Für die Zukunft des Münzenberger Stadtwaldes ist Schützenhilfe nötig

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Für die Zukunft des Münzenberger Stadtwaldes ist Schützenhilfe nötig

MÜNZENBERG. Blick auf Abteilung 16a im Gambacher „Dicken Wald“: Im kommenden Frühjahr erfolgen hier umfangreiche Pflanzmaßnahmen.

MÜNZENBERG (pe). Das „grüne Wohnzimmer“ Münzenbergs braucht Unterstützung, damit auch künftige Generationen die vielfältigen Funktionen der Waldflächen im Stadtgebiet nutzen und genießen können. „Neben den Profis wie Forstfachleuten und Jagdpächtern sind hierbei auch die vielen Waldbesucher aus der Bevölkerung gefragt“, teilt Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer mit. 

Die letzten beiden Dürrejahre waren für den Wald Stress pur. Unmittelbare Folgen wie Borkenkäferbefall hielten sich aufgrund der wenigen Fichten-Bestände in Grenzen. Der Münzenberger Wald steht im Vergleich zu anderen Wäldern gut da, doch zukunftstauglich ist das bislang in Münzenberg umgesetzte Forstkonzept nicht mehr. 

Die Stadt Münzenberg als kommunale Waldbesitzerin hat daher das künftige Bewirtschaftungskonzept für den Stadtwald gemeinsam mit der Fürst zu Solms Lich’schen Forstverwaltung, die die Beförsterung übernommen hat, überarbeitet. Ziel ist ein klimaresistenter, artenreicher Wald, der neben Naturschutz und Naherholung durch intelligente, nachhaltige Forstwirtschaft einen Gewinn in die Stadtkasse bringt. 

Erste Maßnahmen aus dem Zukunftskonzept werden im kommenden Frühjahr umfangreiche Pflanzmaßnahmen in der Abteilung 16a sein. Mit voraussichtlich etwa
12 000 Stieleichen- und Lärchensetzlingen startet dann dort die Zukunft des Münzenberger Stadtwaldes. Doch die zarten Pflänzchen sind in Gefahr. Das junge Grün steht auf der Speisekarte des Rehwildes ganz oben. Der sogenannte Wildverbiss ist daher ein großes Hindernis für die angestrebte Walderneuerung. 

Um den Waldumbau zu erreichen, arbeiten die Stadt Münzenberg als Waldbesitzerin und die mit der Bewirtschaftung beauftragte Fürst zu Solms’schen Forstverwaltung eng mit den anderen Waldnutzern, insbesondere den Jagdpächtern zusammen. In der Abteilung 16a werden die Jagdpächter im kommenden Frühjahr wertvolle Unterstützung leisten durch den Bau eines Gatters um die neu angepflanzten Stieleichen- und Lärchen-Setzlinge zu schützen. „Das ist nicht selbstverständlich und dafür sind wir den Jägern sehr dankbar“, so Bürgermeisterin Dr. Tammer. 

Doch das allein reicht nicht – schon gar nicht, wenn man die Zukunft des Münzenberger Stadtwaldes als Ganzes betrachtet. Der Wald soll von der Jagd Schützenhilfe bekommen – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Weil der Verbiss vor allem durch Rehe eines der Haupthindernisse für den angestrebten Umbau des Waldes weg von anfälligen Monokulturen hin zu widerstandsfähigen Mischwäldern ist, sollen Jäger mehr Rehe schießen. 

Erfolgreich können die Jäger aber nur sein, wenn die Tiere entspannt und ungestört sind. Dann folgen sie den Wildwechseln und sind für Jäger zu finden. Gestresstes, verängstigtes Rehwild versteckt sich im Dickicht und bleibt für den Waidmann unsichtbar „Die Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Geocacher bitte ich daher: Bleiben Sie auf den befestigten Wegen und vermeiden Sie Waldbesuche in der Nacht oder während der Dämmerung“, appelliert die Münzenberger Rathaus-Chefin. „Das ist die einzige Möglichkeit, unseren Wald zu schonen und zu erhalten“.

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