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Für Hacken und Jäten statt Spritzen

Butzbacher Magistrat soll prüfen, inwieweit Glyphosat-Nutzung eingedämmt werden kann

Butzbach (thg). Die Kooperation aus SPD, CDU und Grünen im Butzbacher Stadtparlament möchte das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das in den zurückliegenden Monaten Schlagzeilen gemacht hat, aus Butzbach verbannen. Der Magistrat soll prüfen, inwieweit andere Verfahren den Einsatz von Totalherbiziden bei der Pflege kommunaler Flächen ersetzen kann. Zugleich soll das Gremium im Dialog mit Landwirten und Kleingärtnern Strategien erarbeiten, wie der Einsatz dieser Chemikalien „überflüssig“ gemacht werden kann. Einstimmig bei einer Enthaltung unterstützte das Parlament den Vorstoß.

Sabine von zur Mühlen (Grüne) begründete den Antrag unter anderem mit der wahrscheinlich krebserregenden Wirkung auf Menschen. Das Mittel lasse sich zudem laut Studien bei „über 70 Prozent der Deutschen im Urin nachweisen“. Zugleich sei die Vielfalt der Tierwelt bedroht, wenn die Pflanzenvielfalt abnehme. Vielen Hobbygärtnern seien Auswirkungen des Glyphosats wahrscheinlich nicht bewusst, sie wendeten es aber an, weil das Spritzen weniger zeitaufwändig und kräftezehrender sei als das Hacken und Jäten. 51 Mittel, die Glyphosat enthalten, seien auch für den Privatgebrauch zugelassen. Andere Kommunen hätten bereits festgelegt, dass das Mittel nicht mehr eingesetzt werden soll.

In der Aussprache begrüßten Vertreter der Fraktionen den Antrag, wiesen aber auch darauf hin, dass bei der weiteren Verwendungserlaubnis auf europäischer Ebene die Butzbacher Bemühungen wenig brächten, so UWG-Fraktionsvorsitzende Gudrun Reineck. FDP-Fraktionsvorsitzender Oliver Löhr machte klar, dass er kein Loblied auf Glyphosat anstimmen wolle, das Thema aber differenziert betrachtet werden müsse. Denn im Gegensatz zu anderen Mitteln sei es nicht sofort toxisch, wenn es – beispielsweise aus Versehen – vom menschlichen Körper aufgenommen werde. Das mechanische Entfernen von Unkraut unter anderem durch den Bauhof sei eine Alternative. In der Landwirtschaft werde sich dies auf die Preise auswirken. Dass die Erzeugung guter Lebensmittel teurer werde, fordere Tribut, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Vera Dick-Wenzel. Während der Verbraucher viel Geld für Nobelhandys ausgebe, wolle er das Kilo Schnitzel nur billig einkaufen. Dass nicht etwa die Stadt, sondern die Bahn in Butzbach der größte Anwender von Glyphosat sei, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Euler.

Auf Anfrage sagte Bürgermeister Michael Merle, dass der Magistrat den Prüfauftrag abarbeite, dabei speziell auch die rechtlichen Fragen prüfe. Die Stadt sei auch Verpächter von Flächen, es sei wohl nicht möglich, dafür einen Einsatz des Mittels zu verbieten. Der städtische Bauhof wende Glyphosat-Mittel streng reglementiert an. Auch Alternativen seien inzwischen ausprobiert worden.

Merle verwies auf die Beantwortung einer Anfrage der Grünen-Fraktion von vor knapp zweieinhalb Jahren zum Thema. Etwa 90 Liter Herbizide mit Glyphosat würden demnach im Jahr angewendet. Für 11 000 Quadratmeter bestehe die Genehmigung des Regierungspräsidiums der Anwendung, wobei es sich um Friedhöfe, Parkplätze oder auch Grün- und Sportanlagen handele. Acht Milliliter pro Quadratmeter der Mittel würden im Jahr aufgetragen, der Grenzwert liege bei 40. Die damit befassten Mitarbeiter sind im Umgang mit den Mitteln ausgebildet und besitzen den so genannten Sachkundenachweis. Auf nicht genehmigten Flächen werde Unkraut mechanisch und manuell entfernt.

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