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Gartenhäuser zu nah am Waldrand

Ortsbeirat der Kernstadt Butzbach auf Rundgang im Degerfeld / Verstöße gegen Bebauungsplan moniert

BUTZBACH (pd). Jüngst traf sich der Ortsbeirat der Kernstadt Butzbach zu seiner Ortsbegehung des Degerfeldes. Ausgangspunkt war das Sparkassenhäuschen in der unteren John-F.-Kennedy-Straße. Neben einigen interessierten Bewohnern des Gebietes waren auch Bürgermeister Michael Merle und die Stadtverordnete Marion Stahl mit von der Partie. Auf Einladung der Ortsvorsteherin Astrid Gerum nahm auch der Geschäftsführer der Butzbacher Wohnungsgesellschaft (BWG) Alexander Kartmann teil. 

Das Ortsbeiratsmitglied Adam Gutgesell hatte den Rundweg ausgewählt. Zu Beginn nahmen die Teilnehmenden das Gelände des geplanten Wohnmobile-Stellplatzes, des Paul-Ehrlich-Weges sowie des geplanten Vicus Romanus in Augenschein. Einigkeit bestand darin, dass der Paul-Ehrlich-Weg, wie in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer vom Degerfeld zur Innenstadt darstellen soll. Wegen des im Boden liegenden Kulturdenkmals Hunnenburg/Römerkastell sind tiefe Eingriffe in das Erdreich nicht erlaubt. Allerdings werden derzeit die zur Sperrung des Fahrzeugverkehrs ausgelegten dicken Steine beiseite geschafft oder die ehemalige Festwiese als Umfahrung genutzt.

Im Neubaugebiet „Wohnen am Limes“ sorgte die Vorgartensituation einiger Grundstücke für großes Erstaunen. Die vorhandenen steinernen Vorgärten sind zwar für die Eigentümer pflegeleicht, entsprechen allerdings nicht den Vorgaben des Bebauungsplans. Im Hinblick auf die vermehrt auftretenden Starkregenereignisse, die schon durch das Gebiet geflossenen Schlammmuränen und die für jedermann spürbaren Erwärmung der Umgebung wurde diese Versiegelung äußerst kritisch zu bewerten. Ausgenommen von dieser Kritik sind hierbei ausdrücklich die Vorgärten, die der Schaffung privater Parkplatzflächen dienen und somit zur Entlastung der Straßen beitragen.

Auch im neu entstandenen Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Muni-Häuser stellte der Ortsbeirat einige Verstöße gegen den geltenden Bebauungsplan fest. Trotz strenger vertraglicher Regelungen beim Erwerb der Grundstücke, wurde der nicht bebaubare hintere Teil der Liegenschaften teilweise mit Gartenhäusern bebaut. Zum Schutz der eigentlichen Wohnhäuser wurden seinerzeit viele Bäume gefällt, der Waldrand zurückgedrängt, um einen  Abstand von circa 30 Meter zur Wohnbebauung zu erreichen und einen erneuten Aufwuchs eines gesundes Waldrandes zu erreichen. Die dadurch entstandenen Freiflächen wurden den Grundstücken zugeschlagen und zu einem verminderten Kaufpreis verkauft. Insgesamt stellte sich bei Betrachtung der Gesamtsituation in den neuen Baugebieten der gesamten Stadt Butzbach die Frage, warum solche Verstöße gegen die Bebauungspläne nicht durch eine engmaschige Kontrolle schon während der Bauphase überwacht und unterbunden werden. Bürgermeister und Verwaltung seien gefragt. Denn nachträgliche Änderungen der Bebauungspläne verursachten Unmut bei jenen, die sich an die Vorgaben halten.

Kartmann erläuterte an den Hochhäusern in der Pohl-Gönser Straße das von ihm und seinen Mitarbeitern erarbeitete Sanierungskonzept für das von einem Brand stark in Mitleidenschaft geratene Haus 5. Ziel sei es, im Sommer 2021 die Wohnungen wieder vermieten zu können (die BZ berichtete). Auch die Umgestaltung des Gebäudes des ehemaligen Supermarktes an der Ecke Mozartstraße/Pohl-Gönser Straße wurde vom Ortsbeirat angesprochen. Kartmann führte dazu aus, dass Pläne in der Entwicklung seien und dem Aufsichtsrat zur Bewertung und Entscheidung vorgelegt würden.

Im Quartierszentrum hatten die Gäste das Wort. Im Großen und Ganzen sind die Bewohner des Degerfeldes sehr zufrieden mit ihrem Wohngebiet. Nur die Nutzung des Spielplatzes am Quartierszentrum sorgt bei einigen Anwohnern für Unverständnis. So würde bis weit in den späten Abend das Gelände für laute Zusammenkünfte genutzt. In Abstimmung mit dem Ordnungsamt soll eine Lösung analog zum Spielplatz in der Waldsiedlung gefunden werden. Der mittlerweile sichtbare Ausbau des Verbindungsweges zwischen Pohl-Gönser Straße und dem Zugang zur Haydnstraße sorgt für Verwunderung. Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung als wassergebundener Gehweg, werde nun ein mit massivem Unterbau versehener Verbundsteinweg gebaut. Es gibt Befürchtungen, dass dieser Ausbau zu einer Radrennstrecke wird und Fußgänger gefährdet werden könnten.

Last Updated on 5. September 2020 by Denise Koppe

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