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Facettenreiches Thema Steuern

Stammtisch Fachfrau Britta Doornveld informierte Vereinsring-Mitglieder über Regelungen

Butzbach (hwp). Der Vereinsring der Stadt Butzbach und seiner Stadtteile veranstaltete jüngst einen Stammtisch zum Thema „Steuern im Verein“. Steuerexpertin Britta Doornveld vom Beratungsbüro Francke und Partner referierte im Butzbacher Schützenhaus vor zahlreichen interessierten Vereinsvertretern und ging dabei auch auf Beispiele aus der Praxis ein, ergänzt um Fragen und Antworten zur Abwicklung und Einstufung von Spenden. Mit Bargeldeinnahmen befasste Vereine erfuhren Wichtiges zu der ab 1. Januar 2018 geltenden „Kassen-Nachschau“ der Finanzbehörden.

Doornveld: „Früher waren Vereine nicht im Blickfeld der Finanzbehörden. In Zeiten leerer Staatskassen jedoch hast sich dies inzwischen entscheidend geändert. Für die betroffenen gemeinnützigen Vereine bedeutet das aktuell höhere Ansprüche an die eigene Buchführung – man benötigt auf jeden Fall ein sauber geordnetes Zahlenwerk. Im Zuständigkeitsbereich des Finanzamtes Friedberg werden grundsätzlich alle drei Jahre Steuererklärungen von Vereinen mit anerkannter Gemeinnützigkeit eingefordert; im Einzelfall aber auch jährlich.“

Ab einem jährlichen Umsatz von mehr als 17 500 Euroist unter bestimmten Voraussetzungen Umsatzsteuer auf den Gewinn zu zahlen.  Bei mehr als 35 000 Euro Umsatz im Jahr fallen neben der Körperschaftssteuer (eine Art Einkommenssteuer für Verbände, Vereine) auch Gewerbesteuer an, wobei  je nach ermitteltem Gewinn ein Freibetrag von bis zu 5000 Euro zur Anwendung kommt. Worauf Steuern zu entrichten sind oder nicht, ergibt sich aus der klassischen Aufgliederung der Kassenführung bei gemeinnützigen, eingetragenen Vereinen.

In den ideellen Bereich gehören die Mitgliedsbeiträge, Spenden und öffentliche Zuschüsse und beispielsweise Kosten für Ehrungen, die Jahreshauptversammlung oder vereinsinterne Veranstaltungen. Zur Vermögensverwaltung zählen Zinsen, Kapitalerträge, Miet- und Pachteinnahmen. Ein wirtschaftlicher Zweckbetrieb hängt eng mit der Erfüllung des Satzungszweckes zusammen. Werden häufig Einnahmen erzielt jenseits der Vereinsstatuten, könnte dies die Gemeinnützigkeit gefährden. Discoveranstaltungen  sind zum Beispiel Einnahmen und Ausgaben im Rahmen des reinen Zweckbetriebes. Zu diesem vierten „reinen Zweckbetrieb“ sind zu rechnen Großsportveranstaltungen, Speisen, Getränke und Sponsoring.

Der ideelle Bereich ist nicht steuerpflichtig. In der Vermögensverwaltung und im wirtschaftlichen Zweckbetrieb können partiell Umsatzsteuern anfallen. Der „reine Zweckbetrieb“ ist voll mit 19 Prozent steuerpflichtig.

Zum Thema „Spendenrecht“ gilt es, die aus der Sache ersichtliche Grenze zwischen Spende und Sponsoring zu beachten. Häufig werden immer noch falsche Spendenbescheinigungen durch Vereine ausgestellt, wobei der Vorstand im Einzelfall dafür haftbar gemacht werden kann. Grundsätzlich muss für Spenden bis 200 Euro  keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden; dem Spender reicht ab 2017 zur Vorlage bei der Finanzbehörde auf Anforderung  die Einzahlungsquittung oder der Überweisungsbeleg aus.

Der Charakter einer Spende ist immer eine Geld- oder Sachleistung ohne eine Gegenleistung. Sponsoring sind dagegen regelmäßige unternehmerische Maßnahmen für den Verein nach der Maxime „Leistung gegen Leistung“. Hierbei muss der Verein dem Sponsor für die Leistung in Höhe des realistischen oder tatsächlichen  Wertes eine Rechnung stellen und die gesponserte Leistung in deren Wert als Einnahme dagegen verbuchen. Gestattet man gegen Geld einer Firma für deren Werbung die Verwendung des Vereinslogos, fallen die Einnahmen daraus unter Vermögensverwaltung und sind mit sieben Prozent zu versteuern. Bildet ein Verein seinerseits Firmenlogos auf seiner Homepage nur ab ohne weitere Werbetexte dazu, sind die Einnahmen bei der Vermögensverwaltung zu buchen, ohne sie versteuern zu müssen.

Die Kassen-Nachschau, ursprünglich als Steuerkontrollinstrument für bargeldintensive Unternehmen gedacht, erfasst nun beiläufig auch entsprechende Vereine. Bargeldintensiv ist man bereits bei mehr als zehn Prozent Bargeldumsatz im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Vereins. Künftig können und werden tagesgenaue Abrechnungen (z.B. Altstadtfeststände) unangemeldet kontrolliert werden. Da hilft ein Abrechnungszettel mit dem Anfangsbestand des Geldes am Morgen und der Endsumme des Umsatzes am Abend.

Vereinsring-Geschäftsführer Hans Möller gab noch den Hinweis, dass die Vereine ihre Anträge an die Gema bei Musikaufführungen nicht mehr wie früher über die Stadt Butzbach stellen können. Diese Vereinbarung gibt es nicht mehr und die Vereine müssen sich direkt mit der Gema in Wiesbaden in Verbindung setzen.

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