Forschung dreht an Altersschraube

Modelleisenbahnbörse am 21. Januar
11. Januar 2018
In Gambach schließt demnächst die Firma Getränke-Heil
11. Januar 2018

Forschung dreht an Altersschraube

Foto: thg

Neujahrsempfang Mediziner Professor Dr. Dr. Grimminger spricht im Friedberger Kreishaus

Wetteraukreis (thg). „Homo Deus – Entsteht ein neuer Mensch?“ lautete das Thema des Vortrags von Professor Dr. Dr. Friedrich Grimminger, Ärztlicher Direktor des Gesundheitszentrums Wetterau, auf dem Neujahrsempfang am Dienstag im Friedberger Kreishaus. Darin zeigte er die mögliche Zukunft der Medizin auf, die es ermöglichen werde, die Lebenserwartung auf 140 Jahre zu steigern. Denn die Frage sei nur noch, wann die Forschung so weit sei, nicht mehr ob. Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler begrüßte die Gäste als Stellvertreter des Landrats, der zum Jahresende aus dem Amt geschieden war. Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch übernahm die Verabschiedung der Zuhörer aus Politik, Institutionen, Vereinen, Verbänden und Wirtschaft. Kreistagsvorsitzender Armin Häuser ist derzeit im Urlaub.

In 100 Jahren werde sich der Mensch vom heutigen mehr unterscheiden als der derzeitige vom Neandertaler. Diese Einschätzung gab Grimminger ab und stützt sich dabei auf die Analyse der aktuellen Forschungslandschaft. Die großen Fragen des Menschen, wo kommt er her und wo geht er hin, waren Ausgangspunkt. Die Veränderungen des Zusammenlebens und der Gesellschaftsmodelle und sozialen Strukturen fasste er zusammen vom Jäger und Sammler bis zur industrialisierten Welt mit der Aussicht auf die Schaffung einer neuen Klasse, die im Wesentlichen „nutzlos“ sei und die beispielsweise mit virtuellen Welten beschäftigt werde.

„Jeder Tod hat eine klare Ursache“, betonte der Mediziner. Diese könnte man mit den „richtigen Tools“ beheben. „Anti Aging“ sei in der Forschung nicht mehr auf Wellness begrenzt, sondern ziele darauf, „ganz erheblich an der Altersschraube zu drehen“. Dies könne mit Medikamenten oder auch mit „Genetic engineering“ also beispielsweise über das Einführen von Nanometer kleinen Teilchen in den Körper erfolgen, die genaue Auskünfte über den Zustand des Patienten geben.

Auch die Frage, was aus den Ärzten wird, stellte Grimminger, seien diese doch überfordert, weil sie weder alle Patientenaktendetails kennen noch alle neuen Forschungsergebnisse aufnehmen könnten, deren Menge sich rasant vermehre. Künstliche Intelligenz, ein Roboter soll den Arzt ersetzen. Der „IBM Watson“ könne dieses Wissen verarbeiten und den Symptomen und Daten entsprechend dann Antworten liefern. Die Frage stelle sich aber auch, wieviel Kontrolle der Mensch noch haben solle.

Ein anderes wichtiges Problem sei die Konkurrenz durch die Lebewesen Bakterien. Sie entwickelten Resistenzen gegen Antibiotika. Der Mensch müsse weiter forschen, sonst könnte es sein, dass ihn das Thema in 20, 30 Jahren einholt. Außerdem wird sich der Mensch um das Gehirn kümmern müssen, das derzeit mit 90 bis 95 Jahren nicht mehr die entsprechende kognitive Leistung bringe.

Weckler ging zu Beginn auf die Entwicklung des Wetteraukreises der vergangenen Jahre und in der Zukunft ein. Es sei viel auf verschiedenen Sektoren erreicht worden, manches werde schlechtgeredet, aber er sehe das Glas sprichwörtlich mehr als nur halbvoll. Gute Zukunftsaussichten habe der Kreis, der den Menschen Heimat biete. So werde die Bevölkerungszahl in den nächsten zehn Jahren um bis zu 30 000 zunehmen. Der Siedlungsdruck des Rhein-Main-Gebiets wirke auch auf die Wetterau, und dort nicht nur entlang der Autobahnen. Weiteres Bauen werde notwendig, um die Infrastruktur zu verbessern.

Auch die gesamte Architektur der Gesundheitsversorgung in der Wetterau sei wichtig. Und das alles koste viel Geld. Auch wenn Überschüsse erwirtschaftet wurden, so deckten diese noch nicht die Defizite aus den Vorjahren. „Der Wetteraukreis schiebt immer noch einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her.“ Die Senkung der Kreisumlage zur Entlastung der Kommunen werde daher auch von der Aufsichtsbehörde kritisch betrachtet.

Becker-Bösch wie auch zuvor Weckler betonte die gute Zusammenarbeit, mit der die beiden während der Vakanz des Landratspostens „das Kreishaus hüten“. Sie übernahm die Aufgabe, reichlich Dank auszusprechen und hob besonders die Aktiven und Ehrenamtlichen aus ihrem Arbeitsbereich Soziales, aber auch Hilfsorganisationen und Feuerwehren hervor. Sie stellte fest, es bleibe viel zu tun im Gesundheits- und Pflegesystem. Die Kreisfinanzen stünden auf soliden Beinen, diese Möglichkeiten könne man in Zukunft nutzen.

Die Band Sound Salad der Musikschule Friedberg setzte den musikalischen Rahmen der Veranstaltung.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.