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„Freiheit ist ein Mega-Thema“

BUTZBACH. Der Dekan des Dekanats Wetterau, Volkhard Guth (l.), und Butzbachs Bürgermeister Michael Merle (M.) beschäftigen sich in ihrer Dialog-Predigt im Gottesdienst am Sonntagmorgen in der Markuskirche mit dem Freiheitsbegriff Martin Luthers und seiner Aktualität bis in unsere Zeit. Geleitet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Jörg Wiegand (r.).Text + Foto: dt

Markuskirche: Dialog-Predigt von Dekan Volkard Guth und Bürgermeister Michael Merle

Butzbach (dt). „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Aus der Denkschrift Martin Luthers mit 30 Thesen aus dem Jahre 1520 – „De libertate christiana“ („Von der Freyheith eines Christenmenschen“) – stammt dieses markante Statement. Genau diese beiden auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinenden Aussagen hatten sich der Dekan des Dekanats Wetterau, Volkhard Guth, und Butzbachs Bürgermeister Michael Merle gewählt für ihre Dialog-Predigt im Rahmen des Gottesdienstes am Sonntag in der Markuskirche. Geleitet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Jörg Wiegand und musikalisch gestaltet von Kantor Uwe Krause an der Orgel.

Dekan Volkhard Guth zitierte gleich zu Beginn des Gottesdienstes aus Marius Müller-Westernhagens Song von 1989: „Freiheit ist die einzige, die fehlt. Freiheit ist das einzige, was zählt.“ Ein Christ sei gehalten und gleichzeitig frei. Gerade die Stadt Friedrich Ludwig Weidigs sei der rechte Ort, um über Freiheit zu sprechen: „Wenn nicht hier, wo dann?“ Und das geschah anschließend im Rahmen einer Dialog-Predigt. Wo der Geist des Herrn regiere, da sei Freiheit, unterstrich der Dekan und Bürgermeister Merle äußerte die Vermutung, dass wir heute unsere Freiheit als zu selbstverständlich empfänden und sie nicht mehr als ein besonderes Gut zu schätzen wüssten. Freiheit sei immer mit Demokratie verbunden: „Die eine ist ohne die andere nicht vorstellbar.“ Freiheit sei ein „Mega-Thema“ und spiele in vielen öffentlichen Debatten eine wichtige Rolle. Der Mauerfall 1989 sei eine „wundersame Erfahrung“ von Freiheit gewesen.

In einem wechselnden Dialog ergänzten sich die beiden Prediger. Martin Luther, der mutig und furchtlos für seine Überzeugung eingetreten sei, sei eigentlich ein „Mutbürger“ gewesen, meinte Merle. Sein Eintreten für die Freiheit eines Christenmenschen von äußeren Autoritäten hätte ihn das Leben kosten können. Die innere Freiheit des Christen beruhe auf seinem Glauben, seinem Gottvertrauen, betonte Guth. Aus dem Gefühl der inneren Freiheit heraus entwickele sich die Liebe zum Nächsten. Luthers Freiheitsbegriff und –verständnis sei heute genauso aktuell wie vor 500 Jahren. Freiheit könne danach nur Freiheit sein, wenn sie „mit der Nächstenliebe zusammengedacht“ werde. Durch eine Vielzahl von Abhängigkeiten, von Selbstverliebtheit und Egoismus, von der Tendenz zur Individualisierung und abgestumpft entfernten sich Menschen in unserer Zeit von ihrer christlichen Freiheit. Freiheit müsse mit „Verbindung und Verbindlichkeit gelebt“ werden: „Freiheit ist nicht die Freiheit von …, sondern die Freiheit zu …“ Rücksicht und Solidarität seien ein wichtiger Teil von Freiheit, die Menschen zusammenführen müsse.

Schon Luther – wie auch wir heute – habe die Freiheit als ein gefährdetes Gut erkannt, sei der „erste Nationalökonom“ gewesen – so Merle –,  habe die zu seiner Zeit aufkommende Marktwirtschaft mit dem hohen Zins kritisch gesehen. Soziale Verantwortung habe viel mit Freiheit zu tun. Das Gedenken an 500 Jahre Reformation sei der rechte Anlass, um darüber nachzudenken, was sich auch bei uns ändern müsse. Soziales Handeln sei auf dem Rückzug. Dekan Guth betonte, dass Martin Luther geistliche Freiheit gesehen habe in Verbindung mit einem Gott, der mit uns gehe, Kraft gebe, innere Freiheit schenke. Dieser vermittelnden Aufgabe müsse sich die Kirche öffentlich, authentisch und selbstkritisch stellen. Sie müsse die geistliche Kraft vermitteln, den Weg zu innerer Freiheit zu finden, die dann zur äußeren Freiheit führe – dann sei Christus mitten unter uns, stellte Dekan Guth fest.

 

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