Förster planen mit dem „Worst Case“

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Förster planen mit dem „Worst Case“

BUTZBACH. Absterbende Bäume schmälern den Ertrag im Waldwirtschaftsplan für die städtischen Wälder. Foto: BZ

BORKENKÄFER Unter dem Strich steht für Butzbacher Forst in diesem Jahr eine schwarze Null

BUTZBACH (thg). Eine „schwarze Null“, oder konkret 145 Euro Überschuss, weist der Waldwirtschaftsplan für den städtischen Forst für das laufende Jahr aus. Schuld daran sind die Borkenkäfer, die im trockenen Sommer massenweise Fichten befielen und damit die Einschlagmenge – nicht nur in Butzbach – in ungeahnte Höhen trieben. Der Preis für das Holz indes sank um die Hälfte. Die nunmehr dritte Version des Wirtschaftsplans stellte Forstamtsleiter Bernd Müller am Mittwoch im Umweltausschuss vor. Dies sei ein „Worst-Case-Szenario“. Um überhaupt auf null zu kommen, wurde – wenn auch in deutlich reduziertem Umfang – ein Einschlag von Laubholz vorgesehen. Bei Enthaltung der UWG, die noch Beratungsbedarf anmeldete, wurde der Plan einstimmig befürwortet.

Im Spätsommer hatte das Forstamt noch einen „normalen“ Plan erstellt. Nach den Kalamitäten sei ein Entwurf erstellt worden, der nur den Einschlag absterbender Bäume und die beginnende Wiederaufforstung vorsah. In Absprache mit dem Magistrat sei dann das nun vorgelegte Zahlenwerk ausgearbeitet worden. 

Der jährliche Holzeinschlag im Rahmen der Nachhaltigkeit beträgt laut Müller für den Butzbacher Wald 16 000 Festmeter. Das sei die Holzmenge, die jedes Jahr nachwachse. 7000 Festmeter davon seien der reguläre Fichteneinschlag. Nach Sturm im Januar und Borkenkäfer sei im Jahr 2018 allein die Fichten-Schadholzmenge auf fast 17 000 Festmeter angewachsen. Da bereits Laubholzeinschlag erfolgte, lag die Summe bei 26 000 Festmeter, also 10 000 Festmeter über dem regulären Wert. 

Die Entwicklung beim Schadholz setzt sich fort. Schon in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres seien rund 6000 Festmeter Fichten-Schadholz eingeschlagen worden. Für diese Nadelbaumart sieht der vorgelegte Plan 30 000 Festmeter Holz vor, wobei noch nicht klar sei, ob es tatsächlich so viel wird. Die Förster würden auch dazu übergehen, das akut befallene Holz aus dem Wald zu holen. Bäume, die bereits abgestorben seien und in denen keine Käfer mehr sitzen, blieben innerhalb der Waldflächen dann mitunter stehen. Das gelte unter anderem dann, wenn die Erntekosten höher seien als der Erlös. Solche Bäume würden dann zu Biotopbäumen. Der Holzverkauf erfolge aufgrund der Marktsituation zu Billigstpreisen. 

Der Eicheneinschlag wird reduziert von 2300 möglichen auf 1000 Festmeter. 2800 statt 5000 Festmeter Buchenholz würden vorgesehen. „Wir schlagen nur so viel Laubholz ein, wie wir benötigen, um wirtschaftlich zu sein.“ 

Im Zuge der „Wiederbewaldung“ würden erste Freiflächen schon aufgeforstet. Douglasie, Eiche, Weißtanne, Bergahorn oder Vogelkirsche würden gepflanzt. 45 000 Stück würden gesetzt. Der Großteil des Waldes verjünge sich selbst. 

66 000 Euro sind für die Verjüngung vorgesehen, für den Schutz vor Wild sind es 47 000 Euro, die Wegeunterhaltung wird etwas reduziert auf 62 000 Euro. 1,1 Millionen an Aufwendungen stehen im Wirtschaftsplan Einnahmen in selber Höhe gegenüber. Auch in anderen Jahren liege der Posten Einnahmen bei diesem Betrag, nun müsse dafür aber eine deutlich größere Menge Holz verkauft werden. Im Jahr 2018 schließe die Waldwirtschaft mit einem Plus von 120 000 Euro ab, nannte Müller die aktuelle Zahl. 

Angesprochen auf Arbeiten im Wald unter Scheinwerferlicht, durch das unter anderem Tiere gestört werden können, sagte Müller: „Wir möchten das nicht, und wir unterbinden das, wenn wir davon Kenntnis bekommen.“ 

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