Es war eine etwas andere Stadtführung

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Es war eine etwas andere Stadtführung

BUTZBACH. Stadtteilbeiratsvorsitzender Michael Schröter (rechts) erläuterte am Samstag im Rahmen einer Stadtführung im Degerfeld die „Hotspots“ des Stadtteils. Text + Fotos: dt

Michael Schröter führte erstmals eine Besuchergruppe durch das Degerfeld

BUTZBACH (dt). Vom Butzbacher Kulturamt organisierte thematische Stadtführungen gibt es aktuell – wegen Corona mit höchstens zehn Teilnehmern – an jedem Wochenende. Eine etwas andere, aus dem üblichen Rahmen fallende Stadtführung gab es am Samstagnachmittag. Michael Schröter, Vorsitzender des dortigen Stadtteilbeirates, führte erstmals eine Besuchergruppe durch das Degerfeld und legte dabei den Schwerpunkt weniger auf markante Sehenswürdigkeiten als vielmehr auf die historischen und aktuellen „Hotspots“ des mit 4000 Einwohnern größten Butzbacher Stadtteils. 

Erstes Ziel des Rundganges – ausgehend vom Kreisel John- F.- Kennedy-Straße/Mozartstraße – war der lediglich geschotterte, staubige Verbindungsweg zur Kernstadt, der Paul-Ehrlich-Weg – vorbei am Sportgelände mit dem Basketball- und Fußballplatz hin zum geplanten Wohnmobil-Standort, dem alten Heizhaus und dem ebenfalls geplanten Vicus Romanus. Wie Schröter ausführte, lebten in der Region Butzbach ehemals zeitweise bis zu 10 000 amerikanische Soldaten. Diese Zahl gehe aus den Unterlagen von Alt-Bürgermeister Karl Heinz Hofmann hervor. Im „Roman Village“ im Degerfeld wohnte von dieser Gesamtzahl mit etwa 3000 Army-Angehörigen nur ein Teil. Dabei schloss sich der Kreis von der einstigen Besatzung durch die 22. Römische Legion bis hin zum 22. Bataillon der US-Amerikaner. Die US-Army habe für ihre Angehörigen im Wohnumfeld des Degerfeldes eine komplette Infrastruktur erstellt. Die lange bestehende „deutsche“ Infrastruktur sei heute leider weitgehend „weggebrochen“. Am Beispiel der Virginia-Straße wurde die eingeleitete Verkehrsberuhigung deutlich, wobei Schröter betonte, dass das Verkehrskonzept ständig überprüft und weiter entwickelt werden müsse. 

Von den 35 Wohnblocks der US-Army seien 15 abgerissen, 20 seien erhalten und umgestaltet worden. „Das Degerfeld ist im Verlauf seiner historischen Entwicklung heute bunter, jünger und internationaler geworden,“ stellte Schröter fest. Derzeit lebten 56 unterschiedliche Nationen im Stadtteil. Eine Herausforderung für die Stadt als Verantwortliche für die Kitas und den Wetteraukreis als Schulträger sei das Faktum, dass 700 Bewohner im Degerfeld unter 16 Jahre alt seien. Schröter erläutete die historische Entwicklung im stetigen Wandel der Bevölkerungsstruktur. In diesem Zusammenhang sollten Grenzen überwunden und es müsse einer Ghettobildung entgegengewirkt werden, indem eine „Soziale Mitte“ für alle Bewohner geschaffen werde. 

Schröter nannte sechs aktuelle Projekte, die in Angriff genommen worden seien oder demnächst angepackt werden sollen. Dies ist einmal der begonnene Ausbau und die Fertigstellung des Alleenweges zwischen Pohl-Gönser-Straße und Haydn-/Johann-Sebastian-Bach-Straße – im Weiteren die bauliche Umgestaltung des oberen Stockwerks im Treffpunkt Degerfeld mit zusätzlichen Funktionsräumen, die Umgestaltung der alten Mensa in ein Kinder- und Familienzentrum, der Vicus Romanus, der Ausbau des Paul-Ehrlich-Weges und die Lösung des dringenden Problems der Nahversorgung der Bevölkerung. 

In der Frage der Schaffung einer neuen Nahversorgung mit mehreren Anbietern sei man aktuell auf einem sehr positiven Weg. Ins Auge gefasst werden müsse für die Zukunft die Schaffung eines größeren Versammlungsraumes, wo – wie in allen übrigen Stadtteilen – auch einmal Platz und Raum für 200 oder 300 Personen bei Versammlungen und Veranstaltungen vorhanden sei. Fördermittel zu einzelnen Projekten erhalte die Stadt aus dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ des Bundes, das bis 2024 laufe.   

Aus dem Kreis der Teilnehmer der Stadtführung regten die Degerfeldbewohner Michael Zillig und Bärbel Gessler eine stärkere Vertretung der 4000 Bewohner des Degerfeldes in den politischen Gremien der Stadt an. Dies könne eventuell als Teil einer Gruppierung oder in einer möglichen „Liste Degerfeld“ für die Kommunalwahl erreicht werden. Es dürfe in diesem Zusammenhang „keine Denkverbote“ geben. Stadtteilbeiratsvorsitzender Michael Schröter nannte entsprechende Anregungen und Vorschläge „sehr interessant“.

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