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Frankfurter gewinnt Dialekt-Slam

BUTZBACH. Das Foto zeigt v.l. die Teilnehmer am Dialekt Slam: Marvin Suckut, Moderater Stefan Dörsing, Helge Albrecht, Tobias Beitzel und Clemse Lebemann. Text + Foto: win

„Hessisch gegen den Rest der Welt“ beim Open-Air-Kino / „Hasse Dein Nachbardorf“ wichtige Lebensregel

BUTZBACH (win). Den Auftakt zu den Hessischen Poetry-Slam-Meisterschaften machte am Donnerstag der Dialekt Slam „Hessisch gegen den Rest der Welt“. Moderator Stefan Dörsing aus Gießen begrüßte Helge Albrecht aus Hamburg, Clemse Lebemann aus Frankfurt, Tobias Beitzel aus Arfeld und Marvin Suckut aus Konstanz. Mit den Worten „In den ersten Reihen gibt es Plätze mit Sitzheizung“ lockte der Moderator die weiter hinten sitzenden Zuschauer näher heran, um anschließend die üblichen Slam-Regeln zu erklären: selbstgeschriebener Text, keine Requisiten, Zeitlimit und Abstimmung per Applaus. 

Suckut trat für die schwäbische Fraktion an und erklärte zunächst für die Nicht-Schwaben ein paar schwer verständliche Begriffe wie Muggabatscher (Fliegenklatsche). Um kurz vor halb acht war Albrecht, der „Schnacker un Schrieversmann“ aus dem hohen Norden an der Reihe, um dem Publikum etwas „op Platt“ zu erzählen. Er hatte das undankbare Zeitfenster des allabendlichen Glockengeläuts erwischt. Er hielt erst einmal inne, denn es sind bekanntlich keine Requisiten erlaubt, und als solche könnten die Kirchenglocken missverstanden werden. Passend hieß sein Text „Die Sache hat einen Haken“, wobei es in diesem Fall ums Angeln ging. Das Platt war aus Sicht des Nordlichts sicher fast schon Hochdeutsch. Menschen nahe des Weißwurst-Äquators dürften sich aber vor einer akustischen Herausforderung gesehen haben. 

Beitzel aus Arfeld in Nordrhein-Westfalen witzelte denn auch gleich „Helge hat sich eine Fantasiesprache ausgedacht“, bevor das „Dorfkind – zwischen Fantasie und Fanta-Korn“ auf Wittgensteiner Platt loslegte. Kneipen und Bäckereien sind das schwarze Brett, Bier ist immer im Haus zu haben, zu den Dorfregeln gehört, dass man Omas immer grüßt. Und natürlich, ganz wichtig: Hasse Dein Nachbardorf. Das Publikum stimmte lachend zu. 

Lebemann konnte da ebenfalls nur zustimmen, wurde ihm die Abneigung gegen das Nachbardorf Offenbach doch in die Wiege gelegt. Bei der Wahl zur unfreundlichsten Stadt sei Frankfurt nur auf den siebten Platz gekommen, empörte er sich. Er spreche kein „Butzbacher Bauernplatt“, sondern Frankfurterisch, ließ er ohne Bedauern das Publikum wissen, um dann unterhaltsam-barsch von Geschehnissen in Frankfurter Apfelweinlokalen zu berichten und seinem Ärger über die zahlreichen in der Bankenmetropole stattfindenden Junggesellenabschiede Luft zu machen. Die Zuschauer applaudierten heftig. 

Während Suckut von den Tücken eines Umzugs berichtete, setzte bei leichtem Wind der erste Nieselregen ein. Die Zuschauer ließ das unbeeindruckt. Sie packten ihre Regenponchos und Schirme aus und lauschten weiter vergnügt dem Wortgeplänkel. 

Albrecht berichtete vom Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt und dass die Brüder und Schwestern bei den Friesen Broder und Syster hießen, manchmal sogar mit Vor- und Nachnamen. Das hessisch geprägte Publikum verstand nicht allzu viel, erfreute sich aber an dem lustigen Klang der Worte. Im nächsten Slam sinnierte Beitzel über das Schmiermittel Bier, das auf dem Land eine wichtige gesellschaftliche Angelegenheit sei. Lebemann mit der für einen Frankfurter typisch barschen Art – „wenn du in Frankfurt freundlich bist, läuft das nicht“ – regte sich derweil über seinen Fitness-Dude auf, mit dem er beim Yoga-Kurs den Sonnengruß zelebrieren musste.

Ins Finale schafften es Lebemann und Beitzel. Der wartete mit einem melancholischen Text über die letzte Kneipe im Dorf auf und erntete viel Applaus. Lebemann trumpfte mit einer poetischen Erzählung über die vom Alkohol begleiteten Erlebnisse seines lyrischen Protagonisten auf. Diesen ließ er in seinem Text vom „Göllern“ erwecken, aus dem „Becks“ springen, alle „Licher“ anmachen und draußen vor dem Fenster eine Gruppe lautstarker „Radler“ ausmachen. Das hellauf begeisterte Publikum feierte ihn für diese promillehaltige Poesie. Bei der anschließenden finalen Applaus-Abstimmung der Zuschauer machte er dann auch das Rennen. 

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