Fleischergesellen hinter Gefängnismauern

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Fleischergesellen hinter Gefängnismauern

BUTZBACH. Ihre Ausbildung in der Metzgerei der JVA Butzbach (linkes Foto) beendeten mit der Übergabe der Fleischergesellenbriefe zwei inhaftierte Männer (Mitte, rechtes Foto) im Kreis der weiteren Auszubildenden, des Metzgereileiters Jürgen Lemmer (l.), des Fleischerei-Obermeisters Holger Buss und der Anstaltsleitung Uwe Röhrig. Text + Fotos: hwp

AUSBILDUNG – Zwei Inhaftierte der JVA Butzbach erhalten Urkunden / Fachverband prüft Produktqualität

BUTZBACH (hwp). Hinter den hohen Mauern der Justizvollzugsanstalt Butzbach wird weit mehr getan, als nur Menschen zu verwahren, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und ihre Haftstrafen verbüßen. Es gibt auch ein Leben nach dem Vollzug und dafür leistet im Rahmen vorbildlicher Resozialisierung beispielsweise der anstaltseigene Metzgerei-Meisterbetrieb seit Jahren hervorragende Arbeit, die in der Öffentlichkeit so nicht bekannt sein dürfte. Mehrfach ausgezeichnete Spitzenprodukte im Bereich der Wurstherstellung sind Jahr für Jahr zu vermelden, und aktuell bestanden einmal mehr zwei inhaftierte Männer mit Bravour ihre Metzger-Gesellenprüfung, weitere drei befinden sich noch mitten in der entsprechenden zweijährigen Ausbildung. 

Im Beisein von Anstaltsleiter Uwe Röhrig und JVA-Metzgermeister Jürgen Lemmer überreichte Fleischerei-Obermeister Holger Buss (Gambach) mit lobenden Worten die heiß ersehnten Gesellenbriefe mit allen Ausbildungsnachweisen. Buss, der auch die theoretische Ausbildung in der JVA Butzbach durchführt, bemerkte: „Sie haben ihre Prüfungsaufgaben im theoretischen Bereich bestens bestanden und auch den praktischen Teil genauso perfekt gemeistert und damit Ihr umfassendes Können unter Beweis gestellt.“ Da galt es unter anderem, ein Rinderhinterviertel zu zerlegen und in Teilstücke zuzuschneiden, eine Brühwurst nach eigener Rezeptur herzustellen, verschiedene Sülzen zu produzieren, küchenfertige Produkte ansprechend zu präsentieren und die Zubereitung eines kompletten Menüs. 

Buss betonte: „Ihr hervorragendes Abschneiden ist vor allem erfreulich, da dieser Abschluss in einem handwerklichen Berufsbild erfolgt, in dem es in der freien Wirtschaft kaum noch Auszubildende oder Gesellen gibt und diese händeringend gesucht werden. Sie haben nun als neue Gesellen aufgrund Ihrer fachlich fundierten Ausbildung alle Perspektiven offen, um in Zukunft ein Leben ohne Straftaten führen zu können und Ihren Lebensunterhalt auf legale Weise zu verdienen.“ Von Gesellen der letzten Jahre wisse er verbindlich, dass dies mit einer einzigen Ausnahme sehr gut funktioniere, führte Buss aus und überreichte die Urkunde zum „Gesellen im Fleischerhandwerk“. 

Fleischermeister Jürgen Lemmer, verantwortlich für die gesamte praktische Ausbildung, schloss sich wie Anstaltsleiter Röhrig den Worten des Obermeisters an, verbunden mit den besten Wünschen für ein geordnetes Leben nach der Haftzeit. Eine hohe Anerkennung gab es auch für Fleischermeister Lemmer mit der Verleihung der Urkunde der „Qualitätsprüfung des hessischen Fleischerhandwerks“ aufgrund einer lobenswerten Initiative der hessischen Fleischer, sich eigenen Qualitätskontrollen zu unterwerfen. Gerade in Zeiten ausdrücklich zu erwähnen,  wo ein Großbetrieb für negative Schlagzeilen sorgt, die mit einer solchen Kontroll-Maßnahme nie zustande gekommen wären.

Gerade für ihn, so JVA-Metzgermeister Lemmer, der seit 2012 jeweils mit fünf Auszubildenden den anstaltseigenen Betrieb führt, sei diese Verleihung eine Ehre. Vor allem ist es aber auch eine Anerkennung des Strebens nach Spitzenqualität. Lemmer: „Wir wollen bei der Produktion unserer Fleisch- und Wurstwaren alles richtig machen. Deswegen achten wir schon bei der Auswahl der Rohmaterialien auf beste Qualität. Es wird zudem nur Rind- und Schweinefleisch aus der heimischen Region bezogen, und um ganz sicher zu gehen, nehmen wir regelmäßig an den neutralen Kontrollen des Fleischerverbandes Hessen teil.“ Dabei werde kritisch, aber fair geprüft, so der 57-jährige Betriebsleiter. 

Die Freiwillige Selbstkontrolle wurde vor über 30 Jahren von den hessischen Fleischermeistern ins Leben gerufen. Es werden unter anderem Aussehen, Zusammensetzung, Geruch und Geschmack der handwerklich hergestellten Produkte überprüft. Damals wie auch heute noch werden alle mit gut bewerteten Produkte mit dem Prädikat „Qualitätsprodukt aus Hessen“ und eine vom hessischen Wirtschaftsminister signierten Urkunde ausgezeichnet. Seit 2018 läuft der Wettbewerb unter dem Namen „Hessische Qualitätsprüfung“ und der Landesinnungsverband vergibt zusätzlich für insgesamt hervorragende Produktqualität den „Hessen-Pokal“. 

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