Freundes- und Förderkreis trauert um „Vater des neuen Butzbacher Museums“

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Freundes- und Förderkreis trauert um „Vater des neuen Butzbacher Museums“

BUTZBACH. Das Foto von Michael Schröter entstand auf einer Fahrt des Museums-Fördervereins vor dem Schloss in Bruchsal. Foto: zitzer

Ehemaliger Leiter Dr. Dieter Wolf erinnert an verstorbenen früheren Vereinsvorsitzenden Michael Schröter

BUTZBACH. Der Freundes- und Förderkreis Museum Butzbach trauert um Michael Schröter, laut Dr. Dieter Wolf, ehemaliger Museumsleiter, „geistiger Vater“ des neuen Museums, Mitgründer und langjähriger tatkräftiger Begleiter des Freundes- und Förderkreises Museum Butzbach. „Es kann gar nicht alles aufgezählt werden, wofür dem Verstorbenen gedankt werden muss: Etwa für die Ideen zum Neubau, die Planung und die Durchführung, den Ausbau sowie die weitere, Jahrzehnte andauernde tatkräftige Unterstützung des neuen Museums der Stadt Butzbach im Solms-Braunfelser Hof“, so Wolf.

Die Belange der Kultur lagen ihm ganz besonders am Herzen. Bereits als in der Kulturpolitik seiner Heimatstadt engagierter Juso und später als Stadtverordneter hat Schröter mit einigen wenigen anderen Gleichgesinnten ein Kulturprogramm für Butzbach entwickelt, zu dem auch die Idee eines neuen, für vielerlei kulturelle Aktivitäten offenen Museumsbaues gehörte. Er war von der großen Bedeutung des Museums als außerschulischer Lernort überzeugt.  

Vor allem zusammen mit der Stadtverordneten Marianne Strube, Ehrenmitglied des Freundeskreises, kämpfte der Leiter der Butzbacher Schrenzerschule für ein neues, größeres Museum. 1985 gelang ihnen gemeinsam mit Bürgermeister Karl Heinz Hofmann, die Stadtverordnetenversammlung von der Notwendigkeit eines neuen „Hauses der Geschichte“ für Museum und Stadtarchiv im Herzen der Altstadt von Butzbach zu überzeugen.

Mit Fug und Recht kann der Verstorbene als „der Vater des neuen Butzbacher Museums“ bezeichnet werden. Als Mitglied des Stadtparlaments, des Kulturausschusses oder des Magistrats hat er die Dinge besonders auch für das Museum und Stadtarchiv, das „Gedächtnis der Stadt“, stets positiv und kontinuierlich positiv beeinflusst.

Folgerichtig war er in den Jahren 1992 bis 1998 ein besonders engagierter Mitarbeiter des Arbeitskreises „Schule und Museum“. Dabei stellte er seine historischen Kenntnisse und museumspädagogischen Fähigkeiten sowie sein einfühlsames Mitwirken für die Schülerarbeit im Museum immer wieder unter Beweis. 

In der Gründungsveranstaltung des Freundeskreises vom 28. November 1996, bei dem Schröter einen bereits ausgearbeiteten Satzungsentwurf präsentierte, wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Das Amt übte er bis 2007 aus. 

Zu den Höhepunkten des damaligen Vereinslebens gehörten auch seit 2000 die alljährlich stattfindenden Ausflüge. Unter anderem organisierte Schröter verantwortlich mit die Exkursion nach Bonn, zum Haus der Geschichte (2001), oder die Fahrt nach Weimar.

Als sich die immer kritischer werdende Situation der öffentlichen Haushalte auch in Butzbach bemerkbar machte, initiierte der Freundeskreis im Februar 2010 anlässlich seines Neujahrsempfangs eine Podiumsdiskussion „Museumsstandort Butzbach – Was ist die Kultur uns wert?“. Schröter wurde mit dem Impuls-Referat betraut und war in der Einschätzung der Gesamtsituation für das Museum pessimistisch wie optimistisch zugleich. 

Schröter war ein feinsinniger, scharfsinniger, auch theoretisch bestens geschulter Pädagoge, der enthusiastisch geschichtliche Fakten draußen und drinnen, in der Schule und außerhalb auch im Museum, vermitteln wollte. Viele seiner geschichtlich und politisch akzentuierten Initiativen standen in direktem Zusammenhang mit dem Bildungsauftrag, der auch von Museum und Stadtarchiv verfolgt wird. 

In Verbindung mit den Aktivitäten des Museums und Stadtarchivs zum Thema „Novemberpogrom 1938 vor 50 Jahren“ verfasste er für seine Schüler und für die Stadt ein alle Zuschauer beeindruckendes Theaterstück als szenische Collage, das sich mit der Judenverfolgung auch in der Stadt in der Nazizeit beschäftigte. Es wurde im Kinosaal aufgeführt. Ebenso schrieb er, umgemünzt auf Butzbacher Verhältnisse, Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reichs“ um. Die Bühnenveranstaltung wurde am 9. November 2012 in der Alten Turnhalle inszeniert und vorgestellt. 

Schröter gelang es – vielleicht als Höhepunkt seiner diesbezüglichen kulturpolitischen Arbeit in der Schule – die Gründung der „Geschichtsreisen-AG“ und damit über viele Jahre, Schüler für geschichtlich-politische Themen zu begeistern. Er hat diese lohnenswerte Jugendarbeit auch über seinen Ruhestand hinaus fortgesetzt. Es entstanden oftmals in Zusammenarbeit mit dem Butzbacher Museum – verschiedene Ausstellungen, unter anderem zum Thema „Friedliche Revolution und Mauerfall 1989“, zusammen mit Schülern der Friedrich-Tschanter-Oberschule in Butzbachs Partnerstadt Eilenburg, „Luther und die Reformation in Deutschland“, oder „Auschwitz“. 

 

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