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Förster bleiben optimistisch

BUTZBACH. Auf dem Hausberg sind die Schäden an den Fichten deutlich erkennbar. Wo die Rinde fehlt, sind die Trockenrisse zu sehen. Foto: thg 

Vertreter von Hessen Forst informieren am Hausberg und im Ausschuss über Wiederbewaldungs-Konzept

BUTZBACH (thg). Die Schäden im Butzbacher Wald, Ursachen, Folgen und Zukunftsaussichten waren Schwerpunkt der Umweltausschusssitzung am Mittwoch im Bürgerhaus Butzbach. Vertreter von Hessen Forst stellten unter anderem das Konzept für die Wiederbewaldung des Hausbergs vor. Vor der Sitzung hatte Bürgermeister Michael Merle zu einem Pressegespräch auf dem Hausberg eingeladen. Eine Begehung des Ausschusses soll am Samstag, 10. Oktober, um 10.00 Uhr ebenfalls den Hausberg zum Schwerpunkt haben. 

Dienstleistungsbereichsleiter Thomas Götz, der Revierleiter in Wiesental Bernd Pogodda und Betriebs-assistentin Nora Walbrun als Vertreter des Landesbetriebs, der den Butzbacher Stadtwald im Auftrag der Stadt bewirtschaftet, informierten. Götz wies unterhalb des Hausbergturms darauf hin, dass die Situation dort sehr komplex sei. „Wir sind mitten im Klimawandel“, sagte er mit Blick auf die „massive Dürre“ seit dem Jahr 2018.

Vor allem haben Trockenheit und Borkenkäfer die Fichtenbestände stark dezimiert. Wie die Forstleute ausführten, war der Standort wegen der eher trockenen Böden dort noch nie ideal für die Fichte. Sie wurde in der Nachkriegszeit als „Brotbaum“ angepflanzt, der für einen baldigen Ertrag sorgen sollte. Der Wassermangel bedeutet massiven „Stress“ für die Fichte, sodass der Borkenkäfer leichtes Spiel hat, wenn der Baum seine Bohrversuche nicht mehr mit Harz verhindern kann. Bei den trockenen Fichten reichen 20 Käfer aus, um den Baum absterben zu lassen, bei gesunden braucht es 200. Der Einsatz von Pheromonen gegen den Käfer hätte bei der großflächigen Schwächung der Bäume keinen Effekt gehabt, aber hohe Kosten verursacht. 

Die Vermarktung des Holzes ist nach Hessen-Forst-Angaben schwierig, weil der Markt voll ist und die Holzpreise um 70 bis 80 Prozent gefallen sind. Zudem sind Stämme mit tiefen Rissen als Trockenheitsschäden meist nicht mehr verwendbar. Abschnitte mit solchen Bäumen sollen denn auch stehen bleiben. Lediglich am Wegesrand soll zur Verkehrssicherung noch der Bestand kontrolliert werden. Die verbleibenden Fichten dienen unter anderem noch als Schutz für Pflanzen und Baumarten, die sich dann zwischen ihnen entwickeln könnten. Sie will man „erstmal wachsen lassen“. 

Wo einmal Wald war, muss auch wieder Wald hin, ist die Vorgabe für die Forstleute aus dem Waldgesetz. Die Fichte ist aber kaum noch zu retten, wie sie sagen. Heimische Arten werden es wegen der sich ändernden Klimaverhältnisse teils schwerer haben als früher. Die Douglasie aus Nordamerika gilt als wenig anfällig für den Borkenkäfer und trockenheitsresistent. 

Neben dem Teil, in dem nur Wald ohne Bewirtschaftung stehen soll, ist auch geplant, in wenigen Jahrzehnten über die Aufforstung wieder den Mischwald zu bewirtschaften, damit der Waldbesitzer, also die Stadt Butzbach, wieder Geld verdient. Derzeit geht die Stadt davon aus, dass statt der Überschüsse der vergangenen Jahre in diesem und im nächsten Jahr die Waldwirtschaft ein „dickes Minus“ von etwa einer halben Million Euro verzeichnet, so der Bürgermeister. 

Speziell am Hausberg steht laut den Hessen-Forst-Vertretern nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Zudem ist es ohnehin verpflichtend, nachhaltig zu wirtschaften, also nicht mehr Holz aus dem Wald zu holen als nachwächst. Der Werkstoff Holz hat aber seine Bedeutung, weil ohne Ernte in hiesigen Wäldern, unkontrolliert in Regenwäldern oder in der Taiga gefällt werden könnte, so die Forstleute. Zudem bindet das Holz CO2, und das je nach Verwendung auf Jahrzehnte und länger. 

Für die Wiederbewaldung stützt sich Hessen Forst auf die genaue Analyse der Böden hinsichtlich der Trockenheit. Die besser geeigneten Standorte werden eher bepflanzt als die trockenen. Wo sie extrem „mager“ sind, hofft man darauf, dass die Natur es selbst „richtet“. 

Da wo aufgeforstet werden soll, plant Hessen Forst eine „Klumpenpflanzung“ mit Wirtschaftsbaumarten. Ein Hektar Wald wird dabei in vier Bereiche aufgeteilt, in den beiden „Klumpen“-Bereichen werden Baumarten in kleinem Abstand gepflanzt. Die beiden anderen Bereiche des Hektars werden mit dem „Vorwald“ bestückt. Mit entsprechendem Abstand zueinander werden dort schnell wachsende Baumarten gesetzt. Über Beobachtung und Pflege lässt sich herausfinden, welche Arten geeignet sind. Ziel ist es, einen Mischbestand aufzubauen. 

„Wir schließen keinen Baum aus“, sagte Pogodda. Eiche, Esskastanie und Douglasie seien „gut davongekommen“. Kiefernbestände seien „nicht die Lösung“. Einzelne Stellen am Hausberg machen optimistisch, dass dort die Wasserversorgung für diese Baumarten ausreicht. 

Ziel ist die Bepflanzung von etwa 60 Prozent der derzeitigen Frei-
flächen am Hausberg. Auf einen Zehn-Jahreszeitraum gesehen rechnet Hessen Forst in einer Kalkulation für fast 40 Hektar Fläche mit 215 800 Euro Kosten für die Bepflanzung. Neben 171 000 Euro für Pflege stehen noch Beträge unter anderem für die Vorbereitung der Fläche, so dass die Gesamtkosten fast 421 000 Euro betragen könnten. Eine etwaige Förderung des Landes ist noch nicht eingerechnet. Weder der Vorwald noch die Klumpenpflanzung sind derzeit förderfähig. 

Der Ausschuss verständigte sich darauf, dass der Arbeitskreis Wald in das Thema einbezogen wird. 

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