Erwin Glaum arbeitet in Heimatheften 200 Jahre Oberkleener Geschichte auf

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Erwin Glaum arbeitet in Heimatheften 200 Jahre Oberkleener Geschichte auf

OBERKLEEN. Erwin Glaum (l.) und Hans-Gerhard Stahl präsentieren die acht Oberkleener Heimathefte.Foto/Repro: ikr

Acht Hefte liegen vor, Band 9 beschäftigt sich mit Freiwilliger Feuerwehr zum 90-jährigen Bestehen

OBERKLEEN (ikr). „Über Oberkleen war aus den vergangenen 100 bis 200 Jahre nicht viel bekannt“, sagt Erwin Glaum. Nach der Gründung des Heimat- und Geschichtsvereins Oberkleen (HGO) im Jahr 2010 änderte sich das: Glaum, gebürtiger Oberkleener, der im vergangenen März seinen 95. Geburtstag feierte, machte sich ans Werk und schrieb das erste Oberkleener Heimatheft. Weitere folgten. Das achte und bisher letzte Heft erschien vor zwei Jahren. Alle beschäftigen sich mit der Geschichte des Ortes Oberkleen und sind in ihrer Gesamtheit eine Enzyklopädie über das Dorf am Kleebach.
Glaum erinnert sich: „Nachdem mich ein guter Bekannter zu den Sitzungen des HGO eingeladen hatte, beschloss ich, die Geschichte meines Heimatortes zu erforschen und zu dokumentieren.“ Ihm zur Seite stand HGO-Mitglied Hans-Gerhard Stahl, der federführend für das Layout zuständig war.

Begonnen hat alles im Jahr 2010 mit dem ersten Heft, in dem Glaum über die im Gemeindegebiet ehemals vorhandenen acht Kalksteinbrüche und Erzgruben berichtet und die schwere Arbeit der Männer beschreibt, die für ihre Familien hier einen Teil ihres Lebensunterhaltes verdient haben. An fünf Lagerstätten im Oberkleener Gemeindegebiet wurden Eisen-Manganerze abgebaut.
Im zweiten Heft (2011) befasste sich der Autor mit den ehemaligen vier Getreidemühlen (Kellersmühle, Hasenmühle, Herrenmühle und Waldmühle) in Oberkleen. „Es ist eine Besonderheit des Heftes, den Nachweis zu erbringen, dass die Kellersmühle im Jahr 1507 von dem Müller Heintz und seiner Frau Griede an einen Müller Kranßberg verkauft wurde und damit belegt ist, dass die Mühle bereits im späten 15. Jahrhundert bestanden hat.“ Es wurden Erkenntnisse über den Standort der Waldmühle gewonnen und die Müller der Waldmühle vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Ausgehen der Mühle um das Jahr 1820 aufgelistet.

 

OBERKLEEN. Eine historische Abbildung aus den Heimatheften: Nach der Getreideernte kam die Dreschmaschine in die Scheunen nach Oberkleen.

Ein weiterer bedeutender Nachweis gelang Glaum im Heft drei über die evangelische St. Michaelis Kirche Oberkleen. „Bei einem Besuch des Archivs der Rheinischen Kirche im Boppard saßen Erwin und ich nebeneinander am Tisch und durchsuchten verschiedene Archivalien aus der Zeit nach dem Neubau des Kirchenschiffes im Jahre 1770, als er mich plötzlich anstößt und mir in einem Rechnungsheft den Namen des Malers Daniel Hisgen zeigt und die ihm bezahlten Beträge für Lohn und Material“, erzählt Stahl. Damit war der Nachweis erbracht, dass neben vielen anderen Kirchen im mittelhessischen Raum auch die Emporenbilder in Oberkleen von Hisgen gemalt wurden.

Auch das Heft vier, das „Die Schmelzhütte bei Oberkleen“ beschreibt, konnte nur von Stahl publiziert werden, nachdem Glaum ein aus dem Jahr 1562 stammendes Dokument im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden entdeckte, das die Kosten über den Bau der Schmelzhütte auflistet.

Das fünfte Heft hat den Titel „ Die Oberkleener Schule im Wandel der Zeit“. Durch Nachforschungen in Archiven konnten Vermutungen bestätigt werden, dass es bereits ab etwa 1660 in Oberkleen eine Schule gegeben hat und der erste nachgewiesene Schulmeister Johann Christian Sommerlad den Unterrichtsbetrieb aufgenommen hat. Abschließend wurden im Heft 5 der Oberkleener Heimathefte die Namen der Kinder aufgelistet, die in der Zeit zwischen 1854 und 1933 in der Volksschule Oberkleen eingeschult wurden.

Im Heft 6 beschreibt Glaum zusammen mit acht Mitautoren die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der Willkür und der menschlichen Tragödien. 2017 wird das siebte Heft veröffentlicht. Es heißt „So war‘s früher bei uns in Oberkleen“. Erwin Glaum als Hauptautor gibt die Erfahrungen und Erlebnisse seiner Kinder- und Jugendzeit wieder und beschreibt das Dorf in den 1930er und Anfang der 1940er Jahre.
Im Alter von 93 Jahren hat Glaum noch die Anregung gegeben, im achten Heft die Vogtei Gottfriedhausen und die Geschichte des ausgegangenen Dorfes Gerbertshausen/Gottfriedhausen näher zu untersuchen und zu dokumentieren. Viele der im Heft enthaltenen Artikel wurden von ihm verfasst.

Darüber hinaus wurden etliche seiner Anregungen bei den monatlichen Sitzungen des Vereins aufgegriffen und zu konkreten Projekten geführt. So zum Beispiel das Projekt „Vom Korn zum Brot“, das der HGO in Zusammenarbeit mit der Kleeblattgrundschule Oberkleen seit Jahren durchführt und dafür 2019 den Demographiepreis der Landesregierung erhielt.

Das neunte Heft wird das 90-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr in Oberkleen thematisieren. Daran ist Glaum erstmalig nicht beteiligt, Werner Röhrich hat die Aufgabe übernommen

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