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Erstmals ist Butzbacher JVA-Leiter

Foto: pressestelle hmdij

VOLLZUG – Justizministerin verabschiedete Eugen Martz und führte Uwe Röhrig in sein Amt ein

BUTZBACH (thg). Mit Uwe Röhrig steht erstmals ein gebürtiger Butzbacher an der Spitze der Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Kleeberger Straße. Gestern fand in der Anstalt die Einführungsfeier für den Pohl-Gönser statt, der auf Eugen Martz folgt, der gleichzeitig feierlich verabschiedet wurde. Beider Wege haben sich im Vollzugsdienst immer wieder gekreuzt, mehrmals folgte Röhrig in Dienststellen auf seinen Vorgänger Martz. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann würdigte das bisherige Wirken der beiden Anstaltsleiter bei Anwesenheit ihrer Vorgänger Klaus Winchenbach und Jörg Peter Linke.  

In seinen 40 Jahren Dienstzeit habe Martz „alle Tiefen und Höhen des Vollzugs miterlebt“, sagte die Ministerin, die ihm kürzlich noch die Urkunde zum Dienstjubiläum überreicht hatte. Er habe die Chancen genutzt, um für Veränderung zu sorgen. Daher sei ihm auch die Leitung der Anstalt mit der höchsten Sicherheitsstufe in Hessen und den meisten Arbeitsplätzen – 200 Beschäftigte am Standort – anvertraut worden. Trotz schwierigster Klientel sei es gelungen, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten mit einer guten Kommunikation nach innen und außen, auch wenn dies „hinter den Kulissen viel Anstrengung gekostet“ habe. 

Martz habe zudem die entscheidenden Vorbereitungen für die Grundsanierung getroffen, so die Sanierung der Werkhofschleuse und der Außensicherung, die kurzfristig beginnen. Eine Herausforderung sei diesen „Bau am offenen Herzen“, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen. 

Diese Herausforderung werde Röhrig zu meistern haben, so Kühne-Hörmann. Sie hob hervor, dass Röhrig in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren die Stabsstelle „Netzwerk Deradikalisierung im Strafvollzug“ (Nedis) aufgebaut habe – ein in Deutschland einmaliges Projekt, das auch auf EU- und UN-Ebene Bekanntheit erlangt habe und sich gegen jeden Extremismus richte. Mit der Übernahme der Anstaltsleitung sei Kontinuität in Butzbach gegeben. 

Sicherheit sei bezogen auf die JVA „kein Thema in Butzbach, und das ist etwas Wertvolles“, kennzeichnete Bürgermeister Michael Merle den Status der Anstalt in der Stadt und die gute, kooperative und „geräuschlose Zusammenarbeit von Kommune und JVA. Die Leitung einer solchen Anstalt sei eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Wahrung der Menschenwürde und dem notwendigen Maß an Sicherheit zu handeln. 

Jörg-Uwe Meister als Vertreter der JVA-Leiter in Hessen, bescheinigte Martz ein gutes Gespür für die Bediensteten und ihre Belange und auch für ihre Leistungsbereitschaft. „Feiner Humor, Bescheidenheit, Teamfähigkeit, pure Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit“ waren einige Eigenschaften, die er aufzählte, zusammengefasst in den Worten eines langjährigen Mitarbeiters: „Eugen Martz – ein guter Junge.“ Dass Röhrig die Arbeit nahtlos weiterführe, sagte Meister voraus, und dass es so gut weitergehe wie unter seinem Vorgänger. Zudem sei Röhrig ein „guter Unterhalter“. 

In seinem Rückblick sagte Martz, dass er vor 40 Jahren nicht gedacht hätte, dass er einmal die JVA, in der er angefangen hat, leiten würde. Er habe vor der Wahl zwischen der Finanz- und der Justizvollzugsausbildung gestanden und seine Entscheidung nie bereut. Die Zeit in Butzbach sei schön gewesen, aber auch tragisch – bezogen unter anderem auf Suizide oder Angriffe auf Bedienstete – und oft anstrengend. Er freue sich, nun mehr Zeit für die Familie zu haben. Hinsichtlich der Generalsanierung der JVA habe er sich gewünscht, noch ein gutes Stück weiter voranzukommen. 

Röhrig, der in Butzbach seine Laufbahn begann, sagte, dass sich der Kreis nun nach 39 Jahren schließe. Dass sein Weg ihn so weit führen würde, habe er damals nicht erwartet. Die kommende Sanierung im laufenden Betrieb werde die Kraft aller erfordern. Alle müssten an einem Strang ziehen. 

Der stellvertretende Anstaltsleiter Siegfried Britze hatte die Gäste aus Justizvollzug, Verwaltung und Politik begrüßt. Stephan Geiger umrahmte die Veranstaltung mit dem Saxofon musikalisch. 

*

Martz, Jahrgang 1958, verheiratet, ein Sohn, nahm im Anschluss an seine Ausbildung im hessischen Justizvollzug im Jahr 1981 seine Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt Darmstadt auf. Daran schlossen sich vielfältige Aufgaben im Justizvollzug an. Ihm war die Leitung verschiedener JVA anvertraut, unter anderem Limburg und Frankfurt am Main III. Seit 1. Mai 2013 war er Leiter der JVA Butzbach und ging Ende vergangenen Monats auf eigenen Wunsch in den Ruhestand.

Röhrig wurde am 5. Juni 1960 geboren, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. 1979 begann seine Laufbahn im hessischen Justizvollzugsdienst in Butzbach als Inspektoranwärter. 1982 wurde er an die JVA Frankfurt am Main II (Hoechst) versetzt. 1985 folgte die Versetzung an die JVA Rockenberg als Sicherheitsdienstleiter. Von 1997 bis 2002 war er Leiter der JVA Limburg. Zwischen 2005 und 2009 arbeitete er als Leiter des „Verwaltungs-Competence-Centers“ Mittelhessen. Danach war er Leiter der JVA Frankfurt IV, ab April 2016 arbeitete er als Leiter der Stabsstelle „NeDiS“ (Netzwerk Deradikalisierung im Strafvollzug) im Justizministerium.

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