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„Freiheitliche Grundordnung schützen“

BUTZBACH. Stephan Höning sang mit Freiheitshut gestern in der Weidigschul-Mensa unter anderem das Deutschlandlied. Text + Foto: thg

VORTRAG – Stephan Höning erklärt „Geschichte in Liedern“ Jahrgang elf an Weidigschule Butzbach

BUTZBACH (thg). Dass historische Quellen nicht nur in schriftlicher Form oder als Gegenstände überliefert werden, sondern dass auch Lieder dazu zählen, erfuhren gestern in der Weidigschule etwa 100 Schüler der Jahrgangsstufe elf, ein „G8“-Jahrgang. Stephan Höning präsentierte in der Mensa das „lange 19. Jahrhundert“, also die Zeit von etwa der Französischen Revolution bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und des deutschen Kaiserreichs, im Liedgut verschiedener Autoren. 

Da Lieder Quellen sind, ist deren Verfälschung demzufolge eine Geschichtsfälschung, sagte der Lehrer für Geschichte, Religion und Ethik am Aufbaugymnasium Alzey und Landeskunstgymnasium Rheinland-Pfalz. Denn das Lied vom weinenden „Deutschen Michel“, Mitte der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts gedichtet, werde von Rechten vereinnahmt und um eine nicht historische Strophe erweitert, um es für ihre Zwecke zu nutzen. 

„Zwischen Michel und Germania“ heißt das Programm, mit dem Höning gestern im Butzbacher Gymnasium auftrat. Die Lieder vermittelten auch, dass es ein bewegende Zeit gewesen sei, dass das Zeitalter auch emotional zu verstehen sei. Das Motiv der Freiheit als nachdrückliche Forderung zieht sich durch die Jahre, beginnend mit der Mainzer Revolution infolge der Französischen Revolution. Zum besseren Verständnis nutzt Höning nicht nur verschiedene Instrumente wie Laute, Gitarre, Harfe, Ukulele, Banjo und singt selbst, auch Kopfbedeckungen wie die Jakobinermütze oder der Freiheitshut unterstreichen den historischen Zusammenhang. 

Besonders griff Höning das Deutschlandlied heraus, beleuchtete die Zeit und die Motive des Verfassers des Textes August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Als historische Quelle sang der Pädagoge das Lied mit allen Strophen, um zu erläutern, dass auch der erste Vers 1841 „nicht problematisch“ gewesen sei. Hoffmann von Fallersleben habe gewissermaßen die „Sprachenkarte“ seiner Zeit zugrunde gelegt, durchaus auch großzügig die Grenzen gefasst mit Maas, Memel, Etsch und Belt. Er habe sich aber lediglich die Einheit seines Vaterlands gewünscht. Es sei nicht um Ausweitung gegangen. Heute sei aber diese erste Strophe „nicht mehr möglich“, weil sie der politischen Realität entgegenstehe.

Der Wunsch nach Freiheit brachte Hoffmann von Fallersleben unter anderem ein, dass er nicht mehr Professor sein dürfe. Zwar habe die Obrigkeit ihn unterdrücken können, nicht aber die Gesamtbewegung, so Höning. Und er unterstrich vor den Schülern die Bedeutung der freiheitlichen Grundordnung und die Notwendigkeit, sie zu verteidigen. „Wenn man sich nicht dafür einsetzt, ist sie irgendwann weg.“ 

Fachlehrer Benedikt Kahnert hatte die Schüler und den Referenten begrüßt. Sein Kollege Tobias Maschmann hatte die Veranstaltung organisiert. Die Schüler sind im Unterricht auf das Thema vorbereitet worden. Sie beschäftigen sich mit der Zeit, aktuell speziell mit der darauf folgenden Weimarer Republik. 

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