„Feld der Hoffnung“ stets offen halten

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„Feld der Hoffnung“ stets offen halten

Lesung Stefanie Gleising berichtet in Buchhandlung Bindernagel von ihrer Krebs-Wunderheilung

Butzbach (dt). „Wir dürfen das Feld der Hoffnung immer offen halten, uns dem Wunderbaren wieder zuwenden … Wir sollten unsere Augen offen halten für die vielen Wunder dieser Welt.“ Das war das Bekenntnis – und gleichzeitig quasi ein Rat, ein Appell an ihre Mitmenschen – der Butzbacher Psychologin und Buchautorin Stefanie Gleising am Dienstagabend am Ende ihrer Lesung in der Butzbacher Buchhandlung Bindernagel. Sie verabschiedete mit diesen Worten viele ihrer Zuhörer, die persönlich, im Familien-, Freundes oder Bekanntenkreis schmerzliche oder sogar tödliche Erfahrungen mit der Krebskrankheit machen mussten.

Es war ein Abend, der von der Krebskrankheit mittelbar oder unmittelbar Betroffenen sehr viel Mut machen konnte, ein Abend, der – trotz möglicher negativer, schmerzvoller Erfahrungen mit der Erkrankung – viel Hoffnung und positive Lebensfreude vermittelte. Und darum war es „eine besondere Lesung“, wie Georg Neundorfer bei der Vorstellung der Autorin betonte, die in der Wetzlarer Straße eine Praxis unterhält. Gleising berichtete zunächst in einem kurzen Statement vom Beginn ihrer Brustkrebserkrankung im Jahr 2010 und bezieht gleich deutlich Position. Sie sei aufgrund ihrer Ausbildung und Selbsterfahrung überzeugt davon, dass bei der Entstehung von Krebs die menschliche Psyche „beteiligt“ sei, allerdings „nicht im Sinne einer Schuldfrage oder -suche.“ Ihre klare Diagnose: „Ich bin überzeugt, wir können den Krebs beeinflussen durch die Art, wie wir damit umgehen.“

Gleising begann die Lesung aus ihrem autobiografoschen Buch „Meine wundersame Heilung“ mit dem Moment des Abschieds von ihrem Mann und den zwei Söhnen aus dem vertrauten Wohnumfeld. „Wie ein sperriges Möbelstück“ wurde sie liegend in einem Krankenwagen – nach schulärztlicher Diagnose unheilbar – ins Hospiz zum Sterben gefahren. Die Belastung – auch emotionaler Art – mit den regelmäßigen Besuchen des ambulanten Hospizdienstes und die intensive Betreuung war für die Familienangehörigen zu Hause untragbar und zu groß geworden. Es begann „Die Zeit des Haderns“, wie sie auch ein Kapitel in ihrem Buch genannt hat. Es folgten schmerzvolle Nächte mit den massiven Nebenwirkungen der verordneten Medikamente, das subjektive Empfinden, dass die starken Schmerzmittel eine mögliche, erhoffte Heilung beeinträchtigen könnten; sie lehnte Morphium ab, musste aber weiter hochdosierte Schmerzmittel akzeptieren. Oftmals fühlte sie sich von den Ärzten nicht wirklich unterstützt. Gedanken an ein „einfach Davonlaufen“ und die Frage: „Wo ist der liebende Gott?“ entwickelten sich: „Alles Gute und Schöne des Lebens ist in weite Ferne gerückt.“ Sie spricht allerdings nur von einer kurzen Phase dieses Haderns. Danach erzählt sie in einer Rückblende über einen mit Hoffnung verbundenen, teuren Wochenendbesuch bei dem brasilianischen Wunderheiler Joao de Deus, der zu einer Massenveranstaltung nach Alsfeld gekommen war. Dabei sei es um die Alternative einer „spirituelle Reinigung“ oder einer „spirituellen Operation“ gegangen. Bei der Einordnung dieses Erlebnisses bezeichnet sie eine Vision mit der festen Vorstellung der Erfüllung des Gewünschten als hilfreich. Eine große Bedeutung in der menschlichen Psyche komme dem Gefühl der Dankbarkeit zu: „Dankbarkeit und Freude lassen Glückshormone entstehen, diese wurde das Immunsystem.“ Dann wurde es praktisch. Vor einer Lesepaus unternahm Gleising mit allen Besuchern eine „Wahrnehmungsübung“.

Im zweiten Teil des Abends empfahl die Autorin die Devise des „Carpe Diem“ und berichtete, dass das Buch eigentlich unter dem von ihr gewünschten Titel „Rückkehr zum Wunderbaren“ hätte erscheinen sollen; der Herder-Verlag habe jedoch anders entschieden. Bei „existenziellen“ Kleinkinder-Fragen ihres Sohnes Gereon habe sie festgestellt, dass die antwortenden Erwachsenen meist nur lapidare Antworten bereithielten: Wer oder was ist Gott? Warum ist er männlich, obwohl man sich doch kein Bild von ihm machen solle? Warum sind wir hier? Nach ihrer Überzeugung sei der Mensch nicht dafür gemacht, alle Dinge dieser Welt wirklich zu erfassen und zu verstehen. Sie nennt das Beispiel von einer Maus, die auch nicht verstehe, wie ein Atomkraftwerk funktioniere, weil sie dazu nicht geschaffen sei. Genauso gehe es dem Menschen in unserer Welt. Visionen könnten dem Menschen innere Stabilität vermitteln.

In der abschließenden offenen Fragerunde geht sie – auf Nachfrage – noch einmal auf ihren sechswöchigen Hospizaufenthalt ein, auf die durch die Krankheit entstandenen, stark belastenden Hirn-Metastasen: „Die Angst frisst auf, sie zerstört.“ Weiter werden daneben von den Zuhörern Fragen zum Aufbau eines Feldes der Kontemplation, des regelmäßigen, gedanklich kurzen Aufbaues einer Distanz zu sich selbst, des religiösen Glaubens, der Imagination, Vision und Meditation angesprochen, ehe die Referentin mit starkem Applaus der Zuhörer verabschiedet wird.

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