Falsche Polizisten tricksen Senioren aus und stehlen Schmuck und Geld

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Falsche Polizisten tricksen Senioren aus und stehlen Schmuck und Geld

Butzbach (dpa/lhe). Sie rufen mit einer falschen Nummer an, erzählen eine haarsträubende Geschichte, stellen Fangfragen, machen Angst und drücken aufs Tempo: Als Polizeibeamte getarnt versuchen Trickbetrüger derzeit in Hessen vermehrt, ältere arglose Menschen auszunehmen. Das Landeskriminalamt (LKA) geht von Banden aus, die aus türkischen Call-Centern operieren und sich in ganz Deutschland Opfer suchen, wie LKA-Sprecher Christoph Schulte sagt. „Das ist besonders perfide, denn man untergräbt damit auch noch das Vertrauen in die Polizei.“

„Mal geben sie sich als Schutzpolizisten aus, mal als LKA-Fahnder und mal als Staatsanwalt“, warnt Torsten Werner von der Polizei in Kassel. Wortwahl und Sprachgebrauch seien gut, das Auftreten seriös. „Deshalb ist die Masche so erfolgreich, das-sind geschulte Profis.“ Viele Menschen seien im Alter zudem leichte Opfer, weil sie vertrauensvoller und weniger argwöhnisch seien als in jungen Jahren.

 In Glashütten im Taunus brachten die Kriminellen einen 90 Jahre alten Hausbesitzer mit mehreren eindringlichen Lügenanrufen soweit, dass er – wie verlangt – schoss. Eine echte Polizeibeamtin erlitt ein Knalltrauma. Von den Anrufern fehlt noch jede Spur.

 Die Trickbetrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach Namen, die meist ältere Menschen tragen – wie etwa Elisabeth – und rufen diese dann an, wie Schulte berichtet. Dann setzen sie ihre Opfer mit einer Geschichte unter Druck, beispielsweise über korrupte Bankmitarbeiter, und dass es besser sei, das Geld der Polizei zu übergeben, die es sogar abholen komme. Eine andere häufige Lügenvariante: Bei Einbrechern: wurde ein Zettel mit der Adresse des Angerufenen gefunden. Deshalb sei es besser, die Polizei hole die Wertgegenstände ab.

Einer 92 Jahre alten Frau aus Frankfurt entwendeten solche Trickbetrüger vor wenigen Tagen Schmuck, Geld, Gold und Uhren im Wert von rund 50 000 Euro. Sie hatten die Frau dazu gebracht, diese in einen Rollkoffer zu packen und vor dem Haus zu deponieren, wie die Polizei in Frankfurt berichtete. „Anders als falsche Stromableser oder Handwerker treten sie nicht in Erscheinung“, sagt Isabell Neumann von der Frankfurter Polizei. Sie riefen ihre Opfer vielmehr häufig abends an und forderten sie auf, schon mal die Rollläden runter zu lassen, weil ihr Haus beobachtet werde.

„Wichtig zu wissen ist, dass wir als Polizei niemals Geld oder Schmuck an uns nehmen würden. Wir rufen auch nicht mit der Nummer 110 an“, betont Schulte. Diese tauche aber bei den Anrufen der Kriminellen oft im Display auf. „Sofort auflegen“, rät Bernd Hochstädter von der Polizei in Darmstadt.

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