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Expertenwissen für Prävention

BUTZBACH. Das Foto zeigt Beate Lüders, Fachdienst Soziales und Bildung, zusammen mit Lennart Biskup, Polizeipräsidium Mittelhessen.

GESPRÄCH – Lennart Biskup, Politikwissenschaftler der Polizei Mittelhessen, informiert sich in Butzbach

BUTZBACH (pm). Die Internationalisierung hat seit längerem die hiesige Zivilbevölkerung erreicht und darauf muss das Polizeipräsidium adäquat durch das Einholen von Expertenwissen reagieren. Gesucht werden neue Antworten auf die neuen Problemstellungen. Der Experte Lennart Biskup war jetzt in Butzbach zu Gast. Er kennt die Situation im Nahen und Mittleren Osten besonders gut, vor allem im Bereich Extremismus und politische Gewalt. 

Der Schwerpunkt seiner Arbeit wird zukünftig sein, die Prävention politisch motivierter Kriminalität in Mittelhessen phänomenübergreifend zu regionalisieren und zu professionalisieren. Derzeit versucht er, relevante Akteure und Organisationen im zivilgesellschaftlichen, kommunalen und präventiven Bereich im Wetteraukreis kennenzulernen, um sich vorzustellen und ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen. 

Nach den Besuchen in Friedberg und Florstadt ist er nach Butzbach gekommen, um sich mit der Sozial-Fachdienstleiterin Beate Lüders und dem Vertreter der externen Koordinierungsstelle für das Programm „Butzbach lebt Demokratie!“ Aaron Löwenbein auszutauschen, weil es zahlreiche Überschneidungen bei den Tätigkeitsfeldern gibt.

Lüders erläuterte ihre Arbeit im Bereich der Betreuung Geflüchteter, insbesondere die Aktivitäten des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, das seit 2015 in Butzbach umgesetzt wird.  Dadurch werden Butzbacher Vereine unterstützt, die sich den Themen Demokratie, gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stellen, und ihre Projekte beantragen. Zur Verfügung stehen für die Aktivitäten der Vereine jährlich 45 000 Euro, die für Honorare und Sachkosten ausgegeben werden können. Es wurden unter anderem Projekte zu den Themenfeldern Weidig und sein Wirken, die 1848er Revolution, Veranstaltungen zum Ersten Weltkrieg wie auch Antimobbing-Kurse, Aktivitäten für den Frauenfußball, Musikveranstaltungen, Türkische Schattenspiele, Vorträge und Lesungen, Straßenfeste und anderes mehr befördert. 

Überaus interessiert ist Biskup an dem Workshop „Messer – Werkzeug oder Waffe?!“, der mit Unterstützung von Wolfgang Schulz, Jugendkoordinator bei der Polizei Mittelhessen, sehr erfolgreich abgehalten wurde. Der aus Dänemark stammende Ansatz zeige, dass man neue Wege gehen muss, wenn neue Erkenntnisse erzielt werden sollen. Die Jugendlichen seien während des Workshops für kritische Anmerkungen sehr offen, wenn man nicht mit einem erhobenen Zeigefinder auftritt, sondern verständnisvoll – und dies geht sehr gut – die Herstellung eines Messers begleitet. Die dabei entstehenden Einzel- und Gruppengespräche bleiben sehr zielführend, ergänzte Löwenbein. 

Die Lehrgänge zur Eigen- und Fremdwahrnehmung überzeugen den Politikwissenschaftler ebenfalls, und er sagte seine Teilnahme an dem nächsten Workshop zu, um hautnah mitzuerleben, wie Jugendliche ihr Handeln kritisch zu würdigen lernen. Dies gilt auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Geflüchtete, die unter anderem mit ihren Kulturbrüchen klar kommen müssen.

Lüders würdigte das Bundesprogramm als großen Erfolg in Butzbach, obwohl der bürokratische Aufwand nicht zu unterschätzen ist. Die Stadt unterstützt das Projekt mit einer halben Stelle. Auch die Fachdienstleiterin hofft, dass Butzbach in den nächsten Jahren von diesem Programm partizipieren wird, damit so mittelfristig die Chancen bestehen, mit Biskup in Sachen Extremistenprävention eng zusammenzuarbeiten.

  

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