Erster Spatenstich für Baugebiet auf historischem Boden in Ostheim

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Erster Spatenstich für Baugebiet auf historischem Boden in Ostheim

BUTZBACH. Das Foto zeigt beim Spatenstich in Ostheim (v.l.) Projektleiterin Friedericke Dietrich von Inikom, Reinhard Gösser, technischer Leiter beim Bauunternehmen Hinterlang, Helge Hessler vom Planungsbüro Zick-Hessler und Büro Fischer, Inikom-Geschäftsführer Heiner Geißler, Bürgermeister Michael Merle, Thorsten Rausch vom Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung Butzbach, Stadtrat Dieter Söhngen und Ortsvorsteherin Ute Engel. Fotos: thg

Inikom schafft 30 Bauplätze / Archäologische Grabungen lassen besondere Funde erwarten

OSTHEIM (thg). 30 neue Bauplätze entstehen in Ostheim zwischen der Kreisstraße und „Am Weidweg“. Gestern fand der symbolische erste Spatenstich mit Vertretern von Entwickler, beteiligten Unternehmen und Stadt Butzbach auf dem Gelände statt. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr sollen die Bauherren mit den Arbeiten beginnen können. 

Davor haben aber die Archäologen das Wort, und es zeichnet sich bereits ab, dass sie fündig werden und dabei durchaus Besonderheiten zutage fördern könnten. Das berichtete Dr. Thomas Birndorfer. Er ist Grabungsleiter von „Wissenschaftliche Baugrund Archäologie“. Nicht erst jetzt, auch schon in der Jungsteinzeit sei das Areal ein attraktiver Siedlungsstandort gewesen, sagte er. Die ersten Ackerbauern in Europa hätten sich auch in Ostheim niedergelassen. Siedlungsgruben, die teils Abfall enthalten wie Keramik oder Knochen, seien schon festgestellt worden. Sie seien entstanden, als die Menschen Lehm für den Hausbau benötigten. 

Bislang hat Birndorfer allein auf dem künftigen Straßenbereich im Baugebiet 80 Fundstellen ausgemacht. Beispielsweise Pfosten deuten auf die Hausgrundrisse hin. Nach einer Voruntersuchung, der so genannten geomagnetischen Prospektion, seien noch mehr Gruben dort und auch in der Nachbarschaft des Areals, dem zweiten Bauabschnitt, zu vermuten. Auch Gräber aus dem Mittelalter, etwa der Merowingerzeit, erwartet er zu finden. Im nördlichen Bereich sind Reste aus der Eisenzeit zu erwarten. Zwei Öfen, in denen Metall verhüttet worden sei, habe man schon ausgemacht. Wie lange die Grabungen dauern, sei derzeit noch nicht zu sagen. Vermutlich handele es sich um viele kleinteilige Funde, die in genauerer Arbeit und nicht mit dem Bagger freigelegt werden könnten. Alles erfolgt in Absprache mit der Kreis- und Landesdenkmalpflege. 

Geschäftsführer Heiner Geißler von Inikom, der mit seinem Unternehmen schon in Nieder-Weisel Erfahrungen mit bedeutenden archäologischen Funden gemacht hat, betonte, dass das gemacht werde, was notwendig sei. Inikom übernehme die Kosten für die archäologischen Arbeiten insgesamt und lege sie dann auf die Bauherren um. So müsse auch nicht jeder nach Ende der Erschließung und bei der Bebauung seines Grundstücks selbst tätig werden. Der Quadratmeterpreis für die Bauplätze beträgt 279 Euro. Inikom investiere 4,5 Millionen Euro, so Geißler. 400 Namen stünden bereits auf der Interessentenliste. Trotz schwieriger werdender Rahmenbedingungen auf dem Markt erwartet Geißler, dass die Bauplätze verkauft werden und dass auch der zweite Bauabschnitt mit weiteren 35 Parzellen entwickelt werde. 

Archäologen haben bereits zahlreiche Stellen im Baugebiet identifiziert, an denen noch gegraben wird. Text + Fotos: thg

Bürgermeister Michael Merle wies darauf hin, dass Ostheim unter anderem wegen des Bahnhaltepunkts ein attraktiver Wohnort sei. Der Bereich der Bauabschnitte stehe schon länger im Flächennutzungsplan. Die Stadt habe vorausschauend agiert und die Kita reaktiviert, Träger sei das evangelische Dekanat. 

Alle Beteiligten lobten die gute, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit, wobei Geißler die Verantwortlichen bei der Stadt um Ralph Miller und Cathrin Ferber vom Bauamt lobte – so gut wie in Butzbach laufe es nicht überall. Merle hob hervor, dass man im Dialog geblieben sei, unter anderem die Bevölkerung im Dorfgemeinschaftshaus informiert habe. Ortsvorsteherin Ute Stengel sagte, man habe immer einen gemeinsamen Nenner gefunden. 

Betriebsleiter Thorsten Rausch vom Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung Butzbach wies darauf hin, dass das Baugebiet eine Trennkanalisation von Regen- und Schmutzwasser erhält. Das örtliche Netz werde nicht belastet. Die „Vorflut“ sichere ein Graben auf der anderen Seite der Kreisstraße, was Mehrkosten für den Entwickler bedeute. 

Die Verbindung dorthin werde unter der Straße hindurch verlegt, erläuterte Helge Hessler vom Ingenieurbüro Zick-Hessler und Planungsbüro Fischer. Die 2100 Quadratmeter Straßenfläche würden teils mit Bürgersteig, teils als Mischfläche für „gleichberechtigte“ Verkehrsteilnehmer ausgeführt. 

Für die Zeit der Arbeiten wird eigens eine Baustraße mit Anschluss an die Umgehungsstraße geschaffen. Miller wies darauf hin, dass sie nur während dieser Zeit besteht. Ein bleibender Anschluss an die Kreisstraße sei behördlich nicht genehmigt worden. 

Geißler sagte, dass der Bauverkehr somit auch vom Kindergarten ferngehalten werden soll. Mit einer Spende von Inikom können die Kinder einen Rand-Blühstreifen anlegen, ferner können sie die Entwicklung verfolgen, und auch ein Baustellentag, an dem sich „jeder mal in den Bagger setzen darf“ sei vorgesehen. 

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