie Kriege nach außen geführt, sondern sich immer nur gegen Eindringlinge gewehrt habe; allerdings ergebe sich beim Blick auf interne Auseinandersetzungen im Land ein anderes Bild. So habe China im 18. Jahrhundert durch die Eroberung von Tibet, die Mongolei und Xinjiang seine Bevölkerung auf 300 Millionen verdoppelt. Das 19. Jahrhundert sei geprägt gewesen vom Opiumkrieg, dem chinesisch-japanischen Krieg und vom Boxeraufstand. 1911 sei unter Sun Yat-sen (1866–1925) die Republik gegründet worden. 

Mit der legendären Figur des Mao Zedong (1893–1976) habe in der Folge ein Kommunist sowjetischer Prägung die politische Bühne in China und später die der Weltpolitik betreten. Nach dem „Langen Marsch“ im Bürgerkrieg 1934 auf der anfänglichen Flucht vor den Truppen von Chiang Kai-shek, vertrieb Maos „Rote Armee“ –nach zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg um die politische Führung – Chiang-Kai-shek mit seiner Armee nach Taiwan. Mao gründete 1949 die Volksrepublik China. 1958 bis 1961 verordnete Mao den revolutionären „Großen Sprung“, mit dem der wirtschaftliche Rückstand zu den westlichen Staaten aufgeholt werden sollte. Es folgte mit der „Großen Kulturrevolution“ (1966–1976) eine weitere von Mao verordnete Initiative. 

Beide Kampagnen hätten zahllosen Menschen das Leben gekostet. Von diesen Opfern sei aber heute, wenn Mao weiter verehrt werde, nirgendwo mehr die Rede. Nachfolger Maos wurde Deng Xiaoping (1904–1997), der die immense Bedeutung von Bildung, Forschung und Entwicklung für das Land erkannte und Großinvestitionen initiierte. So gebe es heute in China 41,9 Millionen Studenten. Das Land habe sich teilweise geöffnet und in der Folge auf den Weg zu einer Weltmacht gemacht.

Die Entwicklung habe jedoch ihre Schattenseiten. Diese seien ein seit wenigen Jahren festzustellender Wirtschaftsrückgang, die Problematik des Zusammenhalts des Landes im Zusammenhang mit der Verwaltung der Grenzgebiete, die Wassernot (Verschmutzung, zu intensive Ressourcen-Nutzung), Probleme mit Ernährung, Energienutzung, und Luftverschmutzung durch Industrie und Verkehr und die Bevölkerungsentwicklung (massiver Männerüberschuss, Überalterung, verschuldet durch die ehemalige „Ein-Kind-Politik“). Dazu komme die massive Urbanisierung mit mittlerweile 150 Millionenstädten, darunter 15 Megastädten mit mehr als 260 Millionen Einwohnern. Beispielsweise wachse Shanghai alle zwei Jahre um die Einwohnerzahl von Bremen. Weiter öffne sich – bei jetzt 700 000 Dollarmillionären und 350 Dollarmilliardären im Lande – die „soziale Schere“ fortlaufend, und die Korruption sei allgegenwärtig. Keinen Zweifel gebe es daran, dass China ein Überwachungsstaat sei, der seine Bürger spürbar unter Druck setze. 

Als Weltmacht müsse China heute keine Kriege führen. Es sei jedoch mehr oder weniger in Wirtschaftskriege – verbunden mit einer besonderen Art von Handelsimperialismus – verwickelt; das Land kaufe beispielsweise in der gesamten Welt wirtschaftliche Anteile an großen Seehäfen und habe bei seinen expandierenden wirtschaftlichen Interessen besonders Afrika im Fokus. 

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