„Flüchtlingslager in Ägäis evakuieren“

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„Flüchtlingslager in Ägäis evakuieren“

Butzbacherin und Mitstreiter richten wegen Flüchtlingssituation offenen Brief per Video an Minister Seehofer

BUTZBACH (amf). Die Butzbacherin Anna Fink organisierte zusammen mit Ibo Mohamed und Luisa Neubauer ein Video und stellte es auf Youtube, das auf die derzeitige Corona-Situation in den Flüchtlingslagern auf den ägäischen Inseln aufmerksam macht. Mit dieser Aktion fordert sie zusammen mit 29 weiteren Menschen Innenminister Horst Seehofer dazu auf, sich für die Evakuierung der Flüchtlingslager auf den ägäischen Inseln einzusetzen.  

Mittlerweile halten sich auf den ägäischen Inseln über 36 000 geflüchtete Menschen auf, die Tag für Tag auf ihr Asylverfahren hoffen. Dennoch ist nur für etwa 5500 Menschen in diesen Lagern Platz. „Während der Corona-Pandemie konnte ich mich nun mit der europäischen Flüchtlingspolitik intensiv auseinandersetzen. Ich las mich in die Thematik ein, studierte Zahlen und die neusten getroffenen Beschlüsse und Gesetze in der Flüchtlingspolitik. Ich reflektierte dies mit unserer europäischen derzeitigen Haltungsweise in Bezug auf Corona und war schockiert“, berichtet Fink. Schockiert, dass es anscheinend doch kein schwerwiegendes Problem für die gemütlichen Europäer darstelle, sich an Regeln und Vorschriften zu halten, wenn es um Leben und Tod geht. Aber sie sei auch verblüfft gewesen, dass im gesamten europäischen Raum die Menschen Solidarität zeigten, indem sie „Social Distancing“ und Abstand hielten und somit Menschenleben retteten. 

Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden.  Ich möchte betonen, dass ich sehr froh bin, wie wir es bisher geschafft haben den Eineinhalb-Meter-Abstand im Supermarkt und in der Apothekenschlange zu wahren. Ich bin sehr stolz auf uns Europäer, weil wir uns zusammenreißen konnten, zu Hause geblieben sind und Menschenmassen gemieden haben, um so Menschenleben zu retten“, betont Fink. 

Dennoch habe sie das Gefühl, dass die Europäer wachgerüttelt werden müssen. „Dort, wo man unsere konkrete Unterstützung braucht, da gibt es keinen Supermarkt, geschweige denn eine Apotheke. Dort kann man nicht zu Hause bleiben, weil man kein Zuhause hat, geschweige denn kann man Menschenmassen meiden, weil man zusammengepfercht mit tausend anderen fremden Personen auf einem kleinen Platz lebt. Dort, wo man am meisten unsere konkrete Solidarität braucht, da kann man sich nicht die Hände waschen, weil es keine Seife gibt und teilweise noch nicht einmal fließendes Wasser“, gibt die Studentin zu bedenken. 

Dass das Sars-Cov-2-Virus ein weltweites Phänomen ist, sei offensichtlich. Ich glaube auch, dass den meisten Europäern klar ist, dass das Virus nicht zwischen Wohlstand, Hautfarbe, Religion oder Herkunft unterscheidet – es kann jeden treffen.“ 

Genau aus diesen Gründen wäre ein Covid-19 Ausbruch in den Flüchtlingslagern verheerend. Fink wollte nicht länger zuschauen, und darauf warten, dass diese Pandemie irgendwann vorbei ist „und wir dann wieder unser altes Leben mit unseren alten Mustern leben können“. Ibo Mohamed und Fink konzipierten und organisierten dann ein Video an den Innenminister, der für die Geflüchtetenthematik in Deutschland zuständig ist. Unter www.youtube.com/watch?v=0oLo
tIyHcdg&t=42s ist es zu sehen. 

„Mit dem Video hoffen wir darauf, dass die Flüchtlingsthematik in den Vordergrund der Politik rückt, dass endlich kreative Lösungsvorschläge für die Ursachen von Flucht und Migration gefunden werden und somit ein gutes Leben für alle ermöglicht wird.  Denn Mensch ist Mensch egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder Herkunft man hat. Aber vor allem ist es uns wichtig, dass dieses Thema mehr Präsenz in unserer Gesellschaft erhält und somit dieser problematischen Thematik, welche sich seit Jahren vor unserer europäischen Haustür abspielt, mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird“, erklären die Initiatoren. 

In Kampagnen und Petitionen, die im Internet unterschrieben werden können, könne jeder einzelne mehr Druck auf die Regierung ausüben. Je mehr Menschen eine Petition unterschrieben, desto mehr Gewicht bekommt diese im Bundestag. Unter #leavenoonebehind sei eine Petition auf www.change.org/ zu finden.

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